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Martin Schüler will den "Fidelio" im Zuchthaus Cottbus aufführen

Martin Schüler, Intendant des Cottbuser Staatstheaters, inszeniert "Fidelio" erstmals in einem ehe maligen Zuchthaus.
Martin Schüler, Intendant des Cottbuser Staatstheaters, inszeniert "Fidelio" erstmals in einem ehe maligen Zuchthaus. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Bis zu 300 Sänger könnten als Gefangenenchor an den vergitterten Fenstern stehen. Zwei Panzer werden in die Szenerie fahren. Die Suche nach einem Meistertenor läuft. Nachdem der Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes im Juni 270 000 Euro für das "Fidelio"-Projekt des Menschenrechtszentrums in Cottbus bewilligt hatte, legte die Ostdeutsche Sparkassenstiftung am Dienstag noch einen großen Betrag drauf. Annett Igel

Die halbe Million, die das Menschenrechtszentrum und das Cottbuser Staatstheater für das Projekt brauchen, ist damit fast gesichert. Und Sylvia Wähling, die geschäftsführende Vorsitzende des Menschenrechtszentrums, ist ihrem Traum ganz nahe. Der neue Standort der Zuchthaus-Gedenkstätte in der Bautzener Straße bietet so viele Möglichkeiten. Nach einer Freiluftaufführung der Verdi-Oper "Nabucco" 2010 in der Gedenkstätte der Deutschen Teilung in Marienborn wollte sie so ein Ereignis auch für Cottbus haben. 2014 soll das mit Beethovens Freiheitsoper "Fidelio" gelingen.

"Die Gitter vor den Fenstern, die gruseligen Gänge, die erhaltenen Tore" - Martin Schüler glaubt nach der ausgiebigen Besichtigung an das Projekt. Und Generalmusikdirektor Evan Christ soll auch schon dafür brennen. Die Hauptbühne wird vorm großen Backsteingebäude stehen, davor kommt der Orchestergraben. Eine Kerkerszene ist im zweiten Akt geplant - und wird mit einem Trick zu den Zuschauern gebracht, sodass sie auf ihren Plätzen bleiben können. Zwei Panzer sind organisiert. Und weil die Chorsänger des Staatstheaters nicht reichen werden, bittet Schüler Chöre der Region um Hilfe. "250 bis 300 Sänger dürfen es sein, die an den Gittern stehen - Frauen wie Männer", sagt Martin Schüler.

Es ist übrigens Schülers dritte "Fidelio"-Inszenierung. Beethoven schrieb die Oper 1805/06. Dass die Zensur damals einige aktuelle Anspielungen strich, macht die Oper heute zeitlos, es kann viel hineininterpretiert werden. Das Cottbuser Zuchthaus, das 1860 eröffnet wurde, erzählt schließlich auch nicht nur DDR-Gefängnis-Geschichte.

In nerhalb zweier Freiheits- und Demokratiefestwochen vom 28. Juni bis 12. Juli 2014 soll "Fidelio" sieben Mal auf dem Zuchthausgelände zu Aufführung kommen und jeweils Platz für 1000 Besucher bieten. Dabei sein will Ewald Mildner. Er war Mitte der 60er-Jahre hier nach einer missglückten Republikflucht inhaftiert. "Ich kenne die Oper, ja, aber ich bin trotzdem sehr gespannt. Das Gefängnis hier spricht einfach seine eigene Sprache", sagt der 69-Jährige .