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Malerin vertritt Cottbus in Partnerstadt

Anette Lehmann-Westphal.
Anette Lehmann-Westphal. FOTO: M. Hirche
Cottbus.. 15 Künstlern aus aller Welt treffen sich am kommenden Sonntag zu einem Aquarell-Pleinair in Targowischte. Seit vielen Jahren wird an dieser traditionsreichen Veranstaltung auch wieder eine Cottbuserin teilnehmen. Marion Hirche

Anette Lehmann-Westphal wird Cottbus, die Partnerstadt von Targowischte, vertreten.
„Ich freue mich schon auf die zwei Wochen in Bulgarien und hoffe auf viele neue Kontakte“ , verrät die 49-Jährige. Im Gepäck wird sie drei Aquarelle mit Cottbuser Motiven haben.
Anette Lehmann-Westphal malt erst seit 1995 intensiv. „Ich habe auch vorher schon ab und zu was zu Papier gebracht, war aber nie in einem Zirkel oder Kurs“ , sagt die Malerin. Ihre Zeichenlehrer hätten ihre Bilder immer entweder unpassend oder supertoll gefunden. Einmal sei ein Bild von einer Maidemonstration sogar bis nach Kiew zu einer Ausstellung geschickt worden.
Weil ein Studienplatz auf der Burg Giebichenstein unerreichbar schien, hat Anette Lehmann-Westphal in Görlitz Ein- und Verkauf von Bekleidung gelernt. Mit 30 hat die couragierte junge Frau noch mal umgesattelt, wurde Herrenmaßschneiderin. Als Schneiderin ließ sich nach der Wende kein Geld verdienen, also wechselte die Cottbuserin ins Büro. „Aber ich hatte immer das Gefühl, da ist noch was offen“ , sagt sie.
So kam es, dass die dreifache Mutter Mitte der 90er-Jahre ihren Aquarellkasten hervorkramte. „Ich habe gemalt und allen hat's gefallen“ , so Anette Lehmann-Westphal. „Da habe ich Feuer gefangen und den Entschluss gefasst: Ich werde jetzt Malerin.“
Ganz zielstrebig verfolgt sie seitdem ihr Ziel, hat es in den letzten zehn Jahren als Autodidaktin mit viel Fleiß, Energie und Konsequenz zu beachtlichen Ergebnissen gebracht. Sie besuchte Volkshochschulkurse, beschaffte sich stapelweise Literatur. In ihrem Ströbitzer Haus wurde im Dachgeschoss ein Atelier eingerichtet.
Die Künstlerin arbeitet sehr diszipliniert. Jeden Morgen genießt sie die morgendliche Unberührtheit der Ströbitzer Wiesen bei einem zügigen Spaziergang, danach wird gefrühstückt und dann beginnt der Arbeitstag im Atelier. Was sie malen will, hat die Cottbuserin meist im Kopf. Nur manchmal zieht sie Fotos, die sie von Objekten gemacht hat, zurate. Es entstehen Aquarelle, Ölbilder, Tuschezeichnungen. Auch Möbel, Kerzen und Wände bemalt die 49-Jährige. Sie gibt ihre Erfahrungen an Kinder weiter, hat ein ganzes Kinderheim in der Puschkinpromenade gemeinsam mit den Mädchen zu einem farbenfrohen Zuhause gemacht.
Auch bei einem großen Projekt zur Schnittrosenschau in Forst war sie in diesem Jahr dabei. Seitdem findet man auf ihren Bildern auch Blumen. Zusammen mit Dissenchener Strafgefangenen gestaltet sie gerade eine Ausstellung in der Sandower Bibliothek.
Anette Lehmann-Westphal wandelt zwischen den beiden Polen der Malerei. „Wenn ich ein gegenständliches Bild fertig habe, muss ich wieder ein abstraktes malen. Das sind die zwei Seiten in mir: die kraftvoll explosive und die filigran feine“ , bekennt sie.
Die Kunstfabrik vom Ewerk hält die Künstlerin für einen Glücksfall. Jetzt freut sie sich auf Targowischte. Und vielleicht geht irgendwann einmal ihr Traum in Erfüllung: Sie wünscht sich eine Ausstellung bei Vattenfall.