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Mit Handwerkern und Gauklern auf Zeitreise

Sabine Trexler aus Gifhorn (l.) und Anett Endesfelder aus Berlin verkleiden einen Lehmkuppelofen, in dem Brot gebacken werden soll.
Sabine Trexler aus Gifhorn (l.) und Anett Endesfelder aus Berlin verkleiden einen Lehmkuppelofen, in dem Brot gebacken werden soll. FOTO: mih1
Dissen. Gleich hinter dem Heimatmuseum Dissen konnten Besucher am Wochenende auf eine Zeitreise ins slawische Mittelalter gehen. Familien in schlichten Leinen- und Wollkleidern, Krieger in voller Kampfrüstung, aber auch Edelleute in feinen Gewändern hatten hier ihr Lager aufgeschlagen. mih1

Im Schatten der Zelte, Sonnensegel und Grubenhäuser herrschte geschäftiges Treiben. Nur wenige Schritte brachten die Besucher mehr als 1000 Jahre zurück - in eine Zeit, in der das Feuer noch mit Feuerstahl und Stein entzündet wurde, wo die Spindel tanzte und der Stoff am Gewichtswebstuhl aufwendig hergestellt werden musste.

Wie schon in den Jahren zuvor gaben dabei Gruppen und Einzeldarsteller aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch aus Polen, Tschechien, Weißrussland und Dänemark Einblicke in mittelalterliches Leben. Gemeinsam mit vielen langjährigen, aber auch neuen Freunden, die sich historisch mit den slawischen Kulturgruppen, aber auch mit deren Anrainern wie den Wikingern, Groß Mährern, Ottonen und Franken praktisch und theoretisch historisch auseinandersetzen. Da waren zum Beispiel die tschechische Gruppe Skjaldborg und die polnischen Kriegergruppe "Druyna Wojow Serbo Bieoboh" oder "Druzyna Byk", die das Projekt schon seit Jahren während des Festes und zu anderen Gelegenheiten begleiten. 60 Handwerker brachten auf dem Freilichtkomplex "Stary Lud" in Dissen den Besuchern das Leben im Mittelalter näher.

Davon begeistert zeigten sich Stefanie Hampl und Marcel Altenburg aus Cottbus, die mit ihren Kindern Tristan (4) und Evelyn (8 Monate) nach Dissen gekommen waren. "Wir sind zum ersten Mal hier. Tristan interessiert sich besonders für die alten Ritter", erzählte die junge Mama begeistert. "Tristan durfte mal ein Schwert anfassen und erfahren, wie schwer ein echtes Kettenhemd ist. Wir fühlen uns hier jedenfalls sehr wohl und werden bestimmt irgendwann wiederkommen".

Aus Winnenden in der Nähe von Stuttgart kamen Melanie und Jürgen Bätzner. Sie verbringen derzeit ein paar Urlaubstage in Lübbenau, und bevor heute die obligatorische Kahnfahrt dran ist, hatte das Ehepaar am Sonntag eine Radtour von Lübbenau über Lehde und Burg nach Dissen unternommen. "Wir haben uns vor unserem Urlaub im Internet informiert, was es in der Region so an interessanten Veranstaltungen gibt. Dabei sind wir auch auf das Mittelalterfest in Dissen gestoßen". Sie fanden ihren Besuchen bei den alten Leuten ("Stary Lud") sehr informativ und traten nach einer Stärkung im Kaffeegarten schließlich wieder die Rad-Reise nach Lübbenau an.

Über soviel Lob freute sich Museumsleiterin Babette Zenker ganz besonders. "Knapp 2000 Gäste haben uns am Wochenende besucht. Das ist schön. Und der Wettergott war uns auch hold. Schließlich waren wir alle ganz lieb", erzählte sie lachend, bevor sie ein Tablett mit Kaffeetassen in den Kaffeegarten schleppte.