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| 18:10 Uhr

Mit der RUNDSCHAU auf Sommertour
Am Hertzschlag des Kraftwerks

Mit der RUNDSCHAU-Sommertour konnten die Leser die Blockwarte des Kraftwerks Jänschwalde besuchen. Hier werden die sechs Blöcke überwacht und gesteuert. Mit der Abschaltung zweier Blocks in diesem und im nächsten Jahr gehen beim Energiekonzern Leag 600 Arbeitsplätze verloren.
Mit der RUNDSCHAU-Sommertour konnten die Leser die Blockwarte des Kraftwerks Jänschwalde besuchen. Hier werden die sechs Blöcke überwacht und gesteuert. Mit der Abschaltung zweier Blocks in diesem und im nächsten Jahr gehen beim Energiekonzern Leag 600 Arbeitsplätze verloren. FOTO: Michael Helbig
Jänschwalde. Bei der RUNDSCHAU-Sommertour in Jänschwalde erfahren die Leser alles über die Stromfabrik und die Veränderungen mit der Abschaltung des ersten Blocks im September. Von Peggy Kompalla

Das Kraftwerk Jänschwalde braucht eigentlich nur Kohle und Wasser, um Strom zu erzeugen. Klingt einfach. Und doch gehört eine Menge mehr dazu, damit die Leitungen sirren. Davon haben sich die Leser bei der RUNDSCHAU-Sommertour überzeugen können. Die gigantischen Anlagen sind nicht nur beeindruckend. Sie leisten auch erstaunliche Präzisionsarbeit. Denn es landet immer exakt so viel Strom im Hochspannungsnetz, wie gerade benötigt wird. Dabei wird die Netzfrequenz stets bei 50 Hertz gehalten. Im Herzstück des Kraftwerks – der Blockwarte – überwachen und steuern die Mitarbeiter jeden der sechs Blöcke. Jeder einzelne liefert eine Leistung von bis zu 500 Megawatt. Aber in Jänschwalde stehen große Veränderungen an, wenn am 30. September um Mitternacht Block F planmäßig vom Netz genommen wird.

Das haben sich die Kraftwerker vom Energiekonzern Leag nicht freiwillig ausgesucht, vielmehr beruht es auf einer Entscheidung der Bundesregierung. Zur Senkung des Kohlendioxidausstoßes gehen einzelne Blöcke in Braunkohlekraftwerken in Sicherheitsreserve – sprich in Schlummerzustand. Denn laut Gesetz muss das Unternehmen den Block im Notfall innerhalb von elf Tagen wieder auf volle Leistung fahren können. Für die Leag ist das Neuland. Die Anlagen trotz Stillstands in solch einem Zustand zu halten, dass sie jederzeit startklar gemacht werden können, ist eine Herausforderung. Das erfahren die Sommertourler von Paul Donath. Er ist der Projektleiter für die Sicherheitsbereitschaft.

Im Kesselhaus bekommen die Besucher die Stromerzeugung körperlich zu spüren. Es ist heiß.
Im Kesselhaus bekommen die Besucher die Stromerzeugung körperlich zu spüren. Es ist heiß. FOTO: Michael Helbig

Ein Block weniger bedeutet demnach nicht weniger Arbeit. Der Riese muss konserviert werden. Ein schwieriges Unterfangen bei einer Anlage mit kilometerlangen Wasserleitungen. „Die Rohre bekommen eine Sicherheitsbeschichtung, um die Korrosion so gering wie möglich zu halten“, erklärt Paul Donath den wissbegierigen Besuchern. „Außerdem werden wir die Turbine trocken fahren. Das geschieht mit Trockenluft.“ Die Luftfeuchtigkeit wird auf diese Weise unter 40 Prozent gehalten. Allerdings muss die Luft dauerhaft strömen. Sprich: statt Wasser pfeift in anderthalb Monaten nur noch Luft durch die Rohre. „Es gibt außerdem ein umfangreiches Reinigungsprogramm“, ergänzt Paul Donath. Damit nicht genug. Es muss eine Heizung eingebaut werden, um auch im Winter die Temperaturen mindestens bei fünf Grad Celsius zu halten. Schließlich darf nichts einfrieren. Das ist schwerlich zu begreifen, erzählt der junge Projektleiter dies doch im Kesselhaus, wo die Kohlemühlen laufen und die Kessel bollern. Stromerzeugung ist an dieser Stelle förmlich spürbar.

Blick ins Gipslager: Das Material entsteht bei der Rauchgasentschwefelung. Am Tag werden auf diese Weise rund 4000 Tonnen Gips produziert.
Blick ins Gipslager: Das Material entsteht bei der Rauchgasentschwefelung. Am Tag werden auf diese Weise rund 4000 Tonnen Gips produziert. FOTO: Michael Helbig

Das Kraftwerk Jänschwalde liefert im Durchschnitt jährlich 22 000 Gigawattstunden. Im absoluten Rekordjahr 2013 waren es sogar mehr als 24 000 Gigawattstunden. Die Strommenge hat sich in den vergangenen Jahren kaum verringert, obwohl die erneuerbaren Energien immer weiter ausgebaut werden. Darauf weist Gerd Stecklina hin. Er ist der Stabsleiter des Kraftwerks. „Wir sind ein zuverlässiger Partner der erneuerbaren Energie“, betont er. „Denn sowohl Solar- als auch Windenergie können nicht kontinuierlich liefern. Es gibt eine große Lücke. Für diesen Anteil springen wir ein.“ Nichtsdestotrotz haben die Erneuerbaren im Netz auch Vorfahrt. Deshalb drosselt das Kraftwerk an einem sonnigen Sommertag wie dem Sommertourtag gegen Mittag auch die Kapazität.

Paul Donath ist im Kraftwerk Jänschwalde der Projektleiter für die Sicherheitsreserve. Auf 51 Metern Höhe steht er den Besuchern Rede und Antwort.
Paul Donath ist im Kraftwerk Jänschwalde der Projektleiter für die Sicherheitsreserve. Auf 51 Metern Höhe steht er den Besuchern Rede und Antwort. FOTO: Michael Helbig

Die Kraftwerker treibt die Zukunft um. Denn bis spätestens 2022 gehen auch die Atomkraftwerke vom Netz. Sie prognostizieren: Damit wird die Versorgungslücke weiter wachsen. Gleichzeitig werden die konventionellen Energieproduzenten bewusst heruntergefahren. Im nächsten Jahr muss die Leag in Jänschwalde Block E außer Dienst nehmen. Die Sicherheitsreserve gilt vier Jahre – also bis 2022 und 2023.

Rundschau Sommertour 4c
Rundschau Sommertour 4c FOTO: LR / Schubert, Sebastian