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Mit Glück eine Arbeit gefunden

Reinhard Schmidt (l.) und Frank Dobring.
Reinhard Schmidt (l.) und Frank Dobring. FOTO: hil
Cottbus. Er ist 57 Jahre alt, hat in seinem ursprünglichen Beruf keine verwertbaren Erfahrungen mehr, hatte lange Jahre keinen festen Job. Dass einer wie Frank Dobring trotzdem noch Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt hat, wäre noch vor Jahren kaum vorstellbar gewesen. Andrea Hilscher

Jetzt aber hat es geklappt - auch Dank eines speziellen Förderprogramms und mithilfe des Jobcenters.

Gelernt hat er Klempner, zumeist hatte er allerdings Arbeit in der Landwirtschaft. Doch seit ein paar Jahren fiel es dem Ströbitzer immer schwerer, eine Arbeit zu finden, die er auch tatsächlich 40 Stunden die Woche durchhalten konnte. Da er aber kein Mensch ist, der die Hände in den Schoß legen kann, hat er sich nützlich gemacht - bei seinem Lieblingsverein Wacker Ströbitz.

"Sein Vater war hier 65 Jahre Mitglied, Frank hat das Wacker-Gen im Blut", erzählt Vereinspräsident Reinhard Schmidt. Ihm tat es leid, dass er dem fleißigen Helfer immer nur eine kleine Aufwandsentschädigung zahlen konnte. "Verdient hätte er mehr, aber wir als Verein können uns mehr nicht leisten", so Schmidt. Als er über das Jobcenter von einem speziellen Förderprogramm des Europäischen Sozialfonds hörte, wusste er sofort: "Das ist wie maßgeschneidert für uns." Mit diesem Programm werden Langzeitarbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt gebracht, die zum Teil mehrere Vermittlungshemmnisse mit sich bringen. Sie werden vor und während der Berufstätigkeit gecoacht.

Sarah Reich, zuständige Sachbearbeiterin im Jobcenter: "Wer lange ohne Job war, hat oft Schwierigkeiten mit der Motivation. Tauchen dann Probleme auf, werfen Teilnehmer ohne Coach schnell wieder hin." So aber bekämen sie unkompliziert und schnell Hilfe bei finanziellen Problemen, Ärger mit dem Vermieter oder Suchtproblemen. Auch für Alleinerziehende ist der Coach sinnvoll. "Sie müssen ja ihr Leben völlig neu rund um die Arbeit herum organisieren, da hilft die Unterstützung von Außen oft enorm."

Auch Frank Dobring nutzt die Termine beim Coach - obwohl er mit seinen Arbeitsbedingungen mehr als zufrieden ist. "Mir macht das alles viel Spaß", sagt er. Er wohnt 60 Meter vom Wacker-Gelände entfernt, kümmert sich 20 Stunden die Woche um die Pflege der Plätze und der Außenanlagen sowie um die Reinigung der Umkleideräume. "Hier ist immer viel zu tun", sagt Reinhard Schmidt. 15 Mannschaften trainieren unter dem Dach des Vereins.

Frank Dobring jedenfalls ist froh, dass er nun für seinen Verein arbeiten darf und der Lohn am Ende des Monats nicht mehr vom Jobcenter kommt. Der Verein bekommt einen Jobkostenzuschuss, ohne den die Anstellung des Helfers nicht möglich gewesen wäre. "So ist allen geholfen", sagt Reinhard Schmidt. Der Verein bekommt die notwendige Unterstützung, Frank Dobring kann wieder mit neuem Selbstbewusstsein durch Ströbitz gehen. "Gute Sache" sagt er. Steigt auf seinen Trecker und macht sich an die Arbeit. Der Rasen muss gemäht werden.

Zum Thema:
In Cottbus konnten 58 Langzeitarbeitslose über das ESF-Programm in Arbeit vermittelt werden, 45 von ihnen haben bis heute ihre Stelle behalten. Die Arbeitgeber, die sich an dem Programm beteiligen, erhalten zunächst 75, dann 65 und im letzten Jahr 50 Prozent Lohnkostenzuschuss.