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Michalina trifft ihren Lebensretter

Die siebenjährige Michalina Lesniak (2.v.r.) mit ihrem Lebensretter, Ingbert Noack (r.) sowie Jens Soukup, Chefarzt für Anästhesiologie, Intensivtherapie und Palliativmedizin am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus (Mitte). Alicja Szafran (2.v.l.) spricht von einem Wunder, dass ihre Tochter gerettet wurde.
Die siebenjährige Michalina Lesniak (2.v.r.) mit ihrem Lebensretter, Ingbert Noack (r.) sowie Jens Soukup, Chefarzt für Anästhesiologie, Intensivtherapie und Palliativmedizin am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus (Mitte). Alicja Szafran (2.v.l.) spricht von einem Wunder, dass ihre Tochter gerettet wurde. FOTO: Hofmann
Cottbus. Siebenjährige aus Zielona Gora wird aus dem Großsee vor dem Ertrinken gerettet. Nun trifft sie den Mann, dem sie ihr Leben verdankt. Rüdiger Hofmann

Es ist ein lauer Sommertag, dieser 10. Juni. Ein Samstag. Die siebenjährige Michalina Lesniak aus Zielona Gora (Polen) ist mit weiteren Kindern am Großsee bei Tauer zum Baden. Die Stimmung ist gut, die Kinder planschen im Wasser, Michalina übt sich ein wenig im Tauchen. Dann geschieht das Unfassbare: An einer Stelle, nicht weit vom Ufer, geht es ziemlich steil nach unten. Dort rutscht Michalina ab und versinkt unter Wasser. Marlin Dziubek, ein guter Freund von Michalinas Familie, der als Betreuer mit an den Großsee gefahren ist, hält sich währenddessen mit anderen Erwachsenen am Ufer auf. "Ich habe mir zunächst nichts dabei gedacht, denn ich bin davon ausgegangen, dass Michalina Tauchen übt", sagt Dziubek.

Dann geht alles rasend schnell. Dziubek schreit um Hilfe, zwei andere Badegäste reagieren und helfen bei der Suche nach Michalina, doch sie ist nicht gleich auffindbar. Minuten verstreichen, dann wird Michalina entdeckt und ihr lebloser Körper von Ersthelfern aus dem Wasser gezogen. Ganze fünf Minuten war sie im See unter Wasser versunken. Ein kritischer Zustand.

Zur gleichen Zeit macht Ingbert Noack Urlaub auf dem Campingplatz am Großsee. Wie es der Zufall will, ist Noack Rettungsassistent. Er bekommt die Hilferufe mit und reagiert sofort. "Sie hatte weite Pupillen, keine Atmung, keinen Puls", erinnert sich Noack. Sofort spendet er dem Mädchen Atem und gibt Herz-Druck-Massagen, denn jede Sekunde zählt bei der Reanimation. "Ich wusste, was zu tun ist, aber bei einem Kind ist die Anspannung besonders groß", sagt Noack. Wenig später fängt Michalina wieder an zu atmen. "Ein Wunder", wird ihre Mutter Alicja Szafran später sagen, die an dem Tag nicht mit am Großsee ist, da sie arbeiten muss.

Michalina wird ins Carl-Thiem-Klinikum gebracht. Doch ihr Zustand verschlechtert sich. Sie wird in die Charité Berlin überliefert. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt. Mit glücklichem Ausgang. Zwölf Tage nach dem Unfall kann der Beatmungsschlauch entfernt werden, sieben weitere Tage später wird Michalina in die Reha entlassen.

Am gestrigen Donnerstag steht Michalina nun erstmals ihrem Lebensretter gegenüber: Das Carl-Thiem-Klinikum Cottbus hatte unter dem Motto "Gemeinsam Leben retten, weil es wichtig ist" Patienten, ihre Ersthelfer und Lebensretter eingeladen. Ein emotionaler Moment für alle. "Wir sind Herrn Noack unendlich dankbar, dass er so schnell und umsichtig gehandelt hat", sagt Michalinas Mutter. Ingbert Noack freut sich sichtlich und überreicht Michalina ein Plüschtier. "Das ist ein Sorgenfresser", sagt der Lebensretter, der im Gegenzug einen Blumenstrauß erhält. Dass Michalina keine Folgeschäden davontragen muss, verdankt sie unter anderem dem richtigen und schnellen Verhalten des Ersthelfers. Doch wie verhält man sich im Falle des Falles richtig?

"Wir wollen mit dieser Veranstaltung vor allem das Thema erfolgreiche Reanimation nach außen transportieren, um der Bevölkerung zu zeigen, wie wichtig es ist, Erste Hilfe zu leisten", sagt Jens Soukup, Chefarzt für Anästhesiologie, Intensivtherapie und Palliativmedizin am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus. Er hatte Michalina am Tage des Unfalls im Klinikum aufgenommen und ihren Genesungsprozess eingeleitet und verfolgt.

Der korrekte Ablauf der Behandlung bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand vom Notruf bis zur Behandlung auf der Intensivstation sei enorm wichtig. Prüfen, rufen, drücken sind die drei wichtigsten Punkte für mögliche Helfer.

Michalina hat trotz des Unfalls keine Angst vor Wasser bekommen. "Sie kann sich nicht an den Unfall erinnern", sagt ihre Mutter.