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| 18:19 Uhr

Neue Ausstellung im Wendischen Haus
Mit einer Prise Humor und Denkanstößen für den Kopf

Zwei Künstlerkollegen stehen sich gegenüber: Der Gubener Maler Klaus Bramburger lässt seinen fachkundigen Blick auf einem der Selbstbildnisse des Weißwasseraners Horst Jurtz ruhen. Den gelernten Herrenschneider und den Glasmaler verbindet eine langjährige Zusammenarbeit und Freundschaft.
Zwei Künstlerkollegen stehen sich gegenüber: Der Gubener Maler Klaus Bramburger lässt seinen fachkundigen Blick auf einem der Selbstbildnisse des Weißwasseraners Horst Jurtz ruhen. Den gelernten Herrenschneider und den Glasmaler verbindet eine langjährige Zusammenarbeit und Freundschaft. FOTO: LR / LR Beate Möschl
0Cottbus. Sorbische Kulturinformation Lodka gibt dem Weißwasseraner Künstler Horst Jurtz Raum und Gesicht mit der neuen Sommerausstellung in Cottbus. Von Beate Möschl

Im Wendischen Haus in Cottbus ist am Donnerstag die neue  Sommerausstellung der Sorbischen Kulturinformation Lodka  eröffnet worden. Sie zeigt Grafiken, Aquarelle und Ölbilder von Horst Jurtz, vor allem Selbstporträts und Blumenmotive.

Horst Jurtz, Jahrgang 1934, lebt in Weißwasser. Er  ist von Beruf  Glasmaler,  arbeitete viele Jahre in den Glaswerken Weißwasser und war unter anderem bis 1990 Leiter des Kreiskabinetts für Kulturarbeit in seiner Heimatstadt.  Seit über 50 Jahren beschäftigt er sich mit der Malerei. Das prägt und verbindet, wie sich bei der Ausstellungseröffnung  eindrucksvoll zeigt. Der Raum ist bis auf den letzten  Sitzplatz belegt.

Milena Stock,  Leiterin der Sorbischen Kulturinformation Lodka, begrüßt Horst Jurtz, als „lieben Gast, dem wir diese wunderschöne bildgewaltige Ausstellung  verdanken”. Es ist die vierte  Ausstellung des  Weißwasseraners im Wendischen Haus in Cottbus. Freunde Weggefährten, Künstler und Familie sind zur Eröffnung gekommen und Sabine Sieg, stellvertretende Direktorin der Stiftung für das sorbische Volk. Extra begrüßt wird die  Landtagsabgeordnete Kerstin Kircheis (SPD) aus Cottbus, die schon Stammgast der Ausstellungen im Wendischen Haus ist.

Der sorbische Liederpoet Pittkunings stimmt Künstler und Gäste mit   „Psasam se“ („Ich frage Dich“) auf den Abend ein. Babette Zenker, Leiterin des Heimatmuseums Dissen, holt die Antworten  im Gespräch mit dem Künstler  stellvertretend für die Gäste ab.  Der auf den ersten Blick etwas spröde wirkende Weißwasseraner erweist sich dabei auch mit Worten so pointiert wie mit Farben und Mal-Techniken, was in der Runde oft für allgemeine  Erheiterung sorgt.

Zenker und Jurtz kennen sich seit 28 Jahren. Sie werfen sich die Bälle zu, reden über Symbole in seinen Bildern, die neugierig machen: Raben, Clowns, Masken.  Und sie reden über die Welt, den gesellschaftlichen Wandel, und was dieser  mit den Menschen macht.

Jurtz lässt seine Gedanken und Gefühle in die Malerei fließen. Den Anstoß dazu habe der Beruf gegeben, erzählt er, und wie wertvoll die Förderung der Volkskunst in der DDR dabei gewesen ist.  Bis heute zehre er von dem, was er dadurch  lernen konnte. Jurtz  erinnert an Künstler wie  Jan Buck und Gerhard Knabe. „Die haben versucht, unsere Volkskünstler auszubilden. Das hat viel gebracht.“ Nach der Wende sei alles auseinander gefallen. „Nicht nur in der Wirtschaft, auch in der Freizeitgestaltung und im Bezirkskabinett für Kulturarbeit.“ Dann habe es an jedem selber gelegen, etwas aus dem zu machen, was er gelernt hat. Jurtz hat nie aufgehört zu malen. „Aus dem Hobby ist eine ganz ernsthafte Schinderei geworden“, bekennt er.    Ideen und Material habe er noch reichlich. „So alt kann ich gar nicht mehr werden“, sagt der 84-Jährige, aber schaffen werde er noch, „solange wie es geht und ich noch zappeln kann“.