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Mauern bröckeln lassen

Weit zurück, 56 Jahre, liegt dieser andere Sonntag. Jener 13. August, an dem sich die DDR eingemauert und endgültig der Freiheit und Weltoffenheit abgesagt hat. Hinter uns liegt diese Zeit. Freiheit und Weltoffenheit, diese wunderbare Chance zur Entfaltung, zum Wachsen und Reifen kann uns in Deutschland Alltag sein.

Und doch: Mauern und Gräben zwischen Menschen - das geht durch die Zeiten. Staaten grenzen sich bewusst voneinander ab, Menschen erleben Ausgrenzung, Menschen werden abgewiesen.

Sichtbare und unsichtbare Mauern bestimmen leider auch unseren Alltag. Immer noch - in Deutschland und weltweit.

In der DDR-Zeit habe ich (und nicht nur ich!) ein Wort aus einem biblischen Gebet mit ganz eigenen inneren Augen und Ohren wahrgenommen: "Mit meinem Gott springe ich über Mauern" (Psalm 18, 30 b). Wortwörtlich verstanden habe ich dieses Wort nicht. Ganz gewiss nicht! Aber der Glaube und das Vertrauen, mit Gottes Hilfe kann vermeintlich Unmögliches vielleicht doch wahr werden, diese hoffnungsvolle Zuversicht ist in mir lebendig. Damals und heute auch. Stationen meines Lebens halten mir vor Augen: Mein Vertrauen kann Früchte tragen, auch wenn manches nicht so wie erhofft und erbeten sein mag. Die Mauer des 13. August 1961 ist weg. Meine Großeltern habe ich dennoch nicht mehr sehen können . . . Freude und Trauer zugleich . .

Vertrauen, das Zutrauen, der/die Andere ist ein Mensch wie ich, mit Sehnsucht nach freier Entfaltung, nach freiem Wachsen und Reifen - solch ein Vertrauen kann Mauern zwischen Menschen zum Bröckeln bringen.

Vertrauen in Gott und in Menschen - das kann schon etwas bewegen.

Tag für Tag neu kann ich Vertrauen lernen und es wagen; frei und offen für die Welt, meine Welt, in der ich lebe.