Sein Schöpfer Klaus Kaliebe nennt ihn „Phillip“, ähneln tut er auf dem ersten Blick aber eher James Bond – der gut aussehende Typ an den Rudern im Kahn. Diesen hat der Cottbuser aus einem 20 Zentimeter großen Modellbausatz auf stolze 60 Zentimeter „gestreckt“, denn die Puppe brauchte genügend Platz. In seiner ursprünglichen Form war das Ruderboot ein Modell zum Hinstellen. Doch Klaus Kaliebe wollte mehr: „Schon lange hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, ob man die Bewegungsabläufe des Ruderns im Modellbau nicht nachvollziehen könnte“, sagt er. Und er konnte.

Dieses Video zeigt alle Modelle in Aktion

Bei Recherchen im Internet wurde er fündig und legte los. Neben dem schon erwähnten Ausgangsmodell für rund 30 Euro fand er im Modellbauhandel auch eine Leiterplatte mit einem entsprechend programmierten Prozessor. Vier Servos wurden für die Ruderbewegungen gebraucht – alles angetrieben durch einen 4,8 Volt-Akku und gesteuert per Funk. Damit nicht genug: Auch der Ruderer sollte nicht so steif im Boot sitzen, sondern seinen Kopf drehen können – auch das gelang Klaus Kaliebe, der sich seit seinem 18 Lebensjahr dem Modellbau verschrieben hat.

Vom Segelflieger zum Modellbauer

Gebaut habe er bislang „alles Mögliche – vom Hochdecker, Segelflieger bis zu mehrmotorigen Flugzeugen. Alles elektrisch“, wie der gelernte Handwerksmeister für Elektrotechnik sagt. Seine Liebe für die Flugzeugmodelle habe ihren Ursprung in seiner Zeit als Segelflieger bei der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) zu DDR-Zeiten. Doch er fliege längst kein Segelflugzeug mehr – und sei vor ein paar Jahren auch vom Flugmodellbau auf Schiffsmodelle umgestiegen, „weil für die Flugzeuge einfach die Reparaturkosten höher“ waren.

Schaulustige am Amtsteich

Während sich am Amtsteich immer mehr Schaulustige um den 60-Jährigen mit seiner Funksteuerung scharen. Bereitwillig beantwortet er die neugierigen Fragen. „Das hier war meine ,Winterarbeit‘“, sagt er. Von Oktober 2018 bis zum März 2019 habe er das Ruderboot gebaut. Anfangs lag es noch etwas zu hoch im Wasser. Aber dank einer kleinen selbst gebauten Kiste mit 250 Gramm Blei aus der Angelausrüstung seines Sohnes habe das Ruderboot den optimalen Tiefgang bekommen.

Fortbewegt wird es ausschließlich durch die beiden Ruder, die mit Ösen an den Händen der Puppe befestigt sind. Liebevoll hat der Modellbauer das Boot sogar mit einer kleinen Angelausrüstung und weiteren Details aufgehübscht.

König Felipe wurde „Phillip“

Und „Phillip“ heiße so, weil er dem König von Spanien „Felipe“ so ähnlich sehe. Das meine zumindest seine Frau, der er versprochen habe, falls es mit diesem Ruderboot-Bau nichts wird, werde er ihr daraus eine Obstschale bauen. Sie sei es auch gewesen, die „Phillip“ mit einer Pinzette die Kleidung angezogen habe. Zur Kleidung fällt Klaus Kaliebe eine Anekdote ein: „Als das kleine Päckchen mit der Kleidung ankam, meinte die Postbotin, dass die Sendung viel zu klein sei und sich das Porto nicht lohne. Ich versicherte ihr, dass sich darin je eine Jeanshose, Pullover, Gürtel und ein Paar Stiefel befänden. Sie glaubte mir nicht!“

Boot mit freizügiger Blondine

Ein- bis zweimal komme er im Monat zum Amtsteich, um seine Modelle schwimmen zu lassen. Dazu gehöre auch eine Jacht mit einer „freizügig bekleideten Blondine“ auf dem Heck samt Mann am Steuer. „Beide können sich bewegen und den Zuschauern zuwinken“, erklärt der Modellbauer, der beruflich als sogenannter Stützlehrer bei einem freien Träger Azubis unterstützt, die Schwierigkeiten in Berufsschule und Ausbildung haben.

Zweimastsegler für 1200 Euro

Zu seiner kleinen Flotte gehört auch noch ein elf Kilogramm schwerer Zweimast-Toppsegelschoner mit einer Länge von 1,58 Metern. Das Schiff wird tatsächlich mit Wind in den Segeln angetrieben, die sich mit zwei Segelwinden fernsteuern lassen. Als „Notaggregat“ oder Flautenschieber, wie die Modellbauer sagen, verfüge der Schoner noch eine motorgetriebene Schiffsschraube. „Dieses Modell hat mich schon seit dem Erscheinen auf dem Markt begeistert. Was mich aber noch vom Kauf abhielt, war der Gesamtpreis aller notwendigen Komponenten, um das Schiff fahrtüchtig zu machen. Dazu kam noch, dass ich in einer Wohnung in einem Plattenbau in Cottbus-Sandow lebe und mir kein Bastelraum zur Verfügung steht“, erinnert sich Klaus Kaliebe.

Die Grundkonfiguration sei die der „Valdivia von Altona“ gewesen. Rund ein Jahr lang habe er an dem Schiff gebaut und 1200 Euro dabei investiert.

Bildergalerie Rund ein Jahr lang hat Klaus Kaliebe an dem Zweimaster gebaut und etwa 1200 Euro in die Bauteile investiert.