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Mit Tempo 30 durch den Car-Freitag

Auch gewöhnliche Autos werden durch Lackierung und auffällige Umbauten zu viel beachteten Schmuckstücken am Car-Freitag.
Auch gewöhnliche Autos werden durch Lackierung und auffällige Umbauten zu viel beachteten Schmuckstücken am Car-Freitag. FOTO: rur1
Cottbus. Autofans aus Brandenburg, Sachsen und Berlin haben sich in Cottbus zum Car-Freitag getroffen. Auf den Parkplätzen vor dem Mediamarkt und dem Lausitz Park stellten sie ihre getunten Fahrzeuge vor. Die Polizei zeigte Präsenz. Ronald Ufer und Annett Igel

Viel Aufmerksamkeit haben dem Car-Freitag die Behörden gewidmet. Mehr als 50 zusätzliche Tempo-30-Schilder waren im Umfeld der Treffpunkte der Autoenthusiasten vor allem im Süden der Stadt verteilt worden. Auch der Nordring war zusätzlich beschildert. Die Eigentümer am TKC hatten sich für eine Schließung ihres Parkplatzes entschieden. Polizeifahrzeuge waren an den Zufahrten und in Sichtweite der Car-Freitags-Gemeinde im Einsatz. Ein Reh, das kurz vor der Brücke über die Autobahn mitten durch den dahinschleichenden Verkehr die Straße überquerte, schaffte das unfallfrei.

Musik aus dem Heck

Die meist jungen Schrauber und ihr kaum älteres Publikum nahmen die Präsenz der Polizei nach den Erfahrungen der Vorjahre als etwas hin, das zu diesem Tag gehört. Gestört fühlten sie sich kaum. Mit einem Bier, einer Dose Cola oder einer Bratwurst in der Hand schlenderten Autobesitzer und Neugierige über die Parkplätze, um Bekannte zu treffen und besondere Schätzchen zu betrachten. An einigen Wagen standen die Heckklappen offen, Musik quoll aus mächtigen Anlagen. Häufig gaben Motorhauben und Türen den Blick frei auf die vielen Veränderungen.

Um ein Star zu sein, waren beim Cottbuser Car-Freitag weder extrem viele PS noch ein besonders teures Fahrzeug nötig. Viel Aufmerksamkeit fand beispielsweise Phillip Krause aus Guben für seinen aufgemotzten Trabant. Der lila lackierte Trabi mit 26 PS erinnerte nur noch in der Silhouette an das Ursprungsmodell. Zwei Seiten habe das Änderungsprotokoll umfasst, erzählte er andächtig lauschenden Neugierigen. Das Fahrzeug ist nunmehr als Zweisitzer zugelassen. Hinten thront eine aufwendige Musikanlage. Dank Schalensitzen, breiterer Spur, Bodykit, Hutze und Spezialfelgen wirkt das Auto tatsächlich wie eine "Rennpappe". In Mercedes-Manier reckt sich das Marken-S von einem Ring umschlossen aufrecht in den Fahrtwind.

Zu schade für den Alltag

Zweieinhalb Jahre schraubte Phillip Krause an seinem Auto, das zwei Jahre älter als er selbst ist. Die aufgewandte Zeit müsse eher nach Monaten als nach Stunden berechnet werden, sagt der Gubener. Der Trabi sei ein reiner Show-Wagen und zu schade für die tägliche Nutzung. Das auffällige Fahrzeug ist auch der Star eines Musikvideos. Dennoch stand die Fahrertür jedem offen, der einmal Platz nehmen wollte.

Einige Schrauber drehten mit ihren automobilen Schätzen auch Runden über den Parkplatz. Selten heulte ein Motor auf oder drehten die Räder durch. Kleine Gruppen schlenderten von Fahrzeug zu Fahrzeug, um alles in Augenschein zu nehmen. "Es ist ja sonst nichts los, deshalb bin ich hierher gekommen", sagte Jens Gärtner, "und für Autos interessiere ich mich sowieso."

Einen Motorradfahrer, der mit den Geschwindigkeitskontrollen spielte, konnte die Polizei stoppen. "Nachdem wir mit ihm gesprochen hatten, tauchte er auch nicht mehr auf", so Tino Glaser, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße. Im Vorjahr war ein Motorradfahrer in der Lipezker Straße schwer gestürzt.

Insgesamt seien nach Cottbus in diesem Jahr weniger Autofans gekommen, als erwartet. Etwa 200 Fahrzeuge waren es bis kurz nach 19 Uhr, als sich die ersten Autos auf den Weg nach Dresden machten. Auch die Geschwindigkeitsüberschreitungen hielten sich laut Glaser bis zum Abend in Grenzen. Allerdings dauerte der Einsatz noch bis weit nach Mitternacht.