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Massives Polizei-Aufgebot bei Demos in Cottbus

Rund 400 Menschen waren für ein weltoffenes Cottbus auf der Straße. Für "dichte Grenzen" waren ebenfalls rund 400 Leute unterwegs.
Rund 400 Menschen waren für ein weltoffenes Cottbus auf der Straße. Für "dichte Grenzen" waren ebenfalls rund 400 Leute unterwegs. FOTO: mih1
Cottbus. Die Innenstadt war gestern Abend ab etwa 19 Uhr buchstäblich und im übertragenen Sinn in zwei Hälften geteilt. Im Bereich Brandenburger Platz/Stadthalle demonstrierte ein breites Bürgerbündnis für eine weltoffene Stadt, die jedem Menschen die Suche nach Freiheit und Lebensglück ermöglicht. hil

Gleichzeitig trafen sich am Oberkirchplatz bereits zum dritten Mal die Unterstützer der Bürgerinitiative "Zukunft Heimat", die mit einer Mischung aus NPD-Slogans und Sprüchen der früheren Studentenbewegung forderten, dass Grenzen geschlossen werden. Ein massives Aufgebot der Polizei sorgte dafür, dass beide Demos - jede mit rund 400 Teilnehmern - sich nicht begegneten.

Die Initiative "Zukunft Heimat" aus Golßen im Spreewald hatte bereits zweimal in Cottbus zu Versammlungen aufgerufen. Auch dieses Mal sagte Gastredner Siegfried Däbritz (Pegida Dresden): "Es ist gut, dass wir einen Anker setzen zwischen Dresden und Berlin." Als Hauptrednerin ließ sich Birgit Bessin, Landtagsabgeordnete der AfD, beklatschen, später forderte "Zukunft Heimat"-Chef Christoph Berndt eine "geistige Erneuerung der Eliten". Bei seinem Marsch durch die Innenstadt wurden im Demonstrationszug bekannte NPD-Slogans skandiert ("Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen"), auch der altbewährte Demo-Spruch "Bürger, lasst das Glotzen sein, kommt herunter, reiht Euch ein" kam zur Geltung. Alles bejubelt von Sachsen und Brandenburgern, die allen Schattierungen des rechten und rechtsextremen Spektrums zuzuordnen sind.

Als Gegendemonstration und Statement für eine tolerante Stadt waren unter dem Motto "Cottbus für alle - No Pegida" zeitgleich rund 400 Cottbuser unterwegs: Vertreter von Cottbus Nazifrei und dem Cottbuser Aufbruch, zahlreiche Stadtverordnete, Pfarrer, Studenten, Familien. Luise Meyer (Cottbus Nazifrei): "Cottbus darf nicht zum Fixpunkt der Rechten werden, dafür müssen wir uns einsetzen." Immer wieder wurde an diesem Abend die "Cottbuser Erklärung" von 2015 bekräftigt. Hierin hatten unter anderen der Oberbürgermeister Holger Kelch und der BTU-Präsident Jörg Steinbach das Bild einer offenen Stadt gezeichnet, die sich gegen ausländerfeindliche Übergriffe oder Diskriminierungen wehrt.

Nach Auskunft der Polizei verliefen beide Demonstrationen bis Redaktionsschluss friedlich.