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Mit kleinen Schritten zum großen Ziel

Am Freitag machte Yuji Miyata auch an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg Station und hielt einen Vortrag über seine Mission. Im Anschluss pflanzte er im Unigarten GUMNO (niedersorbisch für Garten) einen Kirschbaum.
Am Freitag machte Yuji Miyata auch an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg Station und hielt einen Vortrag über seine Mission. Im Anschluss pflanzte er im Unigarten GUMNO (niedersorbisch für Garten) einen Kirschbaum. FOTO: Helbig/mih1
Cottbus. Der Japaner Yuji Miyata hat sein Leben dem Frieden und dem Umweltschutz verschrieben. Als "Earthwalker" wandert er zu Fuß über den ganzen Erdball, um für Mitmenschlichkeit und den Erhalt der Natur zu werben. Sein Weg hat ihn jetzt nach Cottbus geführt. Nicole Nocon

Yuji Miyata hat seine Berufung gefunden. Schon als Kind haben Nachrichten über die Zerstörung der Umwelt und gewalttätige Übergriffe von Klassenkameraden sein Gespür für Mitmenschlichkeit, Frieden und den Naturschutz geschärft. Als im Jahr 2005 sein bester Freund und seine Verlobte starben, hat sich der Japaner entschieden, sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen und von nun an seine ganze Kraft und sein Geld dafür einzusetzen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Yuji Miyata tut dies bewusst auf eine ganz einfache Weise. Wie sein großes Vorbild, der "Earthwalker" Paul Coleman, läuft er durch die Welt. Zu Fuß durchquert er Länder und ganze Kontinente, um bei den Menschen, denen er unterwegs begegnet, für ein friedliches Miteinander und für den Erhalt der Natur zu werben. "Ich gehe und mache kleine Schritte. So will ich zeigen, dass wir mit vielen kleinen Schritten sehr weit kommen können. Jeder von uns kann das. Jeder kann auf seine Weise etwas für den Frieden, für mehr Humanität und den Schutz der Umwelt tun. Wenn viele Menschen einen kleinen Beitrag leisten, können sie gemeinsam eine Menge bewegen", sagt Yuji Miyata, der als offizieller Friedens-Botschafter der Vereinten Nationen unterwegs ist. Seine Projekte - inzwischen organisiert Miyata auch "Friedenswochen", mit denen er junge Menschen für den Erhalt des Friedens und der Natur sensibilisieren will - finanziert er aus eigenen Mitteln, die er mit Vorträgen verdient. Angebote großer Sponsoren wie des Sportartikelherstellers "Nike" lehnt er ab.

Von 2007 bis 2012 lief Yuji Miyata von China bis nach London, legte zu Fuß 12 500 Kilometer zurück. Auf seinem Weg, der ihn durch 17 Länder führte, besuchte er 700 Schulen und 200 Waisenhäuser. Und er pflanzte über 4000 Bäume. "Ich möchte damit darauf aufmerksam machen, dass wir Menschen nicht nur friedlich miteinander, sondern auch im Frieden mit der Natur leben sollten. Wenn wir unsere natürlichen Ressourcen zerstören, berauben wir uns unserer Lebensgrundlagen. Das führt zu Konflikten und Kriegen", betont Miyata.

Für 2015 hat er sich ein besonders Projekt vorgenommen. "In diesem Jahr jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Befreiung des KZ Auschwitz zum 70. Mal. Deshalb habe ich mich entschieden, von Auschwitz nach Berlin zu laufen, wo vor wenigen Monaten der 25. Jahrestag des Falls der Mauer gefeiert wurde. Von Berlin geht die wunderbare Botschaft aus, dass trennende Mauern niedergerissen werden können", erklärt der Aktivist die Wahl seiner Strecke. Am 28. Februar hat er sich in Auschwitz auf den Weg gemacht. Unterwegs hat er mit vielen jungen Leuten über seine Anliegen gesprochen und Bäume gepflanzt. Über die Stationen Gleiwitz, Oppeln, Breslau und Liegnitz ist er in dieser Woche nach Cottbus gekommen. Vor Studenten der BTU hat Yuji Miyata am Dienstag einen Vortrag gehalten. "Leider sind Schulferien. Ich hätte so gerne auch mit Schulkindern gesprochen", bedauert er. Deshalb will er vielleicht später noch einmal nach Cottbus zurückkommen. Sein Wunsch, in Cottbus einen Baum zu pflanzen, ist aber in Erfüllung gegangen.

Am Sonntag wird sich der Friedens-Botschafter wieder aufmachen, um den Rest seiner 450-Kilometer-Strecke von Auschwitz nach Berlin zurückzulegen. "Ich habe auf meinen Wanderungen viel erlebt. Viermal bin ich fast ums Leben gekommen. In Vietnam, dessen Menschen und Natur immer noch unter den Folgen des Krieges leiden, bin ich zusammengebrochen, weil ich mich mit Chemikalien vergiftet hatte, die die Natur dort nach wie vor verseuchen. In Syrien, wo ich gesehen habe, wie Regierungstruppen Zivilisten erschossen haben, bin ich verhaftet und eingesperrt worden. Immer waren es Kinder und einfache Leute, die mich gerettet haben. Menschen, die selbst nicht viel zum Leben hatten, haben mir gezeigt, dass Humanität und Mitmenschlichkeit möglich sind", erzählt der Japaner, der diese Botschaft gerne in die Welt hinaustragen möchte. "Diese Begegnungen machen mir Mut und bestärken mich darin, meinen Weg weiterzugehen. Ich erfahre so viel Unterstützung, dass ich die Kraft von Tausenden Menschen spüre, die hinter mir stehen", sagt er.

Am 22. April wird der Internationale "Earth-Day" begangen, der die Wertschätzung für die natürliche Umwelt stärken soll. An diesem Tag will Yuji Miyata in Berlin sein. Er hat im Bundeskanzleramt angefragt, ob Angela Merkel bereit ist, mit ihm vor der Mauer einen Baum zu pflanzen. Die Zusage steht noch aus.