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Merzdorfer Kreuz über Umweg Kleingarten für Nachwelt gerettet

Steinkreuzfotograf Detlef Sommer (l.) und Steinkreuzexperte Günter Wetzel (r.) im Gespräch mit Slawenburg-Geschäftsführerin Harriet Bönisch (2.v.l.) und Kuratorin Anke Wolf.
Steinkreuzfotograf Detlef Sommer (l.) und Steinkreuzexperte Günter Wetzel (r.) im Gespräch mit Slawenburg-Geschäftsführerin Harriet Bönisch (2.v.l.) und Kuratorin Anke Wolf. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Cottbus. Mit dem Navi nach steinernen Zeugnissen des Mittelalters suchen – was auf den ersten Blick unvereinbar scheint, wird mit einer Publikation des Landesamtes für Denkmalpflege möglich. Vor allem aber ist der Katalog "Steinkreuze und Kreuzsteine im Land Brandenburg" auch für Laien eine spannende Lektüre. Ulrike Elsner

Lange Zeit haben die jahrhundertealten Steinkreuze in der Niederlausitz Rätsel aufgegeben. Ihren Ursprung haben die aus Stein gehauenen Objekte im Mittelalter. Erst durch Forschungen im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts aber ist ein Zusammenhang mit Sühneverträgen aus dem 13. bis 16. Jahrhundert sichtbar geworden. Das Heft widerspiegelt den aktuellen Forschungsstand und legt in Katalogform den derzeitigen Bestand an diesen mittelalterlichen Kleindenkmalen vor - mit aktuellen und historischen Fotos.

"Totschlag oder Mord waren und sind zu allen Zeiten eine erhebliche Belastung für den Rechtsfrieden" ist in der von Detlef Sommer, Karin Sommer und Günter Wetzel verfassten sowie vom Landesarchäologen Professor Franz Schopper herausgegebenen Publikation nachzulesen. Mit der Ausbreitung des Christentums und dem Erstarken der feudalen Zentralgewalt sei an die Stelle des weitverbreiteten Brauchs der Blutrache ein Sühnevertrag getreten, der Täter und Opferfamilie einbindet. Bestandteil eines solchen Vertrages waren die Versorgung der Hinterbliebenen und Leistungen an die Kirche wie das Lesen von Messen oder das Stiften von Kerzen.

Bei den meisten Steinkreuzen ist allerdings unklar, ob sie sich heute noch am ursprünglichen Standort befinden. Relativ sichere Hinweise auf einen annähernd originalen Standort gibt es nach Recherchen der Verfasser über lange Zeit für das Merzdorfer Kreuz. An der Badestelle am Knick des Hammergrabens gelegen, war es in den 1950er- und 1960er-Jahren zwar immer wieder umgestürzt, aber stets am Ort geblieben. Später ging allerdings das Genehmigungsverfahren für ein Baugebiet auf diesem Terrain an der zuständigen Außenstelle des Museums für Ur- und Frühgeschichte vorbei. Wie der Heimatforscher Hans-Hermann Krönert herausgefunden hat, beobachtete der Kleingärtner Roland Lax das Vorgehen der Bauleute und "sicherte" das Denkmal in seinem Garten. Als er von Cottbus weg zog, wollte er das Steinkreuz aber in guten Händen wissen und meldete sich deshalb bei den Ausgräbern an der Kirche von Groß Lieskow. "Große Freude bei den Bodendenkmalpflegern", heißt es bei Krönert, "die Umsetzung auf den Friedhof von Merzdorf in eine hoffentlich für die Zukunft gesicherte Position wurde 1985 veranlasst, wo es noch heute steht."

"Steinkreuze und Kreuzsteine im Land Brandenburg", 96 Seiten, ISBN 978-3-910011-62-5