ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:43 Uhr

Wort zum Sonntag
Die Zumutbarkeit Gottes

 Pfarrerin Johanna Melchior, St. Nikolai, Cottbus.
Pfarrerin Johanna Melchior, St. Nikolai, Cottbus. FOTO: privat
Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

(Jesaja 43, 1)

Dieses Wort begleitet durch die kommende Woche – Christen und alle, die sich sonst darauf einlassen wollen.

Fürchte dich nicht – das ist ein Auftrag Gottes. Das ist immer wieder neu eine Zu-MUT-ung. Denn Gott mutet uns damit etwas zu, das uns zum mutigen Dasein führen soll. Gehe an gegen deine Angst! Fürchte dich nicht! Wenn Gott so redet, kann und wird er Menschen damit nicht allein lassen. So kommen weitere Mut machende von Gott: Er hat erlöst – dich – und hat dich bei deinem Namen gerufen. Wir Menschen sind keine namenlose Massenware, sondern jede und jeder gehören wir zu Gott, sind Ihm namentlich bekannt. Manchmal weiß ich kaum noch, wer und was ich bin, weil mich so viel in Beschlag nimmt, Arbeit auf mir lastet, Persönliches auch nicht eben leicht ist. Gott weiß es, und bei Ihm bin ich aufgehoben.

Ein wunderbares Bibelwort, Geschenk für meine Seele.

Es zeigt auch, in welchen Zusammenhang dieser große Zumutungsauftrag Gottes gehört. Sein Volk Israel braucht erneuerte Seelenkraft, Mut, Hoffnung. Darum spricht Gott: Fürchte dich nicht. In diesem Bibelwort begegnet die Geschichte Israels mit Gott: Er ist Schöpfer und Bewahrer, der sich Sein Volk erwählt und „gemacht“ hat. Erlöst durch Gott, herausgeführt aus Knechtschaft in die Freiheit des Lebens mit Gott und Seinem Wort. Von Ihm gerufen, nach Gott und durch Ihn benannt und zu Ihm gehörend.

In der Hölle der Vernichtungslager wurden den Ausgelieferten Nummern in den Unterarm tätowiert, der Name wurde zur identitätslosen Ziffer. Mit dem Namen sollte alles Menschliche geraubt werden. Aber Gott lässt nicht rauben, Gott kennt den Namen Israels. Es gehört zu Ihm.

Fürchte dich nicht – ein zuMUTendes Geschenk Gottes. Es verbindet Israel und Christen miteinander. Es ruft heraus aus den bezwängenden Fesseln der Ängste und Hoffnungslosigkeit in die Weite von Vertrauen und Zuversicht. Glaubende und auch nicht Glaubende können es wagen.

 Pfarrerin Johanna Melchior, St. Nikolai, Cottbus.
Pfarrerin Johanna Melchior, St. Nikolai, Cottbus. FOTO: privat