| 20:40 Uhr

Messerattacke am Cottbuser Blechen-Carré
Angreifer mit Vorgeschichte

An der Straßenbahnhaltestelle vorm Einkaufszentrum Blechen-Carré in Cottbus hat ein 16-Jähriger Syrer einen deutschen Jugendlichen mit einem Messer verletzt. Bereits am Freitag zuvor haben drei syrische Jugendliche am Blechen-Carré ein Ehepaar attackiert. Auch hier war ein Messer im Spiel, es wurde aber niemand verletzt.
An der Straßenbahnhaltestelle vorm Einkaufszentrum Blechen-Carré in Cottbus hat ein 16-Jähriger Syrer einen deutschen Jugendlichen mit einem Messer verletzt. Bereits am Freitag zuvor haben drei syrische Jugendliche am Blechen-Carré ein Ehepaar attackiert. Auch hier war ein Messer im Spiel, es wurde aber niemand verletzt. FOTO: Peggy Kompalla / LR
Cottbus . Schule verzweifelt schon vor der Messerattacke an jungem Syrer. Familiengericht zeigt Milde.

Schneller Ermittlungserfolg: Die Polizei hat am Donnerstag nach dem Messerangriff eines 16-jährigen Syrers auf einen gleichaltrigen Cottbuser vom Mittwoch an der Straßenbahnhaltestelle vor dem Blechen-Carré zwei Tatverdächtige festgenommen. Der Vorwurf: schwere Körperverletzung. Die mutmaßlichen Täter stammen beide aus Syrien und sind 15 und 16 Jahre alt. In den Wohnungen der Familien wurden Beweismittel gesichert. Am Nachmittag gab der Haftrichter einem Antrag der Staatsanwaltschaft statt und schickte beide in Untersuchungshaft.

Der 16-jährige Syrer, der den Cottbuser mit einem Messerschnitt im Gesicht schwer verletzt haben soll, war nach RUNDSCHAU-Recherchen zuvor bereits durch gewalttätiges Verhalten aufgefallen. An der Schule, die er besuchen sollte, soll er Schüler  und Lehrer beschimpft und bedroht haben. Der Unterricht selbst inte­ressierte ihn demnach kaum. Da er sich jedem pädagogischen Einfluss verwehrt haben soll, weigerte sich die Schule schon vor geraumer Zeit, den jugendlichen Flüchtling weiter zu unterrichten.

Stattdessen tauchte er trotz eines Hausverbotes, so vertrauliche Angaben von Lehrern, immer wieder an einer anderen Cottbuser Schule auf, die ein jüngerer Bruder von ihm besucht. Auch dort fiel er durch Drohungen und Aggressionen auf. Wegen eines körperlichen Angriffs auf deutsche Jugendliche auf einem Bolzplatz stand der 16-Jährige im Herbst erst vor einem Cottbuser Jugendrichter. Er kam mit einer Erziehungsmaßregel, also einer Auflage wie Antiaggressionstraining oder Sozialstunden, davon. Es soll auch einen Versuch gegeben haben, den Jugendlichen über das Familiengericht aus seiner Familie herauszunehmen. Dazu kam es jedoch nicht. Ein Familienhelfer der Stadt soll die Familie betreut haben.

Stadtsprecher Jan Gloßmann bestätigt zwar am Donnerstagabend einen solchen Fall – ohne jedoch aus Datenschutzgründen einen direkten Zusammenhang zu den Beteiligten an den jüngsten Ereignissen herzustellen. Demnach hatte das Jugendamt im November einen Eilantrag beim Familiengericht gestellt, in dem die zwangsweise stationäre Unterbringung sowie ein Teilentzug des Sorgerechts der Eltern angeregt wurden. Den Termin bei Gericht nahm die Familie demnach nicht wahr. Ausländerbehörde und Staatsschutz seien sofort involviert worden. Am 8. Januar erschien die Familie bei Gericht. Die Richterin entschied laut Stadtsprecher gegen die Anregung des Jugendamtes auf stationäre Unterbringung und hielt eine ambulante Hilfe durch einen Erziehungsbeistand für ausreichend. Damit, so Gloßmann, waren für das Cottbuser Jugendamt alle Mittel ausgeschöpft.

Leiter von Cottbuser Schulen, an denen ein hoher Anteil von Flüchtlingskindern unterrichtet wird, versichern im vertraulichen Gespräch, dass derartige Problemschüler eher die Ausnahme sind. „Es gibt da die selbe Bandbreite wie bei deutschen Schülern, von fleißig und strebsam bis überfordert und lustlos“, so ein Schulchef.

Die Stadt will jetzt ihr Bemühen in der Prävention weiter intensivieren. Stadtsprecher Jan Gloßmann versichert: „Wir werden die Zahl der Schulsozialarbeiter deutlich erhöhen, um keimende Konflikte frühzeitig erkennen und ihnen begegnen zu können.“ Wie viele und wann diese zusätzlichen Sozialarbeiter zur Verfügung stehen, könne derzeit nicht gesagt werden. Zumal Cottbus dabei auf die Unterstützung des Landes angewiesen sei. „Wir benötigen mindestens eine Ausnahmegenehmigung, trotz des nicht genehmigten Haushaltes Einstellungen vornehmen zu können“, so Gloßmann. Der Antrag an das Land sei am Donnerstag auf den Weg gebracht worden. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) sichert Cottbus ihre Unterstützung zu. Perspektivisch ist in der Stadt auch eine Verstärkung der mobilen Sozialarbeit geplant, so Gloßmann.

Für das bessere Sicherheitsgefühl müsse zunächst eine stärkere Präsenz der Polizei sorgen. Das sagt Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) zu. „Die Stadtverwaltung wird alle zur Verfügung stehenden Mitarbeiter des Vollzugsdienstes einsetzen“, erklärt Gloßmann. Längerfristig soll das Ordnungsamt verstärkt werden. Darüber hinaus seien gemeinsame Streifen von Polizei und Ordnungsamt verabredet.

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