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| 15:16 Uhr

Kohleabbau
Fundgrube für die eigene Vergangenheit

 Mitglieder des Förderverein Cottbuser Ostsee besuchten am Sonnabend im Rahmen einer Vereinsveranstaltung das Archiv verschwundener Orte in Horno.
Mitglieder des Förderverein Cottbuser Ostsee besuchten am Sonnabend im Rahmen einer Vereinsveranstaltung das Archiv verschwundener Orte in Horno. FOTO: Marion Hirche
Horno. Mitglieder des Fördervereins Cottbuser Ostsee besuchen  Archiv der verschundenen Orte in Horno.

Die Mitglieder des Fördervereins Cottbuser Ostsee hatten am Sonnabend Exkursionstag: Sie besuchten das Archiv verschwundener Orte in Horno. In dem Forster Ortsteil gibt es seit 2006  diese einmalige Ausstellung, die an alle 137 Orte erinnert, die der Braunkohle im Lausitzer Revier weichen mussten.

„Es ist gut, dass hier Erinnerungsstücke aufbewahrt werden und dass durch Berichte, Schriftstücke und Filme die  Vergangenheit lebendig bleibt. Das hier ist eine Fundgrube für unsere Vergangenheit“, betonte Rainer Richter aus Cottbus-Willmersdorf. So wie er verfolgten 17 weitere Fördervereinsmitglieder die Ausführungen von Dörthe Stein. Zuerst stellte sie den  „Ostseelern“ die Ausstellung in der Hornoer Kirche vor. Hier erlebt der Besucher, dass im Lausitzer Revier 27 Kirchen dem Bergbau  geopfert wurden. Nur drei wurden an anderer Stelle wieder aufgebaut. „Ich bin in Senftenberg groß geworden.  Ich habe ein paar Unterlagen über diese Verluste gesammelt“, war von  Christa Pösch, Freundin des Fördervereins, zu erfahren.

Von der Kirche ging es dann in das Archiv gegenüber. Nach dem Einführungsfilm erklärte Dörthe Stein den  Kartenteppich. Hier sind alle Orte und Gebiete des Lausitzer Reviers verzeichnet, die einem Wandel durch den Kohleabbau unterlagen oder unterliegen. Auf Strümpfen oder  mit Schuhüberziehern eroberten die Cottbuser  die Fußboden-Landkarte. Natürlich galt da vor allem die Aufmerksamkeit der Stelle, an der jetzt die „Cottbuser Badewanne“ entsteht. Die Orte von Groß- und Klein Lieskow, sowie Tranitz, die verschwunden sind, kann man im Film anschauen.

Fritz Kschammer, ehemaliger Klein Lieskower und nach der Umsiedlung langjähriger Bürgermeister von Drehnow,  erklärt in einem solchen Zeitdokument, dass man damals im Dorf noch Sorbisch/Wendisch kommunizierte: „Durch die Umsiedlung, die Verstreuung unserer Einwohner auf viele Orte, ist der Sprachkultur schwerer Schaden zugefügt worden. Es ist ein Stück unserer Kultur verloren gegangen.“

Im Archiv findet man historische Schriftdokumente in der slawischen Sprache der Lausitz, auch Teile der  Feststagstracht der Wenden sind zu sehen. Die Schlichower Mitglieder Christine Sidon, Ortsvorsteher Roland Hoffmann und seine Frau Petra schauten sich vor allem den Film über ihren Ortsteil an, der  auch Teile an die Kohle abgeben musste. „Schön, dass hier Bilder von den inzwischen verschwundenen Häusern  zu sehen sind, zum Beispiel das von Nakoinzes. Spannend auch die Aufnahmen vom dörflichen Leben“, resümierten sie und berichteten, dass sie derzeit Material für die Schlichower Chronik sammeln.  Am 23. März wollen sie ab 16 Uhr im Bürgerhaus ein Treffen für ehemalige Einwohner organisieren. Zurzeit gehen die Einladungen raus, alle sind herzlich eingeladen und jeder kann auch noch, sofern vorhanden, Dokumente mitbringen.

Viele Informationen über die Entwicklung des Lausitzer Reviers hatte auch Ingolf Arnold. Der Experte von der Leag und das Fördervereinsmitglied ist schon lange in den Strukturwandel in der Lausitz involviert. Er berichtete  davon, dass auch im Territorium Naundorf/Fleißdorf in den 80er-Jahren eine Grube entstehen sollte, weil die Kohle dort in nur 25 Meter Tiefe liegt. Man hat sich zum Glück damals im Interesse des Spreewalds dagegen entschieden.

Der Experte erzählte aber auch vom Erfolg mit dem Halbendorfer See, der heute eine sehr gute Wasserqualität hat, touristisch attraktiv ist: „Hier hat der Wandel gut funktioniert“. So wie hier lebt im gesamten Archiv der Geist, dass mit der Abbaggerung in der Lausitz auch eine große Zukunftschance gegeben ist: „Bei uns entsteht die größte von Menschenhand geschaffene Seenlandschaft Europas“.  Ein See dabei wird der Cottbuser Ostsee mit Häfen in Neuendorf und Schlichow werden. Einige Fördervereinsmitglieder werden am kommenden Sonnabend (9. Februar) im Hotel „Willmersdorfer Hof“ miterleben, wie eine Schifffahrt auf dem zukünftigen Ostsee verlaufen könnte. Die Karnevalisten vom Verein Cottbuser Narrenweiber laden ab 19.33 Uhr zu dieser  Tour, für die man noch Bordkarten lösen kann (Telefon 0176 199099029) ein.