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| 02:34 Uhr

Lutherkirche kommt nicht zur Ruhe

Die Lutherkirche strahlt wieder in alter Schönheit dank einer umfangreichen Sanierung der Fassade zwischen 2012 und 2014.
Die Lutherkirche strahlt wieder in alter Schönheit dank einer umfangreichen Sanierung der Fassade zwischen 2012 und 2014. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. (pk) Die Lutherkirche reckt sich selbstbewusst in die Höhe. Von dem Anschlag am Sonntag ist am Montag nichts mehr zu sehen.

Schon Stunden später hatte die Gemeinde am Sonntag die furchtbaren Schmierereien an der Wand überstrichen und von den Schaukästen abgewischt. Drei etwa einen Meter große Hakenkreuze prangten in roter Farbe am Gotteshaus, berichtet Dieter Löbens vom Gemeindekirchenrat.

Der Schrecken über die Tat ist ihm auch einen Tag später noch anzuhören. "Wir sind schockiert und wütend darüber", sagt Dieter Löbens und schiebt hinterher: "Die Leute sollen doch lieber mit uns reden." Das erinnert ihn ans vergangene Jahr. Damals stand das Wort Heuchler in schwarzen Lettern am Gotteshaus. Das war ebenfalls kurz nach dem 15. Februar, dem Tag an dem die Cottbuser an die Bombardierung ihrer Heimatstadt im Jahr 1945 erinnern. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt die Lutherkirche eine der ersten Treffer, blieb nur als Ruine stehen und gilt seither als Symbol für die Schrecken des Krieges. Jährlich finden am Jahrestag um 11.30 Uhr Friedensandachten in der Lutherkirche statt. Um diese Zeit fielen die Bomben.

Das Datum hat in den vergangenen Jahren die NPD genutzt, um ihren Opferkult auf die Straße zu tragen. Dagegen setzten die Cottbuser von Anfang bunte Demonstrationen, in denen Weltoffenheit und Toleranz als wichtige Teile des urbanen Selbstverständnisses gefeiert wurden. In diesem Jahr sagten die Rechtsradikalen ihre Kundgebung kurzfristig ab. Das feierten am vergangenen Mittwoch rund 1000 Cottbuser, die damit nicht nur die Straße von den Rechtsradikalen zurückerobert haben, sondern vor allem die Erinnerung an die mehr als 1000 Toten durch die Bomben.

Die Lutherkirche ist nicht nur ein Symbol von Krieg und Zerstörung. Sie steht vor allem für Versöhnung und Wiederaufbau. Seit 2012 wurde das Gotteshaus umfangreich saniert. Davon war noch Farbe übrig, weshalb die Hakenkreuze schnell verschwanden. Auch das ist Aufbauarbeit.