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Mit Betonbarrieren und Hausordnung

Polizeieinsatz
Polizeieinsatz FOTO: Fotolia (119503218)
Cottbus. Wenn das Wetter mitspielt, rechnet Eberhard Heieck, Organisator des Stadtfestes, mit 150 000 Besuchern. Ganz ungetrübt ist die Vorfreude auf die vielen Gäste in diesem Jahr allerdings nicht: Die allgemeine Terrorgefahr und die zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen haben dazu geführt, dass Veranstalter, Rathaus und Polizei ihr Sicherheitskonzept überarbeitet und auf den neusten Stand gebracht haben. Andrea Hilscher

"Wir haben jetzt für das Stadtfest extra zehn massive Betonblöcke angeschafft, mit denen wir die wichtigsten Zufahrtstraßen zum Festgelände abschirmen können", so Eberhard Heieck von der Veranstaltungsagentur Coex. Hintergrund für den Einsatz der massiven Barrieren ist der Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt, bei dem ein Terrorist einen Lkw in eine Menschenmenge gesteuert und dabei zwölf Menschen getötet hatte. Die Betonblöcke, die nur eine schmale Gasse für Rettungsfahrzeuge freilassen, sollen derartige Amokattacken mit Lkw verhindern.

Zum ersten Mal hat die Veranstaltungsagentur Coex auch eine eigene Hausordnung erlassen, die während des gesamten Stadtfestes vom 16. bis 18. Juni auf dem Areal zwischen Stadthalle, Puschkinpark, Altmarkt und Stadtbrunnen gilt. Laut Hausordnung ist daher das Mitführen von Flaschen, von Waffen und verdächtigen Gegenständen verboten, der eingesetzte Sicherheitsdienst darf große Rucksäcke oder auffällige Taschen kontrollieren. Heieck: "Wir haben unser Personal aufgestockt, setzen rund 40 Männer im Sicherheitsdienst ein, um alle Veranstaltungsorte vernünftig zu überwachen."

Auch Ordnungsdezernent Thomas Bergner (CDU) ist zuversichtlich, dass das 26. Stadtfest ohne größere Zwischenfälle über die Bühne gehen wird. "Wir sind gut auf das Event vorbereitet und haben alle verfügbaren Kräfte des Ordnungsamtes im Einsatz, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten."

Das Hausrecht der Coex sei erweitert worden, um dem Wachpersonal die Kontrolle von mitgebrachten Rucksäcken oder übergroßen Taschen zu ermöglichen. Thomas Bergner: "Das Technische Hilfswerk unterstützt uns beim Aufstellen der Betonbarrieren im Innenstadtbereich, dafür sind wir sehr dankbar."

Auch die Polizei hat sich auf die veränderte Sicherheitslage eingestellt. Während in früheren Jahren der zuständige Revierleiter für die Stadtfest-Einsätze zuständig war, wird sich in diesem Jahr Polizeioberrat Tino Glaser persönlich die Nächte um die Ohren schlagen, um ein Auge auf die Innenstadt zu haben. "Durch unsere verstärkte Präsenz hat sich die Situation zwischen Stadthallenvorplatz und Puschkinpark inzwischen deutlich beruhigt", so Glaser. Noch bleibe es bei mündlichen Verwarnungen, wenn gegen das geltende Alkoholverbot verstoßen wird. "Demnächst aber werden entsprechende Hinweisschilder aufgestellt. Sollten wir dann Menschen mit Alkohol in der Verbotszone antreffen, dann werden die Konsequenzen deutlich ernster."

Da während des Stadtfestes das geltende Alkoholverbot in der Innenstadt aufgehoben ist, fürchten die Einsatzkräfte ein neuerliches Aufflackern von Auseinandersetzungen. "Wir haben daher Kräfte der Bereitschaftspolizei in ordentlicher Stärke vor Ort", sagt Glaser. Tagsüber kommen Revierpolizisten zum Einsatz, abends und nachts übernehmen zivile Beamte und Bereitschaftspolizisten den Dienst. "Wer massiv betrunken ist, rumpöbelt oder sonstwie für Ärger sorgt, muss auch während des Stadtfestes mit Platzverweisen rechnen." Im Blick behalten werden nach Auskunft der Polizei auch die einschlägig bekannten Mitglieder von Rocker-Clubs oder der - offiziell aufgelösten Fan-Gruppierung Inferno. Tino Glaser: "Die Herren sollten wissen, dass wir sie sehr genau beobachten. Das reicht oft schon aus."

Am Festwochenende sind die Polizisten darauf geeicht, außergewöhnliche Situationen schnellstmöglich wahrzunehmen und zu entschärfen. "Unsere größte Angst gilt Einzeltätern, die spontan und eventuell unter Alkoholeinfluss die Kontrolle verlieren."