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| 02:33 Uhr

Malergenie findet seine Heimat

Cottbus. Die Cottbuser Sammlung von Werken des Landschaftsmalers Carl Blechen zeigt sich seit der Wiedereröffnung der Branitzer Gutsökonomie zu Ostern in neuem Licht. Damit ist den Besuchern der erste Teil der künftigen Dauerausstellung "Meister der Landschaft. Fürst Pückler und Carl Blechen" erstmals zugänglich. Ulrike Elsner

Park und Schloss Branitz gewinnen einen weiteren Touristenmagneten hinzu. Schon die Ausstellung "Carl Blechen (1798-1840). Die Cottbuser Sammlung", die als Teil der geplanten neuen Dauerausstellung in der Gutsökonomie schon jetzt zu sehen ist, zeigt das große Potenzial, das in der gemeinsamen Präsentation des Werks der beiden großen Cottbuser Landschaftskünstler steckt. Erst vor einem Monat hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) mitgeteilt, dass die Stiftung Branitz im Haushaltsjahr 2017 weitere Bundesmittel in Höhe von bis zu 97 500 Euro für die Fertigstellung der Ausstellung erhält.

Von Bürgern zusammengetragen

Doch schon jetzt ist der bereits zugängliche erste Ausstellungsabschnitt einen Besuch wert. Gezeigt werden Werke von Carl Blechen, einem der wichtigsten deutschen Landschaftsmaler seiner Zeit, Bilder seiner Künstlerkollegen und Schüler - und damit ein Schatz, der durch bürgerschaftliches Engagement der Cottbuser seit 1913 zusammengetragen wurde.

Nach einer wechselvollen Sammlungsgeschichte und dem Kriegsverlust von gut einem Drittel des Bestandes beherbergt Branitz seit 1955 die Sammlung, die durch Ankäufe und Leihgaben der Bundesrepublik heute wieder rund 80 Werke Blechens zählt.

"Wir haben mit der Gliederung nach Motiven neue Blickbeziehungen geschaffen, stellt Beate Schneider, Kuratorin der Ausstellung, fest. In der Gutsökonomie finde das in Cottbus geborene und zu Lebzeiten häufig verkannte Malergenie des 19. Jahrhunderts endlich eine Heimat.

Die Ausstellung thematisiert Blechens Sehnsucht nach Schönheit und sein Verständnis von der Landschaft als Bühne. So war Carl Blechen nicht nur drei Jahre lang Theatermaler am Königstädtischen Theater in Berlin, sondern übernimmt auch in einigen seiner Gemälde eine kulissenhafte Komposition. Außerdem vermittelt die Ausstellung Reiseeindrücke des Künstlers, den besonderen Blick, durch den er im Wilden und Alltäglichen der Natur seine Motive fand, sowie Wald und Wasser als Spiegel seiner Seelenlandschaft.

Medienstationen als Ergänzung

Moderne Medienstationen ergänzen die Ausstellung und geben den Besuchern die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden.

Im Mittelpunkt aber stehen die Bilder, von deren künstlerischer Virtuosität, dem Fantasie- und Geheimnisvollen Beate Schneider schwärmt. Blechen, der durch seine manische Depression und die damals üblichen drastischen Behandlungsmethoden mit nur 42 Jahren ein tragisches Ende gefunden hat, war eine Ausnahmeerscheinung in der Malerei der Romantik. Kühn im Entdecken seiner Motive und leidenschaftlich im Temperament hat er in nur wenigen Schaffensjahren, zwischen 1822 und 1837, ein umfangreiches und vielseitiges Werk hervorgebracht.

Er malte heitere und sinnliche Landschaften, aber auch Landschaften, deren impulsiver Pinselstrich und ungewöhnliche Farbigkeit die Menschen seiner Zeit häufig befremdeten. "Seine Vielseitigkeit führt immer wieder zu Entdeckungen", weiß die Museumsmitarbeitern, die wie nur wenige mit Blechens Werk vertraut ist. "Blechen ist ein genauer Beobachter der Natur, der uns auch das Unscheinbare vor Augen führt", stellt Beate Schneider fest.

Auch wenn bisher keiner sagen kann, ob Pückler und Blechen ein ander kannten, zeigen sich viele Parallelen zwischen diesen beiden großen Landschaftskünstlern. So war der Weg als Lebensweg ein wichtiges Motiv für beide. Für Pückler wie für Blechen gilt zudem: Kein Weg führt geradeaus. Auch die Wolfsschlucht und die räumliche Wirkung von Baumgruppen sind für den Maler ebenso von Bedeutung wie für den Landschaftsgestalter. Beate Schneider ist sich sicher: "Durch Pückler kann man Blechen besser verstehen."

Eine Ausstellungsführung mit der Kulturhistorikerin Beate Schneider ist für Besucher ein besonderer Gewinn.
Eine Ausstellungsführung mit der Kulturhistorikerin Beate Schneider ist für Besucher ein besonderer Gewinn. FOTO: Elsner