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Lutherkirche wird mit Jazz erneuert

Das Landesjugendjazzorchester begeisterte das Publikum in der Lutherkirche mit Musik von Billy Strayhorn.
Das Landesjugendjazzorchester begeisterte das Publikum in der Lutherkirche mit Musik von Billy Strayhorn. FOTO: rur1
Cottbus. Junge Musiker spielen seit Freitag wieder für die Erhaltung und Sanierung ländlicher Gotteshäuser in Brandenburg. Musikschulen und Ensembles tragen dabei die Freude an der Musik weiter und sammeln Geld für Projekte. Ronald Ufer / rur1 rur1

"Landesweit gibt es rund 1400 Dorfkirchen, die wesentlich viele Orte und die Regionen prägen. Für die Erhaltung können weder das Land noch die Kirchengemeinden selbst die nötigen Mittel aufbringen", sagte Brandenburgs Kulturstaatssekretär Martin Gorholt am Freitagabend in der Lutherkirche. "Deshalb ist es unerlässlich, für diese Arbeiten private Förderer und Spenden zu gewinnen."

Die Aktion "Musikschulen öffnen Kirchen" sei ein bewährter Weg, zusätzliche Mittel zu gewinnen, betonte der Staatssekretär. Zudem solle mit dem Auftritt von Landesjugendjazzorchester (Lajjazzo) und Landesjazzorchester Junior zum diesjährigen Auftakt die in Brandenburg wenig verwurzelte Musikform einem breiten Publikum nahe gebracht werden. Die 1912/13 erbaute, im 2. Weltkrieg zerstörte und 1951 durch das Engagement der Gemeinde wiedereröffnete Lutherkirche, die saniert werde, sei ein guter Ort für den Auftakt. Das Cottbuser Konservatorium beteilige sich seit Jahren an der Veranstaltungsreihe. Daher sei die Freude groß, 2015 das Eröffnungskonzert in der Stadt zu erleben, sagte der Fachbereichsleiter Kultur, Bernd Warchold.

"Eine Konzertreihe zugunsten ländlicher Gotteshäuser ausgerechnet in der Cottbus Lutherkirche zu beginnen, sei nicht so falsch", konstatierte Superintendentin Ulrike Menzel. "Als diese vor rund 100 Jahren errichtet wurde, stand sie zunächst noch auf der grünen Wiese."

Jazz für die Jugend

Dem ersten Teil des Konzertabends in der voll besetzten Kirche bestritt das Landesjugendjazzorchester Junior unter Leitung von Martin Gerwig. Das 2012 gegründete Ensemble vereint 20 Nachwuchsmusiker im Alter von 12 bis 18 Jahren. Für das Eröffnungskonzert hatten sie ein Programm mit Werken von Kenny Wheeler erarbeitet. "Wir wollen die Musik des kanadischen Trompeters und Komponisten sowie Jazz insgesamt zu den jungen Brandenburgern bringen und bei ihnen populär werden lassen", sagte Martin Gerwig. Im Konzert wechselte Sinfonisches aus dem Album "Song for Someone" mit Lebensfreunde ausstrahlender Happy-Musik, die von den jungen Musikern mit viel Spaß und Hingabe gespielt wurden.

Swing der 40er und 50er

Das Lajjazzo widmete sich im zweiten Teil unter dem Motto "A Focus on Billy Strayhorn" dem Schaffen des bedeutenden Jazzkomponisten und Arrangeurs, der vor 100 Jahren geboren wurde. Unter der künstlerischen Leitung des amerikanischen Big-Band-Leaders Jiggs Whigham erstrahlten Swingmelodien aus den 40er und 50er Jahren. Vom Publikum begeistert aufgenommen wurden Klassiker wie "Take The A-Train", "Lush Life" und "Such Sweet Thunder" aber auch selten gespielte Titel wie "Little Jeannette leigh". Auch die Erkennungsmelodie des Orchesters "Johnny Come Lately" stammt von Billy Strayhorn. Als Zugabe zum mit viel Beifall aufgenommenen Konzert erklang eine Eigenkomposition.

Geld für die Lutherkirche

Ein Teil der Einnahmen aus dem Konzertabend fließt der Innensanierung und Neugestaltung der Lutherkirche zu. In welcher Form dabei Jugendstilelemente wiedererstehen und mit modernen Elementen kombiniert werden sollen, um den Raum an heutige Gottesdienst- und Veranstaltungsformen anzupassen, wird derzeit von der Kirchengemeinde diskutiert. Die Arbeiten sollen 2016 starten und bis zum Lutherjahr 2017 beendet sein.

Zum Thema:
Im Rahmen der landesweiten Benefizkonzertreihe "Musikschulen öffnen Kirchen" erklingen in diesem Jahr 61 Konzerte. Sie werden durch mehr als 1000 junge Künstler von 23 Brandenburger Musikschulen gestaltet. Diese engagieren sich gemeinsam mit dem Verband der Musik- und Kunstschulen und dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg seit mehreren Jahren dafür, dass die ländlichen Gotteshäuser erhalten und weiter als Begegnungsstätten genutzt werden können. Dafür wurden bereits mehr als 130 000 Euro Spendengelder eingespielt. rur1