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"Mann, ist das schön hier"

Die Klosterkirche, das älteste Gebäude der Stadt, wurde 2005 saniert und bezauberte mit ihrem einmaligen Flair ebenso wie mit Musik von Cello und Mandoline.
Die Klosterkirche, das älteste Gebäude der Stadt, wurde 2005 saniert und bezauberte mit ihrem einmaligen Flair ebenso wie mit Musik von Cello und Mandoline. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Als Baudezernentin und Bürgermeisterin ist Marietta Tzschoppe von Amts wegen zur Heimatliebe verpflichtet. Trotzdem spürt man: Ihr Ausruf "Mann, ist das schön hier" kommt von Herzen. Andrea Hilscher

Zur Eröffnung der inzwischen 14. Modellstadterkundung konnte Tzschoppe vor mehr als 500 Besuchern eine stolze Erfolgsbilanz vorlegen.

Das größte Sanierungsgebiet Deutschlands im Rahmen des Modellstadtprojektes hat seit 1992 in vielfacher Hinsicht profitiert: 360 Gebäude sind inzwischen saniert, 80 Neubauten errichtet, 30 öffentliche Gebäude hergerichtet und 130 Straßen sowie 50 Grünanlagen auf Vordermann gebracht. Dafür flossen 81,6 Fördermillionen von Stadt, Land und Bund ins Sanierungsgebiet. Marietta Tzschoppe: "Und wir gehen davon aus, dass jeder geförderte Euro sieben Euro an Investitionen nach sich zieht." Seit Beginn der Maßnahmen ist die Einwohnerzahl der Innenstadt um 25,2 Prozent gestiegen - "ein Erfolg unserer Arbeit", so die Dezernentin. Ausgewählte Beispiele dieser Arbeit konnten die Gäste bei der gestrigen Stadterkundung erleben. Am soliden Schuhwerk, den wetterfesten Jacken und fast professionellen Kommentaren outeten sich viele Teilnehmer als Stammgäste der Erkundungsgänge. Einige von ihnen sind schon seit Jahren regelmäßig dabei - und lernen dennoch immer wieder dazu.

Auf der ersten Entdecker-Station des Abends führte Gabriel Zinke, Leiter des Konservatoriums, die Besucher persönlich durchs Haus, plauderte über Sanierungsmaßnahmen und Denkmalschutz, über die jüngsten Erfolge seiner Schüler und die Mühen der harten Arbeit, ohne die ein solcher Erfolg nicht zu haben sei. "Das haben die Lehrer schon zu unserer Zeit erzählt", flüsterte ein Rentner lächelnd, bekam gleich von mehreren Seiten Zustimmung. Offenbar hatten viele Ehemalige die Chance genutzt, das über 21 Jahre hinweg mühsam sanierte Gebäude an der Puschkinpromenade zu besichtigen.

Nur einen kurzen Fußweg entfernt wartete ein ganz anderes Sanierungsprojekt auf die Besucher: Im Wendischen Viertel wies GWC-Chef Torsten Kunze auf die Beliebtheit der ungewöhnlichen Plattenbauten hin, gab aber auch zu: "Sie stehen jetzt gute 30 Jahre und es wird Zeit, dass hier etwas getan wird." Da das komplette Areal unter Denkmalschutz steht, hat die Gebäudewirtschaft eine Architektengruppe beauftragt, ein entsprechendes Sanierungskonzept zu entwickeln. Ob dafür noch Modellstadtmittel fließen, ist ungewiss. Das Projekt soll 2018 auslaufen.