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| 18:01 Uhr

Elternhaus der Lausitz
Wie ein zweites Zuhause

Dagmar Poscharnig (r.) und Annemarie Wustmann am Frühstücksbüfett mit Sabine Mattuschka und ihrem Söhnchen Johann.
Dagmar Poscharnig (r.) und Annemarie Wustmann am Frühstücksbüfett mit Sabine Mattuschka und ihrem Söhnchen Johann. FOTO: Ida Kretzschmar
Cottbus  . Im Mai vor 15 Jahren wurde in Cottbus das Elternhaus der Lausitz eröffnet. Ein Ort, an dem Familien schwer kranker Kinder Atem schöpfen können. Von Anfang an sorgen zwei Frauen dienstags ehrenamtlich für ein Verwöhnfrühstück: Dagmar Poscharnig und Annemarie Wustmann. Von Ida Kretzschmar

Es duftet nach Kaffee und frischen Brötchen. Erdbeeren leuchten verlockend auf dem Frühstückstisch neben goldgelbem Imkerhonig und selbst gerührter Marmelade. Wie jeden Dienstag seit nunmehr 15 Jahren haben Dagmar Poscharnig und Annemarie Wustmann das Verwöhnfrühstück im Elternhaus für die Lausitz zubereitet.

Sie  sind seit 2003 für die Familien mit schwer kranken Kindern im Ronald McDonald Haus Cottbus da. „Auf die beiden Frauen ist einfach Verlass – in jeder Hinsicht. Im Kontakt mit den Familien sind sie einfühlsam und bringen das nötige Fingerspitzengefühl mit. Unaufdringlich, mit sehr viel Verständnis und immer mit aufmunternden Worten sowie stets gut gelaunt verbreiten beide eine warme Atmosphäre im Haus“, weiß die Chefin des Hauses, Sibylle Stahn die ehrenamtliche Arbeit zu schätzen.

Insgesamt unterstützen 25 Frauen und Männer drei Stunden in der Woche ehrenamtlich das Haus-Team. Sie kümmern sich zu unterschiedlichsten Zeiten um die Familien, die im Elternhaus der Lausitz so lange ein Zuhause auf Zeit finden, wie ihr krankes Kind auf der Kinderstation des Carl-Thiem-Klinikums stationär behandelt werden muss.

Die Jüngsten im Ehrenamt sind Abiturienten. Dagmar Poscharnig ist mit 77 Jahren die Älteste. „Ich komme aus dem medizinischen Bereich. Viele Jahre habe ich im Blutspendewesen gearbeitet. Als ich 2002 in Rente ging, wollte ich noch etwas tun. Ich fühle mich doch fit“, sagt sie. Ihre einzige Enkelin arbeitet weit weg in Afrika. So genießt sie hier das Zusammensein mit den Kindern und jungen Familien. „Du arbeitest umsonst?“ wurde sie anfangs von einigen Cottbusern angesprochen. „Sie haben gar nicht verstanden, wie viel Spaß das macht, diesen Zusammenhalt im Haus zu spüren und Eltern, die so viel Sorgen haben wegen der Krankheit ihrer Kinder, etwas zu geben, was ihnen den Alltag leichter macht“, sagt die 77-Jährige. „Man spürt, die beiden sind mit dem Herzen dabei“, sagt Sabine Mattuschka aus Drebkau, die häufig Gast im Elternhaus ist. Heute ist sie mit dem kleinen Johann zum Frühstück gekommen. Gerade mal neun Wochen alt muss er sich einer Nierensonografie im Klinikum unterziehen. Vorsichtshalber. Sein Bruder Maximilian kam mit Nieren- und Atemproblemen zur Welt. „Im seinem ersten Lebensjahr waren wir sehr oft hier“, berichtet die Mutter. Damals war sie völlig erledigt. Der heute achtjährige Sohn ist inzwischen gut medikamentös eingestellt, die Familie kommt zurecht, auch wenn Maximilian mit einer chronischen Krankheit leben muss. „Wie damals tut mir diese liebevolle Aufnahme im Haus sehr gut. Zum Frühstück einfach mal bewirtet zu werden, verscheucht für einen Augenblick die Sorgen“, sagt die junge Mutter.

Auch Stephanie Feigl aus Werenzhain sitzt an diesem Morgen mit ihrer Tochter Sina am Frühstückstisch. Die Sechsjährige leidet am Rett-Syndrom, eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die auch mit epileptischen Anfällen verbunden sein kann. Das Mädchen braucht rund um die Uhr Betreuung. Deshalb freut sich die Mutter über die Möglichkeit, zwischendurch im Elternhaus auch ein wenig zur Ruhe zu kommen. „In der Klinik bin ich immer mit am Start, stehe die ganze Zeit unter Hochspannung. Hier aber können wir uns auch mal zurückziehen, einfach miteinander im Zimmer kuscheln.“

Oder eben in Ruhe frühstücken.  Hier könne man auch mit anderen Eltern reden, sich über die Sorgen austauschen, miteinander lachen. „So wie bei einem Sonntagsfrühstück ganz in Familie“, freut sich Annemarie Wustmann über den Appetit der Elternhausgäste. Vieles, was hier auf den Tisch kommt, wird gesponsert: Von den Brötchen bis zu den Blumen. Auch die 74-Jährige  wollte, als die Rente anstand, noch etwas Sinnvolles tun und meldete sich wie Dagmar Poscharnig auf einen Artikel in der RUNDSCHAU als eine der ersten Ehrenamtlichen im Elternhaus für die Lausitz. „Seit Anfang an gehören wir dazu. Es ist wie ein zweites Zuhause. Nach so vielen Jahren kennt man viele Familien. Und es ist schön, wenn man die Kinder aufwachsen sieht“, sagt die ehemalige Technische Zeichnerin. Ihre eigenen Kinder und Enkel leben weit entfernt in den alten Bundesländern.

Auch wenn die beiden dienstags immer schon zeitig aus den Federn müssen, weil das Frühstücksbüfett  schon um sieben bestückt sein soll, sind sich beide Frauen einig: „Es wärmt einem selbst das Herz, wenn man die Freude der Familien sieht.“

Am 1. Mai 2003 wurde das Ronald Mc Donald „Elternhaus  für die Lausitz“ eröffnet. Die Baukosten für das von der  McDonald`s Kinderhilfe betriebene Haus in Höhe von 1,7 Millionen Euro wurden überwiegend durch Spenden erbracht. 
Am 1. Mai 2003 wurde das Ronald Mc Donald „Elternhaus  für die Lausitz“ eröffnet. Die Baukosten für das von der  McDonald`s Kinderhilfe betriebene Haus in Höhe von 1,7 Millionen Euro wurden überwiegend durch Spenden erbracht.  FOTO: Michael Helbig