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| 02:33 Uhr

Mit der Bahnhofstraße fällt und steht alles

In Kiekebusch funktioniert die Lückenbebauung wie hier in der Hauptstraße gut: ein Neubau neben einem 116 Jahre alten Haus.
In Kiekebusch funktioniert die Lückenbebauung wie hier in der Hauptstraße gut: ein Neubau neben einem 116 Jahre alten Haus. FOTO: Igel-Allzeit
Kiekebusch. Rund 1300 Menschen leben im Cottbuser Ortsteil Kiekebusch. Doch nur 17 von ihnen kamen am Mittwoch zur ersten Gesprächsrunde um eine Ortsentwicklungskonzeption. Resignation? Seit mehr als einem Jahrzehnt warten die Kiekebuscher vergeblich darauf, dass ihre Bahnhofstraße saniert wird und einen Fuß- und Radweg bekommt. Annett Igel-Allzeit

Die junge Generation fehlt ganz, und nur drei Frauen sitzen mit am Versammlungstisch. Besonders vermisst werden von den Kiekebuschern Vertreter des Stadtplanungsamtes. Denn vor allem von der Cottbuser Verwaltung erwarten sie Antworten - bevor sie weitere Pläne für die Zukunft schmieden. Mit der Sanierung der Bahnhofstraße/Kiekebuscher Weg in Richtung Madlow stehe und falle im Ortsteil alles. Ob zu Fuß, mit Kinderwagen oder Fahrrad - es ist kreuzgefährlich dort im Dunkeln. Der schmale Pfad zwischen der Fahrbahn und den Bäumen ist unbefestigt. Kaum sind Schlaglöcher ausgebessert, entstehen neue.

In Madlow haben die Kiekebuscher die Haltestelle zur Straßenbahn und weitere Einkaufsmöglichkeiten. Schulkinder nutzen diesen Weg. Rund 100 Einwohn er hatten im Jahr 1999 für den Ausbau der Straße unterschrieben. Nach der Eingemeindung im Jahr 2003 gingen sie mit ihren Wünschen für die Bahnhofstraße zur Cottbuser Stadtverwaltung. Eine Planung für die Straße gibt es. Doch sowohl die Entwässerung, nötige Grundstücksankäufe und die Fällung mehrerer Bäume machten das Vorhaben immer teurer. Doch die Bürger schütteln den Kopf über DIN-Vorschriften zu Fahrbahn- und Wegbreiten. Es müssten nicht zwei Wege gebaut werden, sondern es genüge ein Geh- und Radweg auf einer Straßenseite, befinden sie. Das würde auch Bäume retten.

Die Kiekebuscher haben noch einen Bäcker, einen Blumenladen im Ort und weitere Dienstleister wie den Friseur und eine Physiotherapie. Auch die Lage an der Spree sei eine Stärke. Doch Spree bedeutet für Kiekebusch vor allem Hochwasser. Und das Wehr mit den Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten werde von Wassersportlern kaum genutzt - weil auch hier ein Konzept nicht fortgeführt werden konnte. Für den Radweg an der Spree müsse touristisch mehr geworben werden. Ein wenig Bauland in Richtung Kahren würden die Kiekebuscher noch gern genehmigt bekommen, sonst bewähre sich die Lückenbebauung.

Sorgen um den Feuerwehrnachwuchs machen sich die Einwohner. Es gebe nicht genug junge Leute und sei schwerer geworden, die Einsätze abzusichern, da viele der Aktiven einen Job haben. Sich mit anderen Ortswehren zur Stützpunktfeuerwehr zusammenzuschließen, sei schwer vorstellbar. Die Feuerwehr ist ein wichtiger Motor bei Veranstaltungen im Dorf.

Einen kleinen Lichtblick gibt es für die Gaststätte "Zur Spreeperle" am Sportplatz. Seit einem halben Jahr steht sie leer. Aber erst im Dezember wurde im Amtsblatt ein Pächter gesucht. Wie Ortsvorsteher Lutz Stompler nun bestätigt, gibt es einen Interessenten, der auch ein Kurzkonzept vorgelegt habe. Dieses Konzept ist nun mit Ortsbeirat und Stadtverwaltung durchzusprechen. Wichtig sei, den Pächter erst einmal loslegen zu lassen und auch Veranstaltungen dort zu planen. "In zwei bis vier Wochen", so Stompler, "dürfte das Problem gelöst sein. Es muss nicht in eine Konzeption für 2030 aufgenommen werden."

Die Unternehmer im Ort unterstützen die Feste, helfen bei Problemen. Bräuche wie das Zampern und das Maibaumaufstellen werden gepflegt. Dass es kein Osterfeuer mehr gibt, soll an den bürokratischen Hürden des Ordnungsamtes liegen. Martin Hellriegel will auch solche Probleme an die Stadt herantragen: "Schließlich stärken Bräuche den Zusammenhalt im Ort."

Deutlich wird an diesem Abend, dass es mal gut tut, sich über den aktuellen Stand zur Erdgasanbindung, Straßenreinigung, Grünpflege und Abwasserentsorgung mit Ortsvorsteher Stompler und Georg Simonek, der als Kiekebuscher im Cottbuser Stadtparlament sitzt, auszutauschen. Aber auf Visionen für 2030 aus Kiekebusch müssen die Stadtentwickler nun über ihre Internetseite www.oek-cottbus.de und die Telefonnummer 0451389680 hoffen.

Das nächste Ortsteilgespräch ist am heutigen Freitag in Döbbrick geplant. Es beginnt um 19 Uhr in der alten Schule, Döbbricker Dorfstraße 17a. Am morgigen Samstag treffen sich die Merzdorfer von 14 bis 17 Uhr in ihrem Feuerwehrhaus.