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| 16:37 Uhr

Update: Denkmalschutz in Cottbus
Mittelalterlicher Ziegelbrennofen wird zugeschüttet

Der Ziegelbrennofen soll bald wieder unter dem Erdreich verschwunden sein.
Der Ziegelbrennofen soll bald wieder unter dem Erdreich verschwunden sein. FOTO: Brandenburgisches Landesamt für
Cottbus. Überraschend hat die Stadt gerade bekanntgegeben, dass der historische Ziegelbrennofen in der Cottbuser Altstadt ab Donnerstag zugeschüttet wird. Das sei die beste Konservierungsmethode.

Geschichtsinteressierte Cottbuser und verschiedene Initiativen haben sich in den vergangenen Wochen vehement für den Erhalt des mittelalterlichen Bodendenkmals stark gemacht – vergeblich. Wie die Stadt jetzt bekanntgab, soll der Ziegelbrennofen ab Donnerstag zugeschüttet werden.

Der Ofen – ein deutschlandweit einmaliger Fund – soll zwar für nachfolgende Generationen erhalten werden, das geht aber nach Ansicht der Denkmalschützer am besten, wenn man die Lehm-Ziegel-Konstruktion wieder zuschüttet. Ab Donnerstag soll damit begonnen werden.

Rathaussprecher Jan Gloßmann erklärt: „Gerade der Lehm reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit. Würde man den Ziegelbrennofen mit einer Glasplatte abdecken, wären sehr aufwendige Maßnahmen notwendig, um die Luftfeuchtigkeit zu regulieren und den Ziegelbrennofen wirklich dauerhaft zu erhalten.“

Bei einem Gespräch zwischen Vertretern des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM), des Investors sowie der Stadt habe man sich dazu entschlossen, den Ofen zuzuschütten und so zu konservieren. Laut Landesmuseum ist der Ofen zwar dann nicht mehr sichtbar, bleibt aber für nachfolgende Generationen erhalten. Andere Varianten würden die Erhaltung des Fundes gefährden. Man hätte, so die Forderung vieler Cottbuser, den Brennofen mit einer Glasplatte überdecken und somit sichtbar werden lassen können. Das aber ist nach Auffassung des Amtes in einem Wohnhaus kaum machbar, brächte auch konservatorisch erhebliche Probleme.

Die zweite Variante, eine Bergung des Baus, birgt offenbar das Risiko, dass der Ofen zerbricht oder zerfällt. Zum Tragen kommen soll nun die erste Variante: Der Ziegelbrennofen wird lückenlos mit Geotextil abgedeckt und anschließend mit Feinkies angeschüttet. Alle Arbeitsschritte werden dabei fotografisch dokumentiert. Der geplante Kellerbereich des Projektes steht damit an dieser Stelle für andere Nutzungen nicht mehr zur Verfügung.

Bürgermeisterin Marietta Tzschoppe: „Der Wunsch, den Ofen zu erhalten und künftig sehen zu können, spricht für die Verbundenheit der Cottbuser mit ihrer Stadt und ihrer Geschichte.“ Sie sei aber dankbar für den realistischen Blick des Landesamtes auf den Befund und die sachliche Analyse. „Es gibt keinen Grund, Investoren gerade in sensiblen Bereichen unserer Altstadt zu verteufeln. Im Gegenteil, wir sollten dankbar sein, dass sie sich um wichtige Teile der Stadt kümmern und dabei zu Kompromissen bereit sind.“

Die Brandenburgische Genealogische Gesellschaft (BGG) „Roter Adler“ hatte schon im Vorfeld der Entscheidung gesagt, ein Zuschütten des Ofens sei der Stadt „unwürdig“.

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(hil)