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| 02:33 Uhr

Menschenkette gegen neue Tagebaue

Groß Gastrose. Mit einer Menschenkette vom polnischen Grabice (Woiwodschaft Lebuskie) über Groß Gastrose bis nach Kerkwitz wollen Kohlegegner aus ganz Europa am 23. August gegen den Aufschluss neuer Tagebaue protestieren. Mehrere Tausend Teilnehmer werden erwartet. Auf den Ansturm der Umweltaktivisten bereiten sich die Einwohner der angrenzenden Orte bereits vor. Silke Halpick

"Das Damoklesschwert schwebt auch über unseren Köpfen", sagt Wilfried Buder, Ortsvorsteher von Groß Gastrose. Damit spricht er den geplanten Tagebau Jänschwalde-Nord an, der aus den Groß Gastrosern auf einen Schlag Randbetroffene machen würde. Kerkwitz, Atterwasch und Grabko werden dann abgebaggert. "Wir wollen den Taubendorfer See", betont Buder. "Und der kommt, wenn der bestehende Tagebau Jänschwalde ausgekohlt und dann Schluss mit der Braunkohle ist", schiebt er hinterher.

Für den Ausstieg aus der Braunkohleförderung setzt sich auch das 4. Lausitzer Klimacamp ein, das vom 16. bis 24. August seine Zelte in Kerkwitz aufschlägt. In diesem Rahmen ist auch die Aktion Menschenkette geplant. "Alle Tagebaue, die genehmigt sind, sollen bis zum Ende bleiben", betont Thomas Burchardt von der Klinger Runde und Mitorganisator. Der von der Landesregierung befürwortete Tagebau-Welzow Süd II gehört für ihn zu den noch nicht genehmigten.

Unterstützt wird die Menschenkette, die auf Plakaten und im Internet den offiziellen Namen "Anti-Kohle-Kette" trägt, von großen Umweltverbänden und -organisationen wie Greenpeace, Robin Wood oder Campact. Rund 100 Busse mit Aktivisten werden aus ganz Deutschland, aus Polen, Frankreich und Schweden erwartet, kündigt Lars Konnertz von Greenpeace an. "Wenn die voll werden, sind das 5000 Menschen", betont er. Bus- und Pkw-Parkplätze werden entlang der acht Kilometer langen Strecke eingerichtet. Die L 46 zwischen Groß Gastrose und Kerkwitz bleibt während der Aktion für den Autoverkehr gesperrt. Groß Gastroser, Taubendorfer und Kerkwitzer werden als Streckenposten die Ortsunkundigen einweisen.

Gegen 12.30 Uhr wird mit der Ankunft der Busse gerechnet, so Burchardt. Danach werden sich die Teilnehmer entlang der Strecke postieren. Zwischen 13.45 und 14.15 Uhr soll sich die Menschenkette schließen. Hand in Hand wollen die Teilnehmer für den Braunkohle-Ausstieg und die Energiewende demonstrieren. Sollte die Zahl der Aktiven geringer als erwartet ausfallen, werden die personellen Lücken mithilfe von Protestbändern überbrückt.

Als besonderer Höhepunkt gilt die Neiße-Überquerung bei Groß Gastrose. Rund 20 Menschen werden im Grenzfluss stehen und die deutsche und polnische Seite miteinander verbinden. Bei normalem Pegelstand sei das vollkommen gefahrlos möglich, betont Jörg Fischer, stellvertretender Gemeindebrandmeister. Die ortsansässige Feuerwehr wird die Absicherung des Streckenabschnittes übernehmen, ein Sicherungsseil wird über die Neiße gespannt.

"Wir wollen gute Gastgeber sein", betont Buder. Der Ortsvorsteher reicht eine Liste herum, auf der sich Bürger eintragen können, die Kuchen backen oder belegte Brote schmieren. Zwei Gemeindeautos werden entlang der Strecke unterwegs sein und die Teilnehmer der Aktion mit Getränken und einem Imbiss versorgen. Ein weiterer Getränkewagen soll am ehemaligen Jugendklub stehen, das Deutsche Rote Kreuz wird Kartoffelsuppe mit Bockwurst kochen und die Taubendorfer legen Bratwürste auf den Grill.

Der deutsch-polnische Feuerwehrstützpunkt in Groß Gastrose, im vergangenen Jahr für 1,1 Millionen Euro um- und ausgebaut, wird zum Medien-Zentrum umfunktioniert. Von hier aus sollen Reporter aus ganz Deutschland und anderen Ländern über die grenzüberschreitende Menschenkette der Kohlegegner berichten. Mit dem Abschluss der Aktion wird gegen 15 Uhr gerechnet.

Mehr Informationen zur Aktion Menschenkette gibt es hier:

www.humanchain.org

www.lausitzcamp.info