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Milch frisch aus dem Automaten

Karl-Heinz Freitag und Tochter Marlene von der Lübbinchener Milch und Mast GbR liegt das Wohl ihrer 1500 Kühe sehr am Herzen.
Karl-Heinz Freitag und Tochter Marlene von der Lübbinchener Milch und Mast GbR liegt das Wohl ihrer 1500 Kühe sehr am Herzen. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Cottbus. Flasche einstellen, Geld einwerfen, Abgabemenge auswählen und schon fließt die frische kalte Milch langsam in die Glasflasche. Seit Kurzem können sich Kunden am Lausitz Park und im E-Center in Cottbus ihre Milch direkt am Automaten ziehen. Michèle-Cathrin Zeidler

"Auf diese Weise ist die Milch deutlich frischer als im Kühlregal", weiß Karl-Heinz Freitag, Geschäftsführer von der Lübbinchener Milch und Mast GbR. "Lange Transportwege zur Molkerei und zum Supermarkt entfallen."

Immer wieder hatte Karl-Heinz Freitag in der Vergangenheit von verschiedenen Seiten die Nachfrage nach frischer Milch gespürt. Tochter Marlene Freitag übernahm schließlich die Umsetzung der Idee und beliefert die zwei Automaten in Cottbus sowie einen weiteren in Eisenhüttenstadt jeden Morgen mit frischer Milch. Dabei vergehen zwischen zwölf und 24 Stunden, bis die Milch aus dem Euter der Kuh im Automaten ankommt.

Vorher muss sie allerdings noch in der neuen hofeigenen Molkerei pasteurisiert werden. Hierbei wird die Milch kurzfristig erhitzt. Dadurch werden Mikroorganismen abgetötet, und die Milch ist mindestens fünf Tage haltbar. "Dieses Verfahren ist gesetzlich vorgeschrieben, wenn man Milch außerhalb des Betriebes verkauft", erklärt Karl-Heinz Freitag. Ansonsten wird die Milch aber nicht weiter behandelt, also weder homogenisiert noch entrahmt. "Die natürliche Fettstruktur bleibt dadurch erhalten", so der 55-Jährige.

Die Milch aus dem Automaten hat so einen natürlichen Fettgehalt von mindestens 3,7 Prozent, rahmt noch auf und muss daher vor dem Verzehr kurz geschüttelt werden. "Das weckt besonders bei unseren älteren Kunden Erinnerungen", erzählt Marlene Freitag.

Diese Naturbelassenheit des Produktes spiegelt sich auch im Geschmack wider. "Die Milch schmeckt gehaltvoller", findet Sylke Schul-Apelt, Centermanagerin im Cottbuser Lausitz Park. Sie ist begeistert von dem Automaten, und auch die Kunden stehen Schlange. Manche berichten von einer besseren Verträglichkeit.

"Zwischen 30 und 180 Liter verkaufen wir täglich an jedem Automaten", sagt Marlene Freitag. "Die Nachfrage steigt deutlich zum Wochenende." Nicht verkaufte Milch nimmt die 19-Jährige wieder mit auf den Hof. "Darüber freuen sich unsere Kälbchen", so die angehende Psychologiestudentin. Aber nicht nur die Kälbchen bekommen bei der Familie Freitag das beste Futter. Auch sonst steht das Wohl der Tiere an erster Stelle. "Gutes Futter ist die Voraussetzung für eine leckere Milch", weiß Karl-Heinz Freitag und daher produziert der erfahrene Landwirt gemeinsam mit seinen Mitarbeitern das Grundfutter für seine rund 1500 Kühe selbst. Da die Milch auch jetzt schon gentechnikfrei produziert wird, möchte er demnächst das entsprechende Siegel beantragen.

Am Automaten bezahlen die Kunden pro Liter Milch 1,30 Euro. "Damit sollen auch unsere höheren Personal- und Investitionskosten gedeckt werden", sagt Karl-Heinz Freitag. "Von der Molkerei bekommen wir aktuell nur 30 Cent brutto. Damit kann man auf Dauer nicht wirtschaftlich Milch produzieren."

Auch den Kunden im Lausitz Park sind die Probleme der Bauern bekannt. "Viele wollen die Region und die Milchbauern unterstützen und holen sich daher ihre Milch gerne am Automaten", sagt Sylke Schul-Apelt. Das Bewusstsein habe sich geändert, Regionalität sei gefragt. "Hier wissen die Kunden dann genau, wo ihre Milch produziert wurde", so die Centermanagerin weiter. Um für noch mehr Transparenz zu sorgen, möchten die Lübbinchener bald auch Führungen auf dem Hof anbieten. "Außerdem planen wir im Herbst ein großes Hoffest", verrät der Geschäftsführer. Bis dahin sollen auch die Bauarbeiten an der neuen Melkanlage abgeschlossen sein. Außerdem sind weitere Milchautomaten in Guben und Forst in Planung.