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Cottbuser Schillerstraße
Mit Erker und Stuckelementen

Eine alte Postkarte zeigt die Cottbuser Schillerstraße.
Eine alte Postkarte zeigt die Cottbuser Schillerstraße. FOTO: Sammlung Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte der Schillerstaße 45 bis 48, basierend auf einer Ansichtskarte, die aus der Sammlung von Hans Krause stammt. Dora Liersch / dli9

Bereits dreimal ist in dieser Serie ein Teil der Schillerstraße mit ihrer markanten Bebauung vorgestellt worden. Das war am 5. Dezember 2014, am 20. März 2017 und am 22. Mai 2017. Diesmal schauen wir auf ein Teilstück der südlichen Schillerstraße. Die Reihe dieser wunderschönen Häuser mit ihrem verschiedenartigen Schmuck ist allerdings nicht mehr vollständig. Vergeblich sucht man das Gebäude mit dem barocken Ecktürmchen, das auf der alten Ansichtskarte ganz links der Häuserzeile steht. Es war die Schillerstraße 45. Dieses Haus war 1896 erbaut worden für den Tuchfabrikanten Phillipp Graß, dessen Teilhaber Felix Hirschmann in der Firma sein späterer Nachbar mit einem eigenen Wohnhausneubau werden sollte. Den Bau führte das Baugeschäft von Paul Brößke, einem in Cottbus anerkannten Maurermeister, aus. Bereits 1904 war der Hauseigentümer Graß Privatier. Er zog wenige Jahre später in die damalige Lausitzer Straße. In seinem großen Haus in der Schillerstraße wohnte zunächst der Tuchfabrikant Oskar Textor. In den 1920er-Jahren war der Tierarzt Dr. Hermann Schroeder der Hausbesitzer und im Jahre 1940 wird als Hauseigentümerin die Witwe des Arztes Dr. Walter Kühne, Margarete Kühne, angegeben. Dieses interessante Haus ist leider 1945 völlig zerstört worden wie auch das Eckgebäude, auf dem heute ein großes Wohn- und Geschäftshaus steht.

Die Schillerstraße 46, heute überwiegend in einem roten Farbton, war 1897 erbaut worden. Bauausführende Firma war ebenfalls die von Paul Brößke. Solche Wohnhäuser, eigentlich Stadtvillen, waren seinerzeit große Mode und wir finden in Cottbus auch noch weitere ähnliche Gebäude mit betontem Eingangsportal und dem Treppenhaus, mit hervorgehobenem Gegenstück mit Erker oder Balkon, dem betontem Zwerchgiebel und den Stuckelementen. Einer der aktivsten Stuckateure war damals Walter Adler, der selbst in der Schillerstraße seine Wohnung und auch seine Werkstatt hatte. Er war für die Zierelemente dieses Hauses zuständig. Bauherr war Felix Hirschmann, ein Tuchfabrikant und Teilhaber bei seinem Nachbarn, in der Firma Graß & Hirschmann. Auch dieser gibt als Bewohner sein Haus auf, er zog nach Berlin. Hauptbewohner wurde ebenfalls ein Tuchfabrikant, es war 1904 bereits Philipp Roos. Auch hier fand ein Eigentümerwechsel statt, dem Großhändler Emst Schüßler gehörte das Haus, in dem bereits Anfang der 1920er-Jahre der Fabrikbesitzer Richard Kehrl mit wohnte. In seinen Besitz, später seiner Witwe, ging das Gebäude über.

Schillerstraße 47 ist in den Jahren 1897/98 erbaut worden. Wer sich dieses Haus genauer anschaut, entdeckt am Erker als Detail Zirkel und Dreieck, das Zunftzeichen der Bau- und Maurermeister. Bauherren und Eigentümer waren auch die Inhaber der bauausführenden Firma, die Maurermeister Dümpert & Haucke. Es wurde als Mietwohnhaus genutzt mit mehreren Mietsparteien, doch war es 1940 noch im Besitz der Dümpertschen Erben. Dem Haus sieht man an, dass die Stilentwicklung im Bau weiter voranschritt. Waren die vorhergehenden Gebäude mit ihrem Fassadenschmuck noch ganz dem Historismus zugewandt, so finden sich an der Schillerstraße 47 bereits typische Elemente des Jugendstils an der Fassade. Noch deutlicher ist die Weiterentwicklung an dem Gebäude Schillerstraße 48 zu sehen. Nur wenige Jahre später 1901/1902 war dieses Haus, ebenfalls von Dümpert & Haucke gebaut worden. Es hebt sich in seiner Fassadengestaltung deutlich von den nur wenig älteren Nachbargebäuden ab. Schon Anfang der 1920er-Jahre war das Haus Eigentum von Georg Trietschel. Seine Witwe lebte 1940 noch in der Schillerstraße 48, die inzwischen Georg Laske gehörte.

Inzwischen sind die Häuser liebevoll restauriert worden. Die neu gepflanzten Spitzahornbäume sind kräftig herangewachsen und verdecken mit ihrem vollen Laub im Sommer den Blick auf die schmucken Fassaden dieser Häuserzeile. www.lr-online.de/ historischelausitz

Blick auf die Schillerstraße heute
Blick auf die Schillerstraße heute FOTO: Dora Liersch/dli1