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| 18:28 Uhr

Neues Brecht-Programm
Bertolt Brecht aktueller denn je im Piccolo-Theater

Mit Leidenschaft dabei: Schauspieler, Schriftsteller und ausdrucksstarker Rezitator Michael Becker.
Mit Leidenschaft dabei: Schauspieler, Schriftsteller und ausdrucksstarker Rezitator Michael Becker. FOTO: Littko Ulrich / Ullrich Littko
Cottbus. Schauspieler Michael Becker stellt sein neues Programm vor, das auch für Schulklassen konzipiert ist.

Das Piccolo-Theater Cottbus hatte am Sonnabend zu einem außergewöhnlichen Abend mit dem Schauspieler Michael Becker und seinem zweiten Brecht-Programm „Erst kommt das Fressen – wann kommt die Moral?“ eingeladen. Die mit den Cottbuser Musikern Mario Heß und Philipp Standera gesungenen und von Michael Becker rezitierten Texte galten dem „politischen“ Brecht und animierten das Publikum auch zum Mitsingen.

Mit der Eröffnung des Abends mit der „Ballade vom angenehmen Leben“ („Da preist man uns das Leben großer Geister …“) dokumentieren die Akteure den roten Faden des Programms. „Brecht ist heute fast aktueller als zu seiner Zeit. Oder kann man sein ‚Solidaritätslied’ von 1929 („Vorwärts und nicht vergessen, worin unsere Stärke besteht!“) oder die ‚Kinderhymne’ („Anmut sparet nicht noch Mühe, Leidenschaft nicht noch Verstand …“), geschrieben 1949, nicht mehr rezitieren?“, stellt Becker in den Raum. Dass Brechts Texte, wie das „Friedenslied“ („Friede auf unserer Erde! Friede auf unserem Feld …“) oder die 1928 geschriebene „Dreigroschenoper“ mit dem „Kanonensong“ und der Ballade „Wovon lebt der Mensch“ das Publikum heute noch in den Bann ziehen, hat ebenso mit künstlerischer Meisterschaft wie Bezügen zu jetzigen Tendenzen und Entwicklungen zu tun. „Unser Programm, ich spreche da auch für Mario Heß und Philipp Standera, ist ein Programm gegen den politischen Alltag, stellt unsere Meinung zur gegenwärtigen Situation klar.“ Man spürt intensiv, dass jede rezitierte Zeile, jeder Takt mit großer Überzeugung von der Bühne den Zuschauerraum erreicht.

Neben Gedichten und Liedern mit vornehmlich agitatorischen Inhalten – hier hatte das Publikum mehrfach Gelegenheit mitzusingen – sind es die überaus beeindruckend vorgetragenen Texte Brechts wie die „Bitten der Kinder“ („Die Häuser sollen nicht brennen. Bomber sollt man nicht kennen …“) oder die „Ballade vom Weib und dem Soldaten“ („Das Schießgewehr schießt, und das Spießmesser spießt. Und das Wasser frisst auf, die drin waten …“), die zu den emotionalen Höhepunkten des Programms gehören.

Da das Wirken Bertolt Brechts, dessen 120. Geburtstagsjubiläums in diesem Jahr gedacht wird, zum Unterrichtsstoff in den Schulen gehört, ist der Abend auch als Klassenfassung konzipiert. Dem Dramaturgen des Piccolo-Theaters, Mathies Rau, ist für die Vorbereitung und den Künstlern für den unterhaltsamen, nachdenklichen und wirkungsvollen Abend herzlich zu danken.

(bwh)