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| 01:05 Uhr

Massive Unzufriedenheit mit Kommunalpolitik in Cottbus

Hochgradige Unzufriedenheit der Cottbuser mit der Leistung der Stadtverordneten, der Stadtverwaltung und vor allem mit Oberbürgermeisterin Karin Rätzel spricht aus einer Studie, die gerade vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Fachhochschule Lausitz (FHL) erarbeitet wird. Sie soll Ende August vorgelegt werden. Thema der Analyse ist das Einkaufsverhalten der Cottbuser. Vorab erhielt die RUNDSCHAU einige Ergebnisse zur Kommunalpolitik. Von Klaus Alschner

Insgesamt 752 Bürgerinnen und Bürger mit Wohnsitz in Cottbus ließ Professor Dr. Jürgen Tauchnitz für die repräsentative Studie befragen. Mit einem Anteil von 57 Prozent gaben deutlich mehr als die Hälfte an, unzufrieden mit der Oberbürgermeisterin zu sein. Nur 15 Prozent sind zufrieden. Die Leistung der Stadtverordneten stellt nur 13 Prozent der Befragten zufrieden. 48 Prozent sind unzufrieden. Die Stadtverwaltung kommt auf 16 Prozent zufriedene Befragte, 46 Prozent sind unzufrieden.
Als weiteres Vorab-Ergebnis teilte Professor Tauchnitz mit, dass 91 Prozent der Befragten sich für den Erhalt der Cottbuser Straßenbahn aussprachen, unter den regelmäßigen Nutzern öffentlicher Verkehrsmittel waren es sogar 100 Prozent. Ganze zwei Prozent jener Befragten, die keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, sprachen sich ausdrücklich gegen den Erhalt der Straßenbahn aus.
„Wenn jemand insgesamt mit der Kommunalpolitik unzufrieden ist, dann drückt sich das auch in Unzufriedenheit mit den Politikern aus“ , sagte Professor Tauchnitz zu den schlechten Resultaten für die Politik. Ein allgemeiner „Frust“ mit der Situation in Cottbus übertrage sich auf die Personen. Die Ergebnisse zeigen nach Tauchnitz' Worten auch einen deutlichen Zusammenhang zwischen Schulabschluss beziehungsweise Erwerbstätigkeit und der Zufriedenheit: „Je höher der formale Bildungsgrad, desto größer die Unzufriedenheit mit der Cottbuser Kommunalpolitik - und Berufstätige oder Arbeitslose sind häufiger mit der Cottbuser Kommunalpolitik unzufrieden als Nicht-Berufstätige und Ruheständler.“
Bei der Studie handelt es sich nicht um eine Auftragsarbeit, sondern um ein eigenes Forschungsprojekt der Fachhochschule Lausitz, erklärte Tauchnitz. Anstoß zu der Analyse gab eine Idee des Cottbuser Kaufhof-Chefs Kai Dierks, der vorgeschlagen hatte, das Einkaufsverhalten der Cottbuser wissenschaftlich zu ergründen. Indus trie- und Handelskammer, Einzelhandelsverband, Marketing-Club und Kaufmännisches Oberstufenzentrum wurden einbezogen.
Dass im Zusammenhang mit dem Einkaufsverhalten auch nach der Zufriedenheit mit der Kommunalpolitik gefragt wurde, bezeichnete Tauchnitz als nahe liegend. Schließlich gebe es politische Entscheidungen, die Einfluss auf die Belebung der Cottbuser Innenstadt hätten.
Die Stadt Cottbus als Wohnort erhält nach einem Ergebnis der Studie weitaus bessere Noten als die Kommunalpolitik. 43 Prozent der Befragten sind nach Angaben von Tauchnitz mit Cottbus als Wohnort zufrieden, 39 Prozent maßen ihrer Stadt als Wohnort einen mittleren Zufriedenheitswert zu. 18 Prozent sind unzufrieden.
Professor Tauchnitz bejahte die Frage, ob den Einschätzungen der Kommunalpolitik nicht eine Untersuchung der Ursachen für die massive Unzufriedenheit folgen müsste. Eine derartige Ursachenforschung sei allerdings schwierig. Dafür fehlten der FHL Zeit und Geld. Das Ergebnis könnte aber als Anstoß für die Kommunalpolitiker dienen, sich über die Bewertung Gedanken zu machen.