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Medaillenregen für Gartenbauer

Bert von der Forst hat wenig Zeit, die Schönheit des eigenen Grundstücks zu genießen.
Bert von der Forst hat wenig Zeit, die Schönheit des eigenen Grundstücks zu genießen. FOTO: hil
Cottbus. Sie sind Gartengestalter aus Leidenschaft, doch ebenso wichtig wie das Arbeiten auf privaten Grundstücken ist ihnen die Planung und Umsetzung von Blumen- und Pflanzenschauen auf großen nationalen und internationalen Gartenschauen. "Ich selbst habe meine erste Halle 1985 gestaltet, meine Frau hat 1995 angefangen", erzählt der Cottbuser Bert von der Forst. Andrea Hilscher

Kaum eine bedeutende Gartenschau, auf der er mit seinem Gallinchener Betrieb nicht vertreten war. Seit Mitte April nun sorgen von der Forsts auf der Internationalen Gartenausstellung Iga in Berlin-Marzahn für die abwechslungsreiche Gestaltung einer 500-Quatratmeter-Halle. "Eine schöne Herausforderung", sagt der Cottbuser. "Die Halle spielt mit dem Thema "Meer". Es gibt das Schiff, Seegras, Wellen, ein Deck und eine Kombüse." Das alles muss in die Pflanzenschauen einbezogen werden. "Dazu kommen ungewöhnliche Höhenunterschiede", so Bert von der Forst. Die Pflanzen werden zum Teil in 30 Zentimeter Höhe arrangiert, andere Ebenen sind 150 Zentimeter hoch. "Der Besucher hat die Blumen also quasi auf Augenhöhe."

In den vergangenen Monaten haben die Gartenbauer in Berlin bereits ein Event auf der Grünen Woche gestaltet, die Eröffnungsschau der Iga gestaltet, eine Bonsai-Schau arrangiert und dann 13 000 Schnittblumen gesteckt, um das Thema "Rosen" möglichst wirkungsvoll in Szene zu setzen. "Da weiß man, was man getan hat", erzählt Bert von der Forst lachend. Ein Großteil der Rosen und Lilien kam aus Hamburg, 6000 Pfingstrosen wurden aus Erfurt angeliefert. Zehn Tage sollte die vergängliche Pracht die Besucher verzaubern, doch das Hallenklima setzte den zarten Schönheiten zu: Rund 3000 Blüten mussten nachgesteckt werden - natürlich auch das in einer Nachtaktion. Arrangement, Farbverläufe, Gesamtkonzeption - all das begeisterte die Fachjury und verhalf den Cottbusern zu einer "großen Goldmedaille", die längst von mehreren "kleinen" Gold- und Silbermedaillen der Iga-Jury umrahmt wird.

Aktuell ist das Cottbuser Team - bestehend aus Bert und Odette von der Forst sowie zwei Angestellten und freien Gärtnern und Floristen aus Berlin - mit dem Aufbau einer Fuchsienschau beschäftigt. Noch bis Oktober läuft die Iga in Berlin - und nach einem eher zögerlichen Beginn stimmen inzwischen offenbar auch die Besucherzahlen - bis Oktober rechnen die Veranstalter mit zwei Millionen Gartenfreunden auf der Iga. "Es ist schon ein ungewöhnlicher Anblick: Inmitten der Wohnscheiben von Marzahn taucht plötzlich diese Iga auf." Das diesjährige Motto "Ein Mehr aus Farben" wird auf einem 25 000 Quadratmeter großen Areal umgesetzt. Klingt beeindruckend, doch Bert von der Forst denkt längst daran, was auf seine Frau und ihn im kommenden Jahr zukommt: "Die Landesgartenschauen in Sachsen-Anhalt und in Wittstock werden uns 2018 beschäftigen, außerdem gibt es eine Anfrage für die Gestaltung der Blumenhalle der Grünen Woche." Ein Zuschlag - "das wäre schon ein Traum", sagt der Cottbuser.

Neben all den großen Leistungsschauen der Gärtner blickt er mit einem Auge stets auch auf das, was immer noch einen Großteil seiner Arbeit ausmacht: die Gestaltung von Privatgärten in der Region. Seit Jahren schon experimentiert er mit biologischen Düngern und umweltfreundlichen Insekten- und Unkrautvernichtern. "Wir arbeiten glyphosatfrei", sagt von der Forst und erzählt, dass er selbst den Buchsbaumzünsler in seinem eigenen Garten ohne Chemie bekämpft. "Man sieht zwar ein paar Fraßspuren, aber die Pflanzen überleben den Zünsler."

Seine Kunden freuen sich über den umweltfreundlichen Service - egal, ob sie fünf Hektar oder nur 150 Quadratmeter Grün vor der Haustür haben. Bert von der Forst: "Man kann auch die kleinste Fläche interessant gestalten." Sein Credo: "Man sollte nie mit einem Blick den ganzen Garten einsehen können." Hecken, versteckte Sitzecken und ungewöhnliche Blickachsen machen neugierig und laden zum Erkunden ein."