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Margarete Schahn

Cottbus.. Nicht einmal ein Jahr war Margarete Schahn Bürgermeisterin bzw. Oberbürgermeisterin von Cottbus, die erste Frau als Stadtoberhaupt in der Cottbuser Geschichte überhaupt. pr

Im August 1953 wurde sie von den Stadtverordneten gewählt, im Juni 1954 nach mancherlei Kritiken „von oben“ veranlasst, ihren Posten zu räumen.
Als Tochter eines Landwirts wurde sie am 30. Mai 1903 in Forst geboren. Die gelernte Damenschneiderin arbeitete viele Jahre in Forster Tuchfabriken. Wegen Hochverrats und Spionage - sie hatte mit ihrer Meinung zum Hitlerregime und seinen Verbrechen nicht hinter dem Berg gehalten und wurde deswegen denunziert - wurde sie im März 1945 verurteilt, ins Frauenzuchthaus Cottbus geworfen und kam mit dem Einmarsch der Roten Armee frei. 1949 ist sie Kreissekretär des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD) in ihrer Heimatstadt, wird 1949 in den Brandenburger Landtag gewählt. 1952 wird sie als Vorsitzende des Rates des Kreises Forst berufen. In jenen ereignisreichen Aufbaujahren wurden Funktionen rasch gewechselt: Am 4. August 1953 wird sie auf Vorschlag der SED von den Stadtverordneten in Cottbus zur Bürgermeisterin gewählt, im März 1954 zur Oberbürgermeisterin. In den 11 Monaten ihrer Amtszeit wurden 13 Kriegsruinen zu Wohnungen ausgebaut, 39 Eigenheime in der Branitzer Siedlung errichtet, 24 Neubauwohnungen in der Straße der Jugend übergeben. Ein kommunaler VEB Nasspresssteine (gepresste Rohkohle zur Feuerung) und eine Trockenbatteriefabrik wurden gegründet, 34 HO- und Konsumläden für Früh- und Spätverkauf eröffnet, 29 Sanitätsstellen und ein Betriebsambulatorium eingerichtet, 29 Kilometer Straßen befestigt, Behörden in der neu errichteten Barackenstadt untergebracht und die Pioniereisenbahn eingeweiht.
1954 fand der erste Karnevalsumzug (mit kritischen Hinweisen an den Rat) durch Cottbus statt. Der Vorsitzende des Rates des Bezirkes, Manneberg, begründete vor den Ratsmitgliedern, dass Leitungsschwächen die rasche Entwicklung von Cottbus zur Bezirksstadt behindern würden. Am 31. Juli 1954 wurde als Margarete Schahns Nachfolger Herbert Bomski gewählt. Margarete Schan kehrte nach kurzer Tätigkeit beim Rat des Bezirkes in ihre Heimatstadt Forst zurück, wo sie von 1958 bis 1962 als 1. Stellvertreter des Kreisratsvorsitzenden und danach als Kreisvorsitzende der Nationaln Front arbeitete.
Sie starb fast 93-jährig am 11. April 1996 in einem Altenpflegeheim in Cottbus. (hhk)