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Mit etwas Startkapital von Sigmar Gabriel

Teams mit guten Gründer-Ideen sind auf der Cebit in Hannover aus gezeichnet worden – mit 30 000, 10 000 und 6000 Euro.
Teams mit guten Gründer-Ideen sind auf der Cebit in Hannover aus gezeichnet worden – mit 30 000, 10 000 und 6000 Euro. FOTO: Cebit-PR
Cottbus. Sebastian Selka und Sascha Vökler haben sich auf der Cebit in Hannover weiteres Startkapital für ihre Firmengründung in Cottbus sichern können. Die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter der BTU gehörten zu 20 von 236 Teams, die Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel für ihre Gründer-Idee auszeichnete. Selka und Vökler wollen kleinen und mittelständischen Firmen die Marktforschung erleichtern. Annett Igel-Allzeit

Ein Schokoladenhersteller hat zehn süße Tafeln kreiert. Nun will er wissen, welche drei der zehn Tafeln die Naschkatzen am liebsten mögen, damit er sich bei der Produktion auf sie konzentrieren kann. Eine einfache Abfrage. Damit sie flink mit Probanden gemacht und die Daten analysiert und ausgewertet werden können, muss über viele komplizierte Rechnungen eine benutzerfreundliche Software entwickelt werden und das Ganze erschwinglicher als bei großen Marktforschungsinstituten sein. Das wollen die beiden Cottbuser mit ihrer Firma "Leet Group" schaffen.

Mit neuen Kontakten, der Einladung zum mehrtägigen Coaching eines erfahrenen Unternehmens und 6000 Euro sind der Wirtschaftsinformatiker Sebastian Selka und der Wirtschaftsmathematiker Sascha Vökler von der Computermesse zurückgekehrt. Ein Exist-Gründungsstipendium von insgesamt rund 100 000 Euro bekommen sie bereits seit Januar 2014. Es fließt über die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg in die Gründung.

Freunde sind sie schon lange. "Und echte Cottbuser Jungs, auch wenn Sebastian inzwischen privat nach Berlin gezogen ist. Wir sind einfach stark verwurzelt hier. Am Humboldt-Gymnasium haben wir in Wirtschafts- und Mathe-Leistungskursen gesessen und unser Abitur gemeinsam gemacht", erzählt Sascha Vökler. An der BTU entschieden sie sich dann für unterschiedliche Studienrichtungen, Professor Dr. Daniel Baier nahm sie beide als Mentor unter seine Fittiche. "Ich bin ziemlich stolz auf die Jungs. Noch bekommen unsere Absolventen schnell einen Job, deshalb ist es normal, erst einmal drei, vier Jahre als Mitarbeiter in einem Unternehmen Erfahrungen zu sammeln. Aber weil es die Möglichkeit gibt, schon während des Studiums weit in die Praxis einzudringen - das haben die Beiden ausgiebig getan - ist so eine mutige Existenzgründung auch machbar", sagt Baier. Mit der Promotion war Selka schneller, er hat seinen Doktor schon. "Ich hoffe, es bis zum Jahresende auch zu schaffen", sagt Sascha Vökler.

Der Termin beim Notar für die GmbH-Gründung steht. Das Startkapital soll vor allem in leistungsfähige Hardware fließen. "Und einen ersten Mitarbeiter wollen wir zum 1. April einstellen", so Vökler. In ein paar Jahren zu einem Unternehmen mit 50 Mitarbeitern heranzuwachsen - das wäre schon toll, und es gibt Vorbilder, die das geschafft haben. "Eine Zusammenarbeit mit dem Feinkost-Hersteller Kunella könnte ich mir gut vorstellen, mit Versicherungen, Banken, Autohäusern." Aber auch als Dienstleister für große Marktforscher könnten sie arbeiten. Um Fachkräfte machen sie sich keine Sorgen - "schon wegen unseres guten Kontaktes zur Uni", sagt Sascha Vökler. "Zudem merken wir, dass es viele junge Leute gibt, die persönlich gern in dieser Region bleiben und ihre Verdienstansprüche dafür etwas herunterschrauben. Und die Lebenshaltungskosten sind hier in Cottbus nicht so hoch - auch das ist für ein junges Unternehmen ganz wichtig."