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Menschenrechtszentrum Cottbus mit Freiheitspreis geehrt

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (l., SPD) im Gespräch mit Sylvia Wähling und Dieter Dombrowski.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (l., SPD) im Gespräch mit Sylvia Wähling und Dieter Dombrowski. FOTO: dpa
Cottbus. Wo früher politische Gefangene einsaßen, ist heute eine Gedenkstätte: Auf einem ehemaligen Gefängnisareal in Cottbus will ein Verein die Erinnerung wach halten. Das Domstift Brandenburg vergab dafür einen Freiheitspreis. Jan Siegel

Der Verein Menschenrechtszentrum Cottbus hat den Brandenburger Freiheitspreis des Domstifts Brandenburg erhalten.

Der Verein ist der erste Preisträger der 2015 ausgelobten Auszeichnung.

Das Menschenrechtszentrum wurde 2007 von früheren politischen Gefangenen aus DDR-Zeiten gegründet. Der Verein kaufte das einstige Gefängnis "Zuchthaus Cottbus" und wandelte es in eine Gedenkstätte um. Dort saßen zu DDR-Zeiten vor allem politische Gefangene ein.

Der Freiheitspreis ist mit 25 000 Euro dotiert. Schirmherr ist Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Brandenburg/Havel gehört zu seinem Wahlkreis.

Die Jury des Freiheitspreises wählte aus 28 vorgeschlagenen Menschen und elf Institutionen den Preisträger aus.

Steinmeier würdigte das Zentrum in seiner Laudatio. "Das Menschenrechtszentrum und ehemalige Zuchthaus Cottbus verkörpert den Wert der Freiheit durch die Erfahrung der Unfreiheit! Wir zeichnen die ehemaligen Häftlinge und Initiatoren des Menschenrechtszentrums aus - nicht nur aus Respekt vor den Erfahrungen, die sie und andere Opfer von DDR-Unrecht machen mussten, sondern wegen der Lehren, die sie daraus gezogen haben", sagte Steinmeier. In der Not der Unfreiheit hätten sie erkannt, dass die Freiheit lebensnotwendig ist - und zwar für alle Menschen. Dafür setzten sie sich heute in bewundernswerter Weise ein. Finanziert wird der Preis durch die Deutsche Bank und den Technologiekonzern im Automobilsektor ZF Friedrichshafen. Als Vertreter waren Jürgen Fitschen, ehemaliger Co-Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bank sowie Andreas Hartmann, Generalbevollmächtigter der ZF Friedrichshafen AG, anwesend. Unter den rund 200 Gästen im Brandenburger Dom waren zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Religion und Kultur.

Mehrheitlich engagieren sich im Menschenrechtszentrum Cottbus ehemalige politische Gefangene des einstigen Zuchthauses.

Prof. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und Mitglied der Jury des Freiheitspreises, begründete die Entscheidung damit, "dass die ehemaligen politischen Gefangenen nicht nur an das vergangene Unrecht erinnerten, sondern sich aktiv für die Opfer von gegenwärtiger Unfreiheit und fehlender Rechtsstaatlichkeit einsetzten."

Für das Menschenrechtszentrum nahmen die beiden Vorsitzenden des Vereins, Sylvia Wähling und Dieter Dombrowski, Vizepräsident des Brandenburgischen Landtages und ehemaliger Häftling, die Auszeichnung entgegen. Dombrowski freut sich: Besonders junge Menschen sollten durch die Auseinandersetzung mit dem Schicksal politischer Gefangener in der DDR dafür sensibilisiert werden, dass die Werte einer freiheitlich-demokratischen und rechtsstaatlichen Gesellschaft erhaltenswert sind. Menschenrechte müssten nicht nur im Grundgesetz stehen, sondern auch in der Realität geachtet werden, sagte Dombrowski. "Wir nehmen diesen Preis stellvertretend für all die Menschen an, die den Glauben an die Freiheit nie aufgegeben haben", sagt er. Das Menschenrechtszentrum verzeichnet nach eigenen Angaben im Jahr zwischen 8000 und 9000 Besucher.