ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:02 Uhr

Tochter im Bettkasten versteckt
Missbrauchs-Prozess gegen Paar aus Groß Schacksdorf zieht sich hin

 Stephan P. (l.) und Monika R. müssen sich seit Dezember 2018 wegen schweren sexuellen Missbrauchs vor dem Cottbuser Landgericht verantworten. Sie sollen Sex mit einer Zwölfjährigen gehabt haben - der Tochter von R.
Stephan P. (l.) und Monika R. müssen sich seit Dezember 2018 wegen schweren sexuellen Missbrauchs vor dem Cottbuser Landgericht verantworten. Sie sollen Sex mit einer Zwölfjährigen gehabt haben - der Tochter von R. FOTO: LR / Bettina Friedenberg
Cottbus. Der Fall hat hohe Wellen geschlagen: Monatelang soll eine Frau aus Groß Schacksdorf (Kreis Spree-Neiße) die eigene Tochter versteckt und mit ihrem Verlobten sexuell missbraucht haben. Seit Dezember 2018 stehen die beiden in Cottbus vor Gericht. Eine Urteilsverkündung ist nicht in Sicht. Von Bettina Friedenberg

Wo kann sie nur sein? Warum gibt es keine Spur von dem Mädchen? Ein zwölfjähriges Kind ist plötzlich wie vom Erdboden verschwunden. Das war im Oktober 2017.

Das Mädchen lebt damals nicht bei seiner Mutter in Groß Schacksdorf, sondern in verschiedenen Heimen. Zuletzt in Cottbus. Nach einem Arztbesuch kehrt das Mädchen nicht in seine Wohneinrichtung zurück. Keine Spur weist auf den Verbleib der Zwölfjährigen.

Mädchen versteckt sich im Bettkasten

Die Polizei sucht Woche um Woche, Monat um Monat. Auch bei Monika R., der Mutter des Mädchens, fragen die Beamten nach. Nicht nur einmal. Die heute 53-Jährige erklärt damals, selbst nach ihrer Tochter zu suchen, gibt mit ihrem Verlobten Stephan P. (heute 47) sogar Interviews.

Was die Ermittler damals nicht ahnen: Sie sind dem Kind ganz nah. Denn: Es lebt wieder bei der Mutter und deren Partner in Groß Schacksdorf. Aber immer, wenn die Polizei kommt, schlüpft das Mädchen in den Bettkasten der Schlafcouch und versteckt sich dort.

Dutzende Missbrauchsfälle

So lautet jedenfalls einer von mehreren Tatvorwürfen der Staatsanwaltschaft beim Prozessauftakt im Dezember vergangenen Jahres vorm Cottbuser Landgericht. Denn im Frühjahr 2018 ist das Versteckspiel aufgeflogen. Monika R. und Stephan P. werden festgenommen, landen am 19. März 2018 wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs und des Entzuges einer Minderjährigen in U-Haft.

Dutzende Fälle listet die Staatsanwältin bei Prozessbeginn auf. Oft sollen Mutter und Tochter gemeinsam Sex mit Stephan P., dem Verlobten von R., gehabt haben.

Die Mutter kommt nach drei Wochen wieder auf freien Fuß. Stephan P., ihr Lebensgefährte, ist nach wie vor in Haft. Also seit rund anderthalb Jahren. Angeklagt sind beide. An jedem Hauptverhandlungstag sehen sich Monika R. und Stephan P., die Tatvorwürfe leugnen beide.

32 Verhandlungstage vorerst geplant

Und so gerät die Wahrheitsfindung zur Geduldsprobe. Die ursprünglich angesetzten zwölf Hauptverhandlungstage sind längst Geschichte. Inzwischen haben Richter, Schöffen, Staatsanwälte, Verteidiger, Justizbeamte, Protokollführer und natürlich auch die Angeklagten bereits 22 Hauptverhandlungstage hinter sich, zehn weitere sind vorerst bis Dezember 2019 geplant.

Gut 50 Zeugen sind bislang gehört worden. „Darunter Lehrer des Mädchens, Betreuer aus Wohneinrichtungen, Jugendamtsmitarbeiter, Polizisten, Ärzte, Verwandte“, sagt Gerichtssprecher Frank Merker. Aber auch Nachbarn, Jugendliche, die das Mädchen kennen, und Journalisten, die die angeblich nach ihrem Kind suchenden Erwachsenen interviewt hatten, haben dem Gericht Rede und Antwort gestanden. Ein Sachverständiger hat zudem erläutert, wie die Spurenlage in dem Fall aussah.

Verhandelt werden kann aber nur dann, wenn alle Beteiligten anwesend sind. Urlaubszeiten und Krankheitsfälle hatten zeitliche Verzögerung des Prozesses zur Folge. Aber jetzt geht es weiter.

Psychologe prüft Auswirkung auf das Mädchen

Weitere Sachverständige sollen gehört werden. Ein Psychologe soll sich demnächst dazu äußern, welche Auswirkungen die vorgeworfenen Taten auf die Geschädigte, also das damals zwölfjährige Mädchen, haben. Eine weitere Sachverständige, eine Aussagepsychologin, soll sich zu den Aussagen des geschädigten Kindes äußern. Wie glaubwürdig ist das, was das Mädchen gegenüber den Ermittlern berichtet hat?

Und dann sind noch zwei weitere Fachärzte der Psychiatrie geladen. „Sie sollen sich zu der Schuldfähigkeit der Angeklagten äußern“, sagt Gerichtssprecher Frank Merker.

Sollten keine weiteren neuen Zeugen geladen werden oder bereits gehörte erneut vorgeladen werden, könnte sich der Prozess absehbar dem Ende nähern.

Könnte.

Der nächste Hauptverhandlungstermin ist für Anfang Oktober geplant.