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| 07:16 Uhr

Vandalismus
Luzifer der Dissener Spreeaue ist nun ein Einhorn

Nur noch mit einem Horn steht Luzifer groß und aufrecht auf dem Aussichtshügel in der Spreeaue bei Dissen. Sind Vandalen Schuld daran?
Nur noch mit einem Horn steht Luzifer groß und aufrecht auf dem Aussichtshügel in der Spreeaue bei Dissen. Sind Vandalen Schuld daran? FOTO: Frank Hilbert
Dissen. Es ist gewissermaßen das Wahrzeichen in der renaturierten Spreeaue bei Dissen – das Ochsengespann mit dem Teufel auf dem Aussichtshügel. Derzeit präsentiert sich jedoch Luzifer gar nicht so, wie es viele Besucher aus nah und fern gewohnt sind. Von Frank Hilbert

Dem mehr als mannshohen Teufel fehlt eines seiner Hörner und er sieht daher eher wie ein Einhorn, statt wie der Fürst der Finsternis aus. Darüber hinaus sind ein Ohr und ein Schwanz verschwunden. War es Vandalismus?

Zuständig für das Gebiet ist die Leag. Dort geht man von Vandalismus aus und hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, wie auf RUNDSCHAU-Nachfrage zu erfahren ist. Die Schadenshöhe werde derzeit noch geprüft und auch, ob und mit welchem Aufwand das Kunstwerk zu reparieren wäre, denn bereits zu einem früheren Zeitpunkt hätten Unbekannte schon einmal ein Ohr eines Ochsen abgebrochen.

Video: Hans-Georg Wagner

Das Ochsengespann ist seit Jahren ein Hingucker in der renaturierten Spreeaue bei Dissen. Der Leag-Vorgänger Vattenfall hatte die Stilllegung der Lakomaer Teiche im Zuge des Tagebaus Cottbus-Nord mit dieser Renaturierung ausgleichen müssen. Insgesamt wurden zwischen Döbbrick und Schmogrow bis 2013 etwa 400 Hektar Fläche und elf Kilometer Flusslauf naturnah gestaltet. Das Geld für das 30-Millionen-Euro-Projekt gab das Energieunternehmen Vattenfall.

Der Cottbuser Künstler Hans-Georg Wagner hatte das Gespann in fünfmonatiger Arbeit bei Wind und Wetter aus Eichenholz geschaffen. Eingeweiht worden ist es am 17. Oktober 2012. Der Sage nach soll Luzifer wütend auf sein Pfluggespann gewesen sein und den müden Ochsen mit der Peitsche solch einen Schrecken eingejagt haben, dass sie kreuz und quer und hin und her den Spreewald schufen. Mit rund 30 000 Kubikmetern Erde hatte seinerzeit Vattenfall den Hügel aufgeschüttet, inklusive Treppenstufen und einer behindertengerechten Zufahrt.

Das Gespann sei seine größte freistehende Figur, die er bisher geschaffen hat, sagt der Holzbildhauer. Er wisse von dem verschwundenen Horn des Teufels, wie er auf Nachfrage sagt. Ob es nun mutwillig entfernt wurde, wäre möglich. Aber auch eine andere Ursache sei denkbar: „Das Horn ist einer extremen Bewitterung ausgesetzt und wir hatten einen sehr trockenen Sommer. Gut möglich, dass es zusammengetrocknet und dadurch abgefallen ist. Im vorigen Jahr war bereits mal ein Ohr abgefallen“, sagt Hans-Georg Wagner.

Das Kunstwerk sei jedoch nicht dazu geschaffen, um darauf herum zu klettern. Ursprünglich war es mit einem Teeranstrich davor geschützt worden, der aber inzwischen verwittert ist. Auch die dornigen Sträucher ringsherum sollen das Ochsengespann schützen. Er habe vor einiger Zeit der Leag vorgeschlagen, es erneut mit einem Teeranstrich zu versehen, was aber abgelehnt wurde. Wie ein Unternehmenssprecher am Dienstag sagte, werde auch dies im Zusammenhang mit der erneuten Beschädigung des Kunstwerkes noch einmal geprüft.


Hier ist der Teufel mit dem Ochsengespann in der Dissener Spreeaue noch komplett und vollständig behornt.Auch dessen Ochsen haben noch beide ihre Schwänze, die nun ebenfalls verschwunden sind.
Hier ist der Teufel mit dem Ochsengespann in der Dissener Spreeaue noch komplett und vollständig behornt.Auch dessen Ochsen haben noch beide ihre Schwänze, die nun ebenfalls verschwunden sind. FOTO: Frank Hilbert