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| 19:50 Uhr

Kultur
Die Verheißung der Regenzeit

Matthias Körner vor seinem großformatigen Bild „Das Tier auf dem Seil“.
Matthias Körner vor seinem großformatigen Bild „Das Tier auf dem Seil“. FOTO: Elsner / LR
Cottbus. Der Cottbuser Maler Matthias Körner stellt im Haus 23 in der Marienstraße aus. Von Ulrike Elsner

Im Oktober 2017 hat der Kunst- und Kulturförderverein Cottbus die Schließung  der Galerie Haus 23 für den Herbst 2019 angekündigt.  Genau 30 Jahre nach Galerieeröffnung soll also Schluss sein. An diesem Vorsatz hat sich vorerst  nichts geändert. Doch bis dahin, so das Versprechen der Galerie-Betreiber, dürfen sich die Kunstfreunde noch auf anderthalb Jahre reger und anregender Ausstellungstätigkeit freuen.

Die nächste Ausstellung, die am  Freitag, 9. März, eröffnet wird, könnte dem Anspruch der in die Jahre gekommenen  Vereinsmannschaft kaum besser gerecht werden. Die hatte nämlich einen Abgang mit Pauken angekündigt. Und ein Paukenschlag ist Matthias Körners Ausstellung „Regenzeit“ allemal.  Der Cottbuser Maler und Grafiker, selbst Gründungsmitglied und langjähriger Vereinsvorsitzender, zeigt unter dem Titel „Regenzeit“ eine Serie von Hinterglasbildern, Ölmalereien und Intagliotypien (eine spezielle Drucktechnik).

Inspiriert haben den Cottbuser, der sich nach anderthalbjähriger Schaffenspause erstmals wieder mit neuen Bildern präsentiert, regelmäßige Reisen ins ostafrikanische Uganda, wo er im Verlauf von mehr als 20 Jahren eine zweite Heimat gefunden hat. Bis heute pflegt Matthias Körner  enge Kontakte zu afrikanischen Künstlerkollegen und spricht voller Begeisterung über das ursprüngliche und dabei  so kraftvolle Leben auf dem schwarzen Kontinent.

Besonders fasziniert zeigt sich der Maler von der Regenzeit, ihrer Energie und Ambivalenz. „Einerseits ist der Regen eine Bedrohung, vor allem für die Leute, die auf sumpfigem Gebiet leben“, sagt Körner. „Andererseits sind damit Hoffnung, Verheißung und Wiedergeburt verbunden.“ Plötzlich sprieße überall frisches Grün. Außerdem sieht der Künstler die Regenzeit als „eine Metapher für den Zustand der Welt“, den er als „nicht enden wollenden Dauerregen“ wahrnimmt. Doch der Regen habe auch „etwas Reinigendes“, das den Boden für Neues bereitet.

„Das Tier auf dem Seil“, eine Ölmalerei im 3-mal-2,20-Meter-Format, empfängt den Betrachter im unteren Ausstellungsraum. Es ist erst vor zwei Wochen fertig geworden und damit vorläufiger Höhepunkt einer im Januar begonnenen intensiven Arbeitsphase des Künstlers. Mit dem Tier ist dem Maler eine Stufe der Abstraktion gelungen, durch die sich  eine Tür zu einer neuen Schaffensphase öffnen könnte.

Auch neue Farben haben Einzug gehalten. Neben viel und meist großflächigem Grau zeigt sich immer wieder ein ganz besonderes   Grün. Auf den Hinterglasbildern hingegen dominieren schwarze Untergründe. Diese Bilder seien zwar düster, räumt der Künstler ein, „aber nicht ohne Licht“.

Und tatsächlich: Gelb, Rot oder Weiß könnten kaum schöner leuchten als in den Werken dieser Ausstellung. „Schneeregen“ heißt ein besonders eindrucksvolles Hinterglasbild, auf dem der Niederschlag in der einen und der anderen Form aus quallenähnlichen Wolken tritt.

Auch vom „Lausitzer Landregen“ und der „Spreeaue im Regen“ hat der Maler sich und uns ein Bild gemacht. Selbst die Drucke, allesamt ältere Arbeiten, ordnen sich dem Ausstellungsthema unter. Da tummeln sich ein „Schwein im Regen“ neben einem „Hund im Gleisbett“. Doch der Fokus liegt auf der Malerei, mit der für den  63-Jährigen gerade eine neue Schaffensphase zu beginnen scheint.