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| 06:31 Uhr

Immer öfter Attacken auf Verwaltungsangestellte
Bürger als Sicherheitsproblem

Ein externer Sicherheitsdienst ist auch im Cottbuser Rathaus im Einsatz (Symbolfoto).
Ein externer Sicherheitsdienst ist auch im Cottbuser Rathaus im Einsatz (Symbolfoto). FOTO: fotolia / New Africa
Cottbus. Der Angriff auf eine GWC-Mitarbeiterin ist kein Einzelfall. Immer häufiger werden Angestellte der Verwaltung beleidigt, angepöbelt und bedroht. Von Andrea Hilscher

Eine 61-jährige Frau wird krankenhausreif geprügelt, ohne Grund und äußeren Anlass. GWC-Chef Torsten Kunze ist erschüttert: „So etwas habe ich bisher noch nicht erlebt.“ Vor fünf Jahren sei ein Pförtner tätlich angegriffen worden, sonst aber sei derartige Brutalität eher unbekannt. „Was wir aber deutlich spüren, ist eine zunehmende Aggressivität gerade auch bei deutschen Mietern“, so Kunze. „Rotzige Pöbeleien, mangelnder Respekt vor Menschen und Eigentum nehmen zu.“ Deeskalationsschulungen der Mitarbeiter sollen Abhilfe schaffen, im Außendienst sind Männer und Frauen gemeinsam unterwegs, um Aggressionen abzubauen.

Auch die Stadt muss sich vermehrt auf problematische Kundschaft einstellen. Seit einigen Wochen ist im Bürgerservice im Technischen Rathaus  und bei der Kfz-Zulassung ein externer Sicherheitsdienst im Einsatz. Nebeneingänge, die noch vor Monaten offen zugänglich waren, werden nur noch während bestimmter Öffnungszeiten aufgeschlossen. In vielen Büros wurden kleinere bauliche Veränderungen vorgenommen, um räumlich Distanz zwischen Mitarbeitern und Besuchern zu schaffen, an einigen Stellen musste sogar für Spuckschutz gesorgt werden.

Stadtsprecher Jan Gloßmann will die einzelnen Maßnahmen nicht kommentieren, bestätigt aber, dass es in den vergangenen Monaten immer wieder Vorfälle gegeben habe, bei denen besonders ungeduldige oder unzufriedene Cottbuser ihr gutes Benehmen vergessen haben. „Jeden dieser Vorfälle werten wir aus und versuchen, uns so weit wie irgend möglich auf alle möglichen Situationen einzustellen, um die Mitarbeiter optimal zu schützen.“

Eine hundertprozentige Sicherheit aber gebe es nicht, so Gloßmann. Er betont, dass die zugespitzte Situation wie auch die durchgeführten Maßnahmen nichts mit der Zuwanderung der letzten zwei Jahre zu tun haben. „Die Aggressivität hat allgemein zugenommen. Manche alteingesessenen Cottbuser kommen mit dem Andrang oder den Wartezeiten nicht zurecht, andere sind mit Beschlüssen oder Verfahrensabläufen nicht einverstanden.“

Schwierig ist offenbar der Umgang mit Klienten, die zum wiederholten Mal aggressiv aufgetreten sind, die auch vor Bedrohungen nicht zurückschrecken. Jan Gloßmann: „Wir haben in derartigen Fällen auch Hausverbote ausgesprochen.“ Manchmal müssten aber auch diese Personen zur Abwicklung bestimmter Vorgänge den Bürgerservice besuchen. „Dafür haben wir Sonderregeln, die als aggressiv bekannten Cottbuser dürfen zum  Beispiel nur in Begleitung erscheinen“, so der Stadtsprecher.

Erst kürzlich hatte es einen Zwischenfall mit einem syrischen Asylbewerber im Stadtbüro gegeben. Der 23-Jährige war zur Klärung eines Anliegens dort und offensichtlich mit den Abläufen nicht einverstanden. Deshalb beleidigte und schubste er eine Angestellte der Stadtverwaltung, die daraufhin den Sicherheitsdienst informierte. Der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes verwies den Mann aus dem Büro. Dabei kam es zu einer Rangelei, in deren Verlauf der 58-Jährige durch Kopfstöße verletzt wurde. Ein 42 Jahre alter Mann kam zur Hilfe.

Der Syrer griff die beiden Männer mit weiteren Fußtritten an, wurde zu Fall gebracht. Alarmierte Polizeibeamte fixierten ihn und nahmen ihn in Gewahrsam. Weil er fortwährend versuchte, die Beamten zu bespucken, wurde dies durch einen Mundschutz verhindert. Der Wachschützer musste zum Arzt, der Hilfe leistende Besucher erlitt Schürfwunden an der Hand.

Den betroffenen Mitarbeiterinnen wurde psychologische Betreuung angeboten. „Wir haben den Fall intern genau betrachtet und ausgewertet“, sagt Jan Gloßmann. „Wir müssen unsere Sicherheitsvorkehrungen immer wieder aktualisieren und an die Erfordernisse anpassen.“ Es gäbe dazu viele Ansätze. Um aber die Wirksamkeit der Maßnahmen nicht zu schmälern, wolle man über Details nicht öffentlich sprechen.