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Mit dem Hammer durchs Fenster

Wenn Einbrecher Scheiben einschlagen, könnte das ein Nachbar hören. Doch wer unbedingt Geld braucht, riskiert das.
Wenn Einbrecher Scheiben einschlagen, könnte das ein Nachbar hören. Doch wer unbedingt Geld braucht, riskiert das. FOTO: Fotolia
Cottbus. Den Dieben, die Anfang April in mehrere Einfamilienhäuser in der Welzower Straße eingebrochen sind, muss fast alles egal gewesen sein. Am helllichten Tag schlugen sie Fenster und Terrassentüren ein, um an Schmuck und Bargeld zu kommen. Zwar liegt Cottbus in der Statistik der Wohnungseinbrüche weit hinter Königs Wusterhausen und dem Berliner Umland. Aber mit der Spremberger Vorstadt und Sachsendorf zeigen sich seit Jahresbeginn laut Polizei doch zwei Schwerpunkte. Annett Igel-Allzeit

Bargeld haben sie gesucht und auch den Schmuck mitgenommen. Die Computertechnik ließen sie stehen. Eine Cottbuserin, die von einer Einbruchsserie in der Woche vor Ostern betroffen war, wirkt ratlos. "Wir wissen bis heute nicht, wie die Einbrecher überhaupt auf unser Grundstück gekommen sind, bei uns war alles rundherum zugeschlossen."

Mit einem Hammer, der im Garten gelegen hatte, schlugen die Diebe das große Terrassenfenster ein. Die Wucht war so heftig, dass die Zimmerwand beschädigt wurde. Auch auf den Grundstücken nebenan nahmen sie zum Einwerfen der Scheiben, was am Haus lag. "Sogar die leere Schmuckdose haben sie mitgenommen, als sie bei den Nachbarn zum zweiten Mal einbrachen. Das Ehepaar war beim Ostergottesdienst."

Die Vorgehensweise zeige den Druck, unter dem diese Einbrecher standen, sagt Polizeisprecher Torsten Wendt. "Auch die Beute ist typisch für die Beschaffungskriminalität. Sie brauchen schnell Geld für Drogen. Bargeld, aber auch kleine Wertgegenstände, die in den Rucksack passen und schnell zu Geld gemacht werden können, werden mitgenommen. Den großen Flachbildschirm dagegen lassen sie meist stehen", erklärt Wendt.

Während im Berliner Umland festgestellt wurde, dass sämtliche S-Bahn-Gemeinden eine höhere Einbruchsrate aufweisen, ist für Cottbus der Grund für die Schwerpunkte noch nicht ersichtlich. Betroffen waren aktuell Häuser an den Sachsendorfer Wiesen, in der Theodor-Storm-Straße, Chopinstraße, Welzower Straße, Joliot-Curie-Straße und in der Priorstraße. "Ortsteile wie Kiekebusch und Groß Gaglow sind dagegen nicht von Einbruchsserien betroffen - wir hoffen, das bleibt so", sagt Wendt.

Eine Aktion, wie sie Polizisten in zivil in der Blumensiedlung in Guben präventiv durchführten, an Toren und Türen klinkten und testeten, wie Nachbarn auf verdächtige Unbekannte reagierten, sei in Cottbus noch nicht geplant. "Die Wohnungseinbrüche sind zahlenmäßig längst nicht so ein Schwerpunkt wie die Fahrraddiebstähle", erklärt Wendt. Wie Kati Prajs von der Prävention der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße erläutert, gebe es grundsätzlich zwei Vorgehensweisen der Einbrecher. "Die eine Gruppe, meist als Bande unterwegs, vermeidet jeglichen Lärm und will auch nicht länger als zehn Minuten für das Öffnen einer Tür benötigen. Sie hat ihr spezielles Werkzeug dabei. Die zweite Tätergruppe ist risikobereiter, sie muss unbedingt an Geld kommen", sagt sie.

Am besten ist eine Beratung schon in der Planungsphase des Hauses. "Aber auch in längst gebauten Häusern prüfen wir die Einbruchssicherheit und machen die Bewohner auf Schwachstellen aufmerksam", so Kati Prajs. Als die RUNDSCHAU im März auf die in Brandenburg noch immer kostenfreie Beratungsmöglichkeit bei der Polizei hinwies, hatte das Präventionsteam 15 neue Anfragen. "Und gut tat, dass wir nach den Terminen von den Bürgern auch Rückmeldungen bekamen, was nun Sicherheitsfirmen bei ihnen realisieren. Die Bürger tuen etwas für ihre Sicherheit, wir haben nicht umsonst beraten", sagt Kati Prajs.

Auch in der Welzower Straße machen sich die Bürger Gedanken. "Sogar die Jalousien schließen wir jetzt", sagt eine Betroffene. Aber schlimmer als der materielle Schaden sei die Angst. "Seit der Spurensicherung haben wir von der Polizei nichts gehört. Wir fühlen uns nicht mehr sicher. Aber vielleicht gibt sich das mit der Zeit wieder."

Kommentar: Sicherheit braucht das ganze Paket

Zum Thema:
Weil sich für Cottbus bei den Wohnungseinbrüchen lokale Schwerpunkte andeuten, ist Kati Prajs gern bereit, in Einwohnerversammlungen Tipps zu geben. "Ortsbeiräte und Bürgervereine können sich gern bei uns melden", sagt sie. Erreichbar ist die Prävention der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße unter der Telefonnummer 0355 7891085. www.internetwache.brandenburg.de .