ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:40 Uhr

Cottbus
Maifeiern im Zeichen der Flüchtlingsdebatte

Politische Debatten prägten die traditionelle Maifeier der Gewerkschaften auf dem Heronplatz.
Politische Debatten prägten die traditionelle Maifeier der Gewerkschaften auf dem Heronplatz. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Gewerkschaften und AfD organisieren Veranstaltungen in Cottbus. Der Feiertag ist damit politischer als in den Vorjahren. Von Simone Wendler und Michael Helbig

Der Umgang mit den zahlreichen Flüchtlingen in der Stadt prägte die Maiveranstaltungen am Dienstag in Cottbus. Zur traditionellen Maifeier hatten der Deutsche Gewerkschaftsbund, Parteien, Organisationen und Vereine auf den Platz Am Stadtbrunnen eingeladen. Die Veranstalter verzichteten bewusst auf vorbereitete Reden. Stattdessen gab es Diskussionsrunden. Außerdem hatten Besucher die Möglichkeit, an zahlreichen Informationsständen miteinander ins Gespräch zu kommen.

Markus Niggemann (CDU), Vertreter der Stadt Cottbus, bezeichnete das Zusammenleben mit 4000 Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadt als deutlich besser, als es sich mitunter in der überregionalen Berichterstattung darstelle. Natürlich gehe das nicht immer reibungslos vonstatten. Dennoch werde dank der vielen ehrenamtlichen Unterstützer sehr viel getan, um den Herausforderungen gerecht zu werden. Stadtverordneter Eberhard Richter (Linke) kritisierte, dass die früheren, damals sicher richtigen Entscheidungen auf Bundesebene nicht konsequent weitergeführt worden seien. Viele Kommunen, auch Cottbus, hätte man damit im Regen stehen lassen.

Gunnar Kurth, SPD-Unterbezirkschef, wies darauf hin, was die Stadt selbst tun könne, um Probleme zu bewältigen. Dabei seien vielfältigste Kontakte in Kitas, Schulen und Sportvereinen unabdingbar.

Das Thema Flüchtlinge spielte auch auf einer Kundgebung ganz anderer Art vor der Cottbuser Oberkirche eine Rolle. Die AfD Brandenburg hatte dort zur alternativen Maifeier eingeladen. Vor etwa 400 Teilnehmern sprachen dort unter anderen AfD-Landeschef Andreas Kalbitz, Steffen Kubitzki, der am kommenden Wochenende in der Stichwahl zum Spree-Neiße-Landrat antritt und Christoph Berndt. Der ist Sprecher der flüchtlingsfeindlichen Bürgerinitiative „Zukunft Heimat“ aus Golßen, die seit fast einem Jahr auch in Cottbus in engem Zusammenwirken mit der AfD regelmäßig Kundgebungen organisiert. Berndt ist, wie Parteichef Kalbitz auf Nachfrage bestätigte, seit einiger Zeit auch Mitglied der AfD.

Die Redner verknüpften soziale Probleme mit den finanziellen Aufwendungen für die Aufnahme von Flüchtlingen. Jeder zehnte Hartz-IV-Empfänger in Deutschland sei ein Syrer, behauptete die AfD-Landtagsabgeordnete Birgit Bessin und fügte hinzu: „Dafür arbeiten wir.“ Christoph Berndt lobte die DDR trotz aller Mängel als „deutschen Nationalstaat“.

Cottbus: Ein Plakat mit der Aufschrift «Bundeswehr und Polizei, befreit uns endlich von den wahnsinnig gewordenen Politikern!» und mehrere Fahnen werden auf der AfD-Kundgebung an der Oberkirche in Cottbus gezeigt.
Cottbus: Ein Plakat mit der Aufschrift «Bundeswehr und Polizei, befreit uns endlich von den wahnsinnig gewordenen Politikern!» und mehrere Fahnen werden auf der AfD-Kundgebung an der Oberkirche in Cottbus gezeigt. FOTO: Patrick Pleul / dpa