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Lukratives Geschäft mit alten Cottbuser Röcken

Cottbus. Ein rotes Herz schmückt den Zettel, der in dieser Woche in vielen Cottbuser Briefkästen gelandet ist. Ein kommerzieller Anbieter kündigt darauf eine große Altkleidersammlung an. Auch Schrott soll schon am morgigen Mittwoch abgeholt werden. Doch die Konkurrenz schläft nicht und meldet sich ebenfalls per Flyer schon für den Dienstag an. Ein Beleg dafür, wie hart der Markt umkämpft ist. Sven Hering

Sie stehen an großen Einkaufscentern, in Wohngebieten oder direkt an Straßen: Mehrere gemeinnützige Organisationen haben in Cottbus beinahe flächendeckend ihre Altkleidersammelcontainer aufgestellt. Und diese werden fleißig befüllt.

Doch nur ein Bruchteil der gesammelten Textilien landet wirklich in den Kleiderkammern und damit bei den Bedürftigen. Der überwiegende Teil wird an Recyclingfirmen weiterverkauft.

Das ist längst gängige Praxis und wird so auch offen kommuniziert. Es werde mehr gebrauchte Kleidung gespendet, als an bedürftige Menschen weitergegeben werden kann, heißt es beim Cottbuser Deutschen Roten Kreuz (DRK). Die Erlöse, die aus dem Verkauf an Recyclingfirmen erzielt werden, kämen sozialen Projekten des Kreisverbandes Cottbus-Spree-Neiße zugute. So läuft es auch bei den Maltesern. Zwar wird auf den Sammelcontainern mit dem Logo der Hilfsorganisation geworben. Die Sachen gehen aber direkt an ein spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in Bremen, das dafür einen Obolus an die Malteser entrichtet.

Kommunen mischen mit

Ohnehin mischen inzwischen einige kommerzielle Anbieter kräftig mit. Die noch tragbare Kleidung gehe an Länder der früheren Sowjetunion und in Entwicklungsländer, heißt es auf dem aktuellen Infozettel der Firma A.K. Sammlung aus Plessa.

Neben privaten Unternehmen und gemeinnützigen Hilfsorganisationen wollen zunehmend auch Kommunen ein Stück vom Kuchen. In Niedersachsen gebe es dafür schon erste Beispiele, vermeldet der dortige Städtetag. In Hannover stünden schon seit einiger Zeit Container, mit denen die Stadt Kleidung sammelt. Der Landkreis Osnabrück habe angekündigt, nachzuziehen. Mit den Erlösen sollen Haushaltslöcher gestopft werden.

Cottbus könnte die zusätzlichen Einnahmen zwar ebenfalls gut gebrauchen. Allerdings gibt es derzeit keine Pläne, in den Wettstreit um die alten Röcke einzusteigen. Im Abfallwirtschaftskonzept sei diese Option den gemeinnützigen Anbietern vorbehalten, sagt Sybille Schneider vom Amt für Abfallwirtschaft. Im nächsten Jahr soll das Konzept fortgeschrieben werden. Dann werden die Karten neu gemischt.

Schon seit Mitte dieses Jahres gilt hingegen ein neues Kreislaufwirtschaftsgesetz. Danach muss jede gemeinnützige oder gewerbliche Sammlung drei Monate vorher bei der Behörde, in diesem Fall dem Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, angezeigt werden. Das Aufstellen ortsfester Container fällt ebenso unter die Anzeigepflicht wie das gelegentliche gewerbliche Sammeln bei Handzettelaktionen.

Klar geregelt ist im neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz ebenfalls, dass Elektrogeräte nicht privat gesammelt werden dürfen. Dafür sind die öffentlich-rechtlichen Entsorger mit ihren Wertstoffhöfen, Händler oder Hersteller der Geräte zuständig. Wer Altkleider oder Schrott ohne vorherige Mitteilung sammelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld von bis zu 10 000 Euro rechnen. Das neue Gesetz macht allerdings auch etablierten Hilfsorganisationen zu schaffen. Die Cottbuser Johanniter haben laut deren Sprecher Andreas Berger-Winkler ihre Pläne vorerst auf Eis gelegt, ebenfalls Altkleidersammelcontainer in der Stadt aufzustellen. Die bürokratischen Hürden seien einfach zu hoch.

Geld für Waschmittel

So bleibt es vorerst dabei, dass lediglich am Johanniter-Standort in Finsterwalde an der dortigen Kleiderkammer Textilien eingesammelt werden. Allerdings sei dort längst nicht jedes Kleidungsstück zu gebrauchen. Von Löchern zerfressene Handtücher oder Hemden mit großen Flecken stünden exemplarisch für Textilien, die in den Müll gehörten, sagt Berger-Winkler. Wenigstens einen Teil davon können die Johanniter trotzdem an einen privaten Anbieter verkaufen. Reich wird der gemeinnützige Verein laut Berger-Winkler davon aber nicht. "Der Erlös reicht aus, um etwas Waschmittel zu kaufen, um damit die gut erhaltenen Kleidungsstücke vor dem Anbieten in der Kleiderkammer noch einmal durchzuwaschen", erklärt der Cottbuser Johanniter-Sprecher.