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Übrigens
Eine Stadt voller Freisprecher

Peggy Kompalla
Peggy Kompalla FOTO: Behnke
Die Gedanken im Kopf lassen sich nicht abschalten. Sie sind immer da, auch wenn sie ungelegen kommen. Manchmal müssen sie raus. Besonders gelegen kommt einem da ein Gesprächspartner. Nur manchmal ist keiner da. Da hilft nur eines: Laut denken. Von Peggy Kompalla

Es gab Zeiten, da galt jemand, der das ohne Gegenüber offensiv in der Öffentlichkeit betrieb als Fall für den Psychiater galt. Die Leute auf der Straße starrten so einem hinterher und raunten ihr Bedauern über den Zustand des armen Irregeleiteten. Dieser Auffassung zufolge ist Cottbus heute voll von Patienten. Einsame Spaziergänger palavern laut an der Ampel, Radfahrer halten während der Fahrt Referate. Autofahrer gestikulieren wild, obwohl der Sozius leer ist. Doch es gibt Entwarnung: Die Cottbuser haben keine Erscheinungen. Sie telefonieren mit dem Freisprecher. Das Wort ist Programm und ganz offensichtlich eine Erleichterung. Denn mit einem Telefon findet sich immer ein Gesprächspartner.