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Luther im Spiegel der Druckgrafik

Museumschef Herbert Lehmann demonstriert hier die Funktionsweise der historischen Druckpresse, die Bostontiegel genannt wird.
Museumschef Herbert Lehmann demonstriert hier die Funktionsweise der historischen Druckpresse, die Bostontiegel genannt wird. FOTO: Elsner
Cottbus. Passend zum Lutherjahr steht der große Reformator im Mittelpunkt der neuen Ausstellung des Stadtteilmuseums Gallinchen. Dopplungen mit anderen musealen Vorhaben sind dabei nicht zu befürchten, denn Ausstellungsmacher Herbert Lehmann hat sich mit "Holzschnitte und Kupferstiche aus der Zeit der Reformation" einem besonderen Aspekt der Geschichte zugewandt. Ulrike Elsner

Dabei stützt sich der ehrenamtliche Museumschef wiederum auf Originalquellen.

"Das Mittelalter war keine Zeit der Hofspiele fürs Volk, wie Mittelalterfeste uns das heute weismachen wollen", sagt Herbert Lehmann. Es sei zu dieser Zeit sehr viel brutaler und vulgärer zugegangen. Das belegen vor allem die Kupferstiche und Holzschnitte, die verschiedene Aspekte des Lebens zur Lutherzeit beleuchten.

Reich illustrierte Ausstellungstafeln dokumentieren Themen wie "Alltag im 16. Jahrhundert", "Bäuerliches Leben im 16. Jahrhundert", "Der Totentanz - das Leben danach", "Albrecht Dürer - Künstler seiner Zeit", "Hexen, Tod & Teufel" oder "Martin Luthers Schriften". Auch dem in Cottbus geborenen bekannten evangelischen Theologen und Reformator Johann Briesmann ist ein Abschnitt gewidmet.

"Müntzer gegen Luther" steht über der Ausstellungstafel, die sich mit den Gemeinsamkeiten und zunehmenden Konflikten beider Theologen befasst. Obwohl die Reformation als Rechtfertigung für die aufständischen Bauern galt, distanzierte sich Martin Luther vom Bauernkrieg. "Luthers Lehre stammte aus dem Buch", betont Herbert Lehmann. Er unterschied zwischen Weltlichem und Geistlichem und strebte mit der Reformation die Veränderung der Kirche und nicht etwa eine Verchristlichung der Welt an. Im Gegensatz dazu sah Müntzer vor allem die Leiden des Volkes.

Auch in Cottbus hat es zur Zeit der Bauernkriege Unruhen gegeben. Das belegt ein Brief des Cottbuser Amtshauptmanns Barthold von Mandelsloh an den Markgrafen aus dem Jahr 1579, in dem er an "der pauern aufrhur" 50 Jahre zuvor erinnert, als die Herren sich hatten selbst kutschieren müssen.

Der Bibel, speziell der Lutherbibel, und dem Buchdruck widmet die Ausstellung großen Raum. Besonderen Schauwert gewinnt sie durch einen originalen Bostontiegel, wie er um das Jahr 1830 entwickelt worden war, und einen Setzkasten, den die Druckerei Schiemenz dem Museum als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat. "Ohne die Erfindung des Buchdrucks", betont der Museumsleiter, "wäre der Siegeszug der Reformation undenkbar gewesen, denn das gesprochene Wort ist flüchtig."

Mit einem Jubiläum lassen sich meist auch gute Geschäfte machen. Dabei bildet "500 Jahre Reformation" keine Ausnahme. Welche Blüten das treiben kann, hat Herbert Lehmann unter der Überschrift "Luther zwischen Kitsch und Kunst" festgehalten. Das Spektrum reicht von Luthersocken über Formen für Lutherplätzchen und einen Playmobil-Luther bis zur Luthertomate.

Zum Thema:
Die neue Wechselausstellung "Holzschnitte und Kupferstiche aus der Zeit der Reformation" wird am Donnerstag, 9. Februar, 18 Uhr, im Stadtteilmuseum Gallinchen eröffnet. Danach lädt das Museum in der Alten Dorfschule, Gallinchener Hauptstraße 54, immer mittwochs, jeweils von 15 bis 18 Uhr, ein. Andere Termine können unter Telefon 0355 537119 vereinbart werden. In zwei weiteren Klassenräumen präsentiert das Haus unter dem Titel "Gallinchen - Der Weg von der frühen Besiedlungsstätte bis zum Stadtteil von Cottbus" eine Ausstellung zur Ortsgeschichte.