| 02:32 Uhr

Mangel und Überschuss am CTK

In einem Keller eines im Bau befindlichen Gebäudeteils des Carl-Thiem-Klinikums-Cottbus (CTK) haben in der Nacht zum Mittwoch Spanplatten gebrannt. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot vor Ort.
In einem Keller eines im Bau befindlichen Gebäudeteils des Carl-Thiem-Klinikums-Cottbus (CTK) haben in der Nacht zum Mittwoch Spanplatten gebrannt. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot vor Ort. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Götz Brodermann, Geschäftsführer des Carl-Thiem-Klinikums, führt das Haus seit über einem Jahr – und legt nun einen Jahresabschluss vor, der sich sehen lassen kann: 6,2 Millionen Euro Überschuss für 2016, eine derart gute Bilanz hat es am CTK lange nicht gegeben. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten sprach Brodermann über die wirtschaftliche Entwicklung des Klinikums, die nach mauen Jahren jetzt erstmals das Niveau von 2011 überholt. Andrea Hilscher

Das erwirtschaftete Geld wird vollständig in die Bereiche Infrastruktur, Bau und Medizintechnik investiert. Brodermann: "Wir wollen weiter wachsen - aber nicht durch neue Betten." Vielmehr sei die Strategie des Hauses auf Stärkungen im Bereich der Schwerpunktversorgung ausgerichtet. "Wir haben unseren Umsatz nicht durch die Behandlung von mehr Patienten gesteigert - ihre Zahl liegt stabil bei rund 100 000 - sondern dadurch, dass wir schwerere Erkrankungen behandelt haben", so der Geschäftsführer.

Seine Strategie hat allerdings einen entscheidenden Haken: Um sie umzusetzen, braucht Brodermann Personal. Und das fehlt schon jetzt an allen Ecken und Enden. Derzeit sind zehn Prozent der Ärztestellen am Klinikum unbesetzt. Beim Pflegepersonal zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab: An der Medizinischen Schule in Cottbus sind aktuell rund hundert Ausbildungsplätze unbesetzt. "Dabei brauchen wir dringend Nachwuchs", so Brodermann. 20 Prozent seiner Pflegekräfte gehen in den nächsten Jahren in Rente. "Und wir können nicht davon ausgehen, dass junge Leute, die woanders ausgebildet wurden, zu uns nach Cottbus kommen."

Dabei sei schon jetzt absehbar, dass der Bedarf an stationärer Versorgung wächst: Immer mehr Menschen werden immer älter, leiden dabei zeitgleich an mehreren Krankheiten.

Das Klinikum dreht an verschiedenen Stellschrauben, um die Situation zu verbessern: Als Lehrkrankenhaus der Berliner Charité kommen heute bereits 20 statt früher fünf angehende Ärzte im Tertial für ihr praktisches Jahr nach Cottbus. Von ihnen bleibt erfahrungsgemäß die Hälfte auch später in der Region. Ebenso wichtig: die Aus- und Weiterbildung ausländischer Mediziner. Sie werden am CTK über sechs Monate hinweg fachlich und sprachlich fit gemacht für die Arbeit am Patienten. Götz Brodermann: "Vier Kollegen haben wir auf diese Weise bereits zu Approbation gebracht, zehn Mediziner durchlaufen gerade das Programm." Insgesamt liegt der Ausländeranteil unter den Ärzten am CTK aktuell bei 25 Prozent.