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Mit Logenbechern wurde Zustimmung ausgedrückt

Logenbecher und Schürzentasche der Freimauer.
Logenbecher und Schürzentasche der Freimauer. FOTO: Elsner
Cottbus. Nach fünfeinhalbjähriger Schließzeit gewährt das Cottbuser Stadtmuseum nun seit einigen Monaten im einstigen Bankhaus in der Bahnhofstraße Einblicke in die Vergangenheit. Welche Schätze werden dort gezeigt und wofür stehen sie? Die RUNDSCHAU will mit ihrer Reihe "Exponate erzählen Geschichten" Lust auf einen Museumsbesuch machen. Ulrike Elsner

Wer sich im Stadtmuseum auf eine Entdeckungsreise durch die Cottbuser Geschichte begibt, stößt auch auf einen Logenbecher aus dem 18. Jahrhundert und eine bestickte Schürzentasche der Freimauer vom Ende des 19. Jahrhunderts. "Logenbecher wurden auch Kanonen- oder Feuergläser genannt", ist von Museumsleiter Steffen Krestin zu erfahren. Weil sie nach dem Trinken hart aufgesetzt wurden, besaßen sie einen festen Fuß. Auch drückte man mit ihnen die Zustimmung zu Reden und Trinksprüchen aus.

Die Cottbuser Freimauerloge wurde im Jahr 1797 als Loge "Zum Brunnen in der Wüste" gegründet. Zahlreiche Persönlichkeiten der Stadt waren Mitglieder der Loge, so zum Beispiel der Arzt Dr. Ludwig Wilhelm Liersch (Leibarzt von Pückler und an dessen Beisetzung beteiligt) und Oberbürgermeister Roemelt. Das Gebäude der ehemaligen Schillerapotheke wurde 1896 vermutlich von einem Freimaurer, dem Zigarrengroßhändler Max Hellbruch, erbaut, denn es finden sich Symbole der Freimaurer in den Fassadenreliefs. Im Jahr 1918 erwarb der Cottbuser Fotograf Unger das Haus. 1925 zog die Schillerapotheke ein.

Cottbuser Freimaurer waren nach dem Verzeichnis der Brüder der Freimaurerloge unter anderem Alfred Janigk, Oberbürgermeister Dr. Erich Kreutz, der Jurist Arwid Liersch, der Kaufmann Heinrich Albert Liersch und der Schuldirektor Prof. Dr. Adolf Rothenbücher.

In der DDR-Zeit war eine Wiederbegründung der Logen nicht möglich. Heute gibt es jedoch eine Cottbuser Loge, die durch die Landesloge Berlin betreut wird.

Die Cottbuser Freimauerloge weihte am 31. Mai 1908 ihr neues Logengebäude in der Wilhelm-Külz-Straße ein. Im Jahr 1935 wurde die Freimaurerloge durch die Nationalsozialisten aufgelöst, ihr Eigentum wurde beschlagnahmt. Zunächst wurden in dem früheren Logengebäude eine Kunstsammlung und das Archäologische Museum eingerichtet. Nach 1945 wurde das Haus von der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft genutzt, ab 1949 erfolgte der Ausbau zum Rundfunkstudio. Den großen Saal nutzte das Theater als Kammerbühne.