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Mehr Zeit für Blick auf fremde Galaxien

Peter Rahmfeld vorm Lernzentrum.
Peter Rahmfeld vorm Lernzentrum. FOTO: Ulrike Elsner
Cottbus. Peter Rahmfeld verabschiedet sich in den Ruhestand. 20 Jahre lang war der 63-Jährige Leiter der Volkshochschule Cottbus. Ulrike Elsner

Wer eine Volkshochschule leitet, ist ganz nah dran an der Lebenswelt der Leute, kennt die Ziele ihres Wissensdursts und aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft. Für Peter Rahmfeld galt das über 20 Jahre. Zum Monatsende tritt er seinen vorgezogenen Ruhestand an.

"In dieser Zeit haben sich riesengroße Wandlungen vollzogen", sagt der 63-Jährige über seine Amtszeit. Anfangs hatte die Volkshochschule ihr Domizil noch in der Bahnhofstraße. Im Jahr 2008 haben die Mitarbeiter (etwas versteckt gelegene) Büros im Rathaus bezogen. Wieder stärker wahrgenommen wird das kleine Team von den Cottbusern seit dem Jahr 2013.

Unter dem Slogan "Medien und Kurse aus einer Hand" arbeiten Volkshochschule und Stadt- und Regionalbibliothek unter einem Dach. "Das läuft sehr gut und bringt beiden Einrichtungen mehr Zulauf", stellt Peter Rahmfeld fest.

Allerdings müsste das Personal dringend aufgestockt werden. Die halbe Stelle, die zum 1. Oktober hinzukommt, um den Anforderungen der Flüchtlingsbildung besser gerecht zu werden, reiche nicht aus. Viereinhalb Stellen werden aus Sicht des scheidenden Chefs benötigt.

Mit den derzeit drei Mitarbeitern hat Cottbus im Vergleich mit den kreisfreien Städten Potsdam, Frankfurt (Oder) und Brandenburg die personell am schlechtesten ausgestattete Volkshochschule. Und die einzige ohne eigenes Haus. Doch das Programm kann sich sehen lassen.

130 Kurse aus sechs Themenfeldern sind im Angebot. Dank der Kooperation mit der Volkshochschule des Spree-Neiße-Kreises hat sich der Umfang des Programmheftes verdoppelt.

Auch wenn Peter Rahmfeld sein altes Team und die neue Leiterin für eine Übergangszeit stundenweise unterstützen will, hat er künftig viel mehr Zeit.

"Eine Weltreise ist aber nicht mein Ding", räumt der Lehrer für Mathematik, Physik und Astronomie ein, der über die 6. Polytechnische Oberschule, das Schulamt und das Schulverwaltungsamt, dessen stellvertretender Leiter er war, zur Volkshochschule gekommen ist.

Als deren Chef war ihm auch das Planetarium unterstellt, bis es im Jahr 2008 dem Förderverein übertragen wurde. Dessen Vorsitzender ist Peter Rahmfeld. Nach der Sanierung des Denkmals besuchen jährlich 20 000 Wissensdurstige das mit modernster Technik ausgestattete Haus am Cottbuser Lindenplatz.

"Astronomie ist und bleibt mein Hobby", stellt Rahmfeld klar. Zu Hause verfügt der 63-Jährige sogar über ein eigenes Teleskop. "Wenn ich ins Weltall gucke, schaue ich in die Geschichte zurück", schildert er die Faszination seines Hobbys. Dann zeigen sich die Galaxien im Zustand jener Zeit, als die Saurier über die Erde rannten. "Wer auf andere Welten schaut, guckt in die Vergangenheit der eigenen Welt", sagt der Naturwissenschaftler.

Um die faszinierendsten Bilder aus dem All festzuhalten, greift Peter Rahmfeld hin und wieder zu seiner Kamera. Die Fotografie ist eine weitere Leidenschaft des 63-Jährigen. Als Motive dienen ihm allerdings auch ganz irdische Landschaften.

Die Fotoausbeute der letzten Jahre soll nun geordnet, beschriftet und zu Diashows zusammengestellt werden. Langeweile dürfte angesichts so vielfältiger Interessen nicht aufkommen. Und vielleicht ist der ehemalige Chef ja demnächst auch in einem Volkshochschulkurs anzutreffen.