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| 02:33 Uhr

Millionen mehr für die Ostsee-Kaimauer

Cottbus. Die 831 Meter lange Kaimauer am künftigen Ostsee-Stadthafen wird mehr als sieben Millionen Euro kosten. In ersten Plänen wurde das Projekt noch mit 4,4 Millionen Euro veranschlagt. Peggy Kompalla

Das Stadtparlament votierte im Mai 2015 bewusst für die günstigste der drei Kaimauer-Varianten. Der Hauptgrund für die Kostensteigerung sind neue Gutachten zur Wasserqualität. Das überrascht auch die Abgeordneten kalt. Denn bislang wurde die Beschaffenheit des Ostsee-Wassers vom Bergbaubetreiber Vattenfall und seinem Nachfolger Leag gepriesen.

Stadtplaner Egbert Thiele erklärt: "Obwohl der See aus der Sicht der künftigen Nutzer eine tolle Wasserqualität haben wird, mussten die Spezialisten nach den Gutachten davon ausgehen, dass die Sicherheitsreserven für das Bauwerk vorsorglich höher angesetzt werden müssen." Sprich es werden höhere Anforderungen an Korrosion und Statik gestellt, was Konsequenzen für die Bautechnologie hat. Schließlich macht es einen gehörigen Unterschied, ob mit Beton oder Stahl gebaut wird. Die Planer haben sich für solch einen Materialwechsel entschieden. "Wir rechnen so, dass das Bauwerk mindestens 100 Jahre standhält", erklärt Thiele.

Für Martin Kühne (Grüne) sind die neuen Rechnungen zwar nachvollziehbar, aber sie überraschen ihn. "Es werden deutlich höhere Vorsichtsmaßnahmen angesetzt, weil man von einer stärkeren Aggressivität des Wassers ausgeht. Das macht das Bauprojekt erheblich teurer", sagt er nach dem Studium der Unterlagen aus dem Baudezernat. Die angepassten Standards seien zwar zu begrüßen, doch angesichts des höheren Sicherheitspuffers tauche Skepsis auf.

Den Fachleuten der Leag zufolge wird der See zu 80 Prozent aus der Spree gespeist. Darüber hinaus bestehe die Kippe aus kalkhaltigen Sedimenten, was die Wasserqualität zusätzlich positiv beeinflusse. Deshalb sei keine zusätzliche Behandlung des Wassers nötig. Der ph-Wert wird sich der Leag zufolge zwischen 7,5 und acht bewegen - also leicht basisch sein. Den Sulfat-Gehalt des Sees schätzen die Hydrologen des Bergbaubetreibers auf 500 Milligramm je Liter.

An diesem Punkt scheiden sich die Geister. Während die Leag versichert, dass sich diese Werte völlig im Rahmen bewegen, fordern Grüne einen Grenzwert von 250 Milligramm je Liter. Das entspricht Trinkwasserqualität. Fakt ist jedoch, dass Sulfat Beton zusetzt. Das Material sollte ursprünglich für die Spundwand verwendet werden. Nach den neuen Gutachten wird sie aus Stahl.

Für die Planer im Cottbuser Rathaus bedeutete das Nacharbeit: Um Korrosionsschäden vorzubeugen, so Thiele, müsse die Stärke der Stahlspundwand erhöht werden, was statische Anpassungen erfordere. Darüber hinaus würden höhere Stahlfestigkeit und größere Elastizität für die Tragelemente gewählt, um Verformungen zu verhindern. All dies habe wiederum Auswirkungen auf die Rückverankerung der Spundwand im gewachsenen Boden. Das lässt die Kosten wachsen. "Nicht zu vernachlässigen sind die Veränderungen der Preise für Baumaterialien", ergänzt der Stadtplaner. "Hätten wir weiter mit den alten Werten geplant, dann wären wir später überrascht worden. Insofern können wir dankbar sein."