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| 17:48 Uhr

KOLUMNE MEINE WIRTSCHAFTSWOCHE
Die Sache mit der Balance

Beate Möschl
Beate Möschl FOTO: LR / Sebastian Schubert
Knapp zwei Millionen bezahlbare Wohnungen fehlen in Deutschlands Großstädten, darunter 1,4 Millionen, die kleiner als 45 Quadratmeter sind. Das hat die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung in einer Studie ermittelt. Betroffen sind vor allem Ballungsräume wie Hamburg, Berlin, Köln und München. Während die Zahlen der Studie zur Wohnungsnot in Deutschland und horrend steigenden Mieten in allen Medien kursieren, knüpft Herr Lehmann im Café am Rande seiner Straße in Cottbus an unser November-Gespräch an: „Was brauchen wir Wohnungen“, fragt er mit Blick in seine Heimatzeitung und sagt: „Die Leute arbeiten doch immer länger. Heutzutage ist es doch so, dass man immer da und bereit sein muss.“ Da bräuchte man doch nur einen Platz zum Schlafen. Ein Bett. Zu mehr reicht die Zeit ja gar nicht, bringt Herr Lehmann auf seine Art die Sache mit der Balance zwischen Aufwand und Nutzen auf den Punkt. Er hat viel Zeit als Rentner und einen wachen Blick. So bekommt er an seinen Nachmittagen im Café viel mit. Mehr als die hier schnell einen Snack oder Brot kaufenden Eltern im engen Zeitstrahl um ihre Schul- und Kita-Kinder herumschwirrend, antreibend, mahnend, den Blick auf die Uhr im Kopf den nächsten Termin, den Einkauf und die Wäsche zu Haus, das Management der Familie und des Jobs. Alles klar? Von Beate Möschl

Ja: Wir brauchen Wohnungen, bezahlbare. Und gut bezahlte Arbeit, die Sicherheit gibt. Dann entwickeln sich Gelassenheit und Klarheit, die richtigen Entscheidungen zu treffen fürs Leben. Manchmal hilft auch jemand wie Herr Lehmann auf die Sprünge und klärt den Kopf. Weil er gerne um die Ecke denkt und damit geradewegs ins Ziel trifft. Er sollte zum Berater werden. Für die große Politik. Denn die fängt im Kleinen an, hier in der Lausitz und bei Menschen wie Herrn Lehmann.