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Mehrere Cottbuser Schulen in Gefahr

Sehr beliebt: die Theodor-Fontane-Schule.
Sehr beliebt: die Theodor-Fontane-Schule. FOTO: Helbig
Cottbus. Eine zusätzliche Gesamtschule in Cottbus würde für die Sachsendorfer Oberschule das Aus bedeuten. Doch auch Gymnasien wären in Gefahr. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die die Verwaltung vorgenommen hat. Sven Hering

Seit Jahren rennen Cottbuser Schüler der Fontane-Geamtschule in Sandow, der einzigen Schule dieser Art in der Stadt und im Spree-Neiße-Kreis, die Türen ein. Viele Absagen sind immer wieder die Folge. Allein im letzten Verfahren hatte die Sandower Einrichtung mit 29 Widersprüchen zu tun. Davon landeten zwei Fälle sogar vor dem Verwaltungsgericht.

Der Ruf nach mehr Gesamtschulplätzen wurde deshalb immer lauter. Die Stadt hat jetzt drei Varianten untersucht und der Öffentlichkeit vorgestellt.

Variante 1: Eine neue vierzügige Gesamtschule wird durch Schließung und Umwandlung einer bestehenden Schule geschaffen. Als Gebäude käme dafür nur das Leichhardt-Gymnasium in Frage. Alle anderen Schulen wären zu klein. Die Sachsendorfer Oberschule stünde wegen zu geringer Nachfrage vor dem Aus. "Die Förderung von hör- und sprachgestörten Kindern würde entfallen", so Bildungsdezernent Berndt Weiße (parteilos).

Variante 2: Ein kompletter Schulneubau. Dieser würde laut Stadt mehr als zehn Millionen Euro kosten. Berndt Weiße: "Das ist für uns als Stadt nicht zu stemmen." Auch bei dieser Variante hätte die Sachsendorfer Oberschule keine Zukunft mehr, weil die Nachfrage nicht mehr vorhanden wäre. Mittelfristig drohe zudem die Schließung eines Gymnasiums. In diesem Falle wohl des Humboldt-Gymnasiums. Doch auch aus einem anderen Grund ist diese Variante wenig realistisch. Berndt Weiße: "Wir können keine neue Schule hinstellen und ein paar Hundert Meter weiter steht mit der Sachsendorfer dann eine sanierte Schule leer".

Variante 3: Kolkwitz treibt die eigenen Planungen für eine Gesamtschule voran. Wie diese von Cottbuser Eltern angenommen würde, sei Spekulation, so der Bildungsdezernent. Die Stadt müsste die Schülerbeförderung organisieren. Und es wäre mit Auswirkungen auf die Sachsendorfer Oberschule und ein Gymnasium zu rechnen.

Das Fazit des Dezernenten: "In Cottbus ist bereits jetzt das Angebot für alle Bildungsgänge da." Für die Stadt sei der Prüfauftrag damit abgeschlossen.

Wie geht es nun weiter? Bis zum Frühjahr sollen sich die Fraktionen zu den Ergebnissen der Untersuchung positionieren. Dann soll die Schulentwicklungsplanung fortgeschrieben werden.

"Der politische Druck auf uns Stadtverordnete ist da", erklärte Dieter Schulz (AUB/SUB) im jüngsten Bildungsausschuss. SPD-Fraktionschefin Lena Kostrewa betonte: "Ich bin froh, dass wir jetzt eine vernünftige Darstellung haben, mit der man weiterarbeiten kann."

Lothar Nagel (SPD) gab die Richtung für die nächsten Wochen vor: "Wir müssen jetzt völlig emotionslos schauen, was Sinn macht."

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