Ein Vorschlag der SPD-Fraktion sorgt für Wirbel: Der neu gestaltete Bahnhofsvorplatz in Cottbus soll den Namen Dr. Manfred Stolpe Platz erhalten. Prompt wird im Hauptausschuss darüber diskutiert. Torsten Kaps (AUB/SUB) fordert beispielsweise eine offene Diskussion, bei der auch andere Vorschläge eingereicht werden können. Jörg Schnapke (CDU) verweist darauf, dass der Verkehrsknotenpunkt für die Cottbuser wirklich ein „sehr wichtiger Platz“ sei.

Die SPD selbst stellt schriftlich den Antrag, „in Würdigung seiner Leistung für unsere Stadt und in Erinnerung an einen großartigen Menschen“ den Bahnhofsvorplatz einschließlich des Bahnhofsgebäudes (derzeit Vetschauer Straße 70) in Dr. Manfred Stolpe Platz 1 umzubennen.

In der Begründung verweisen die Sozialdemokraten auch auf den Nachruf des Oberbürgermeisters Holger Kelch (CDU) nach dem Tod des ersten Brandenburger Ministerpräsidenten am 29. Dezember 2019. Darin betonte Kelch, das Manfred Stolpe einen „überaus großen Anteil“ daran habe, dass sich Cottbus „zu einem wichtigen Standort für Behörden und Dienstleister“ entwickeln konnte. Kelch weiter: „Anerkennend sprach er in dieser Zeit angesichts der Gründung der BTU, der Bundesgartenschau 1995 und der Stadtentwicklung oft von der heimlichen Hauptstadt des Landes“.

Wie läuft die Umbenennung in Cottbus?

Für die Umbenennung von Straßen und Plätzen gibt es jedoch ein genormten Verfahren. „Jeder kann Vorschläge machen“, sagt Bürgermeisterin Marietta Tzschoppe. Diese müssen anschließend öffentlich bekannt gegeben werden, damit auch die Bürger Gelegenheit haben, ihre Meinung dazu abzugeben. Zwingend seien darüber hinaus ein Stadtverordnetenbeschluss sowie die Aufnahme ins Orts- und Satzungsrecht.

In der Stadtverwaltung gibt es im Fachbereich Geoinformation und Liegenschaftskataster sogar eine Arbeitsgruppe Straßennamen. Hier werden bedeutende Persönlichkeiten der Stadt auf einer Namensliste vermerkt. Bedarf an Namen gibt es immer, beispielsweise wenn neue Wohnstandorte entstehen und die neuen Straßen einen Namen brauchen.

Vor der Umbenennung muss allerdings auch das Einverständnis der Hinterbliebenen eingeholt werden, wie Reinhard Drogla (SPD), Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, erklärt. Das ist mitunter gar nicht einfach. So haben beispielsweise die Nachfahren von Erich Kästner der Namensgebung nur unter der Bedingung zugestimmt, dass der Erich Kästner Platz am Stadthaus entgegen der geltenden Rechtschreibregel ohne Bindestriche geschrieben wird.

Cottbuser wollten auch eine Achim-Mentzel Straße

Auch nach dem Tod des Cottbuser Schlagersängers Achim Mentzel im Januar 2016 gab es Diskussionen darüber, eine Straße oder einen Platz nach ihm zu benennen. Unbekannte hatten damals kurzerhand ein Hinweisschild in der Innenstadt mit der Aufschrift Achim-Mentzel-Straße überklebt. Doch bis heute trägt noch keine Straße und noch kein Platz den Namen des beliebten Entertainers.

Der SPD-Vorschlag soll nun zunächst in den einzelnen Fraktionen diskutiert werden und bei der nächsten Hauptausschuss-Sitzung wieder auf den Tisch kommen. Möglicherweise gibt es dann auch alternative Namensvorschläge. Reinhard Drogla sieht keinen Grund für unnötige Hektik. „Wir haben Zeit“, betont er.

Ihre Meinung ist gefragt


Was sagen Sie als Leser dazu? Würden Sie ebenfalls dem neuen Bahnhofsvorplatz den Namen des ersten Brandenburger Ministerpräsidenten geben? Oder haben Sie andere Vorschläge? Was halten Sie von Achim-Mentzel-Platz? Schicken Sie uns eine E-Mail unter leserbriefe@lr-online.de. Wichtig: Bitte geben Sie Ihren Namen und Wohnort an. Oder schreiben Sie ganz herkömmlich einen Brief an: LAUSITZER RUNDSCHAU, Leserbriefe, Straße der Jugend 54, 03055 Cottbus. Per Fax sind wir erreichbar unter 0355 481604.