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| 10:39 Uhr

KOLUMNE MEINE WIRTSCHAFTSWOCHE
Ich mache mir Sorgen!

Von Beate Möschl
Von Beate Möschl FOTO: LR / Sebastian Schubert
Was bin ich froh, dass trotz andauernder Extremwetterlage jeden Morgen noch Wasser fließt, wenn ich den Hahn aufdrehe in Bad und Küche. Und dass genug Strom da ist, um Kühlschrank und Kaffeemaschine anzutreiben, und noch wichtiger: Um die Abwasserlast der Stadt ins Klärbecken zu pumpen.

Nicht zu vergessen die Maschinen und Anlagen, die für Produktion, Verwaltung, Gesundheitseinrichtungen, Freibäderbetrieb, Hotels, Gaststätten, Kindereinrichtungen unerlässlich sind – neben dem Faktor Mensch, der angesichts der Temperaturen schon monatelang gegen das In-die-Knie-Gehen kämpft.

Und einmal mehr kommt die Klima-Debatte überhitzt daher bis hin zur Forderung nach mehr klimatisierte Räumen, in denen der Mensch abkühlen kann. Das signalisiert eindeutig noch mehr Strombedarf. Gleichzeitig ächzen Atomkraft und Steinkohle getriebene Kraftwerke, weil das für ihre Kühlung erforderliche Flusswasser zu aufgeheizt ist und keinen Kühleffekt mehr bringt. Sie drosseln die Stromproduktion – entgegengesetzt zur Nachfrage. In der Lausitz passiert das so nicht. Hier kühlt Grubenwasser mit konstanter Temperatur braunkohlegetriebene Kraftwerke, deren Laufzeit endlich sein soll. Um das Klima zu retten in der Welt.

Das bereitet mir Sorgen. Ich kann den Beweis dafür nicht finden im Heuschober der klimabeeinflussenden Faktoren. Zu viel versperrt mir die Sicht. Unmöglich an dieser Stelle alles aufzuzählen, hier nur ein Weniges: Der Flugverkehr über unseren Köpfen und das Lamento über Flugausfälle in der Sommerferienzeit während zu Hause und in Urlaubsländern der Wald brennt. Die rollende Lagerwirtschaft auf Straßen, die nun auch schon für Gigaliner freigegeben sind, während Investitionen ins Gleisbett und Schienenstränge für den Güterverkehr vernachlässigt werden.

Tonnenweise Exoten und Gemüse aus Ländern, die dafür Raubbau an der eigenen Natur betreiben und mit ihrer Ernte See- und Wasserwege und Straßen verstopfen, damit die Supermärkte bei uns voll sind. Die Klage über zu kleine Kartoffeln von heimischen Feldern verbunden mit der Spekulation über höhere Preise infolge von Ernteausfällen. Das bringt willkommene Ängste ins Spiel. Vor Versorgungsengpässen zum Beispiel. Die freilich sind menschengemacht, wenn kleine Kartoffeln als nicht kaufanreizend genug aussortiert werden und womöglich gar nicht erst ins Angebot kommen, aber auch willkommen. Weil Angst die Schwester profitabler Geschäfte ist, deren Ertrag allerdings nicht beim Bauern ankommt.

Das liegt echt schwer im Magen und belastet das Bauchgefühl. Das macht es dem gesunden Menschenverstand schwer, sich durchzusetzen. Wo doch Deutschland das Land ist, das alles im Griff hat. Und trotzdem kann hier keiner die Schalter finden, die endlich Schluss machen mit der Überhitzung? Kaum zu glauben. Oder hat das etwa doch System?